Das Wrack der "Costa Concordia" bewegt sich unkontrollierbar. Trotzdem geht die Suche nach Vermissten weiter. Am Mittag wurde eine weitere Leiche geborgen.

Die Bergungsarbeiten an der "Costa Concordia" werden durch das raue Wetter erschwert© Vigili del Fuoco/Reuters
Nach einer Zwangspause geht die Suche nach Vermissten im Wrack des vor einer Woche gekenterten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" weiter. Die Taucher mussten am Freitagmorgen ihre Arbeit einstellen, weil sich das 290 Meter lange Schiff erneut bewegt hatte. Mit gezielten Sprengungen an der Außenhaut verschaffen sich die Rettungskräfte inzwischen wieder Zugang zum Wrack. Die Hoffnung, noch Lebende zu finden, schwindet allerdings mit jeder Stunde.
Am Samstag wurde eine weitere Leiche geborgen. Bei dem Opfer handle es sich um eine Frau, hieß es in einer Meldung der Nachrichtenagentur ANSA. Die Nationalität wurde zunächst nicht genannt.
Die italienische Regierung beschloss unterdessen den Notstand, wie der Minister für Parlamentsangelegenheit, Piero Giarda, nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa am Freitag in Rom verkündete. Dadurch sollen Gelder und zusätzliche Hilfe für die Gegend bereitgestellt werden, in der die "Costa Concordia" havariert war. Das leckgeschlagene Schiff droht weiter zu sinken, etwa 2300 Tonnen Treibstoff - offensichtlich überwiegend Schweröl - könnten dann ins Meer vor der toskanischen Küste fließen.
Das Kreuzfahrtschiff bewegte sich am Freitag - und zwar unaufhörlich, wie die Helfer mitteilten. Das Wrack vor der italienischen Insel Giglio drohte abzurutschen und ganz unterzugehen. Im Laufe des Tages besprachen die Teams ihr weiteres Vorgehen und werteten Daten eines Roboters aus, der unter Wasser eingesetzt wird. Unterdessen beschloss die italienische Regierung den Notstand, um Gelder und zusätzliche Hilfe für die Gegend bereitzustellen.
Möglicherweise brachten Strömungen am frühen Morgen Bewegung in das Wrack. Um das Schiff zu stabilisieren, gibt es Pläne, den 290 Meter langen Koloss mit Hebeseilen am Felsen festzumachen.
Die Zeit drängte. Von Norden her näherte sich ein heftiges Unwetter. Sturm und hohe Wellen könnten den Luxusliner weiter absacken lassen. Noch immer gibt es mehr als 20 Vermisste, darunter zwölf Deutsche. Das Kreuzfahrtschiff droht nach der Havarie vom 13. Januar über eine Unterwasserklippe in die Tiefe zu gleiten.
Weil die Suche nach den Vermissten noch nicht beendet und außerdem viel Treibstoff an Bord ist, soll ein Sinken des Schiffes auf jeden Fall verhindert werden. Die Retter hofften, dass Giglio sozusagen im Windschatten der westlich gelegenen Insel Korsika etwas geschützt gegen den aufziehenden Sturm und hohen Seegang sein könnte.
In Giglio beriet ein wissenschaftlicher Ausschuss des Zivilschutzes, ob die Bewegung des Schiffes auch bedeuten könnte, dass es sich auf dem Felsen vor der toskanischen Insel festsetzt. Das Schiff verlagere sich um etwa 7 Millimeter pro Stunde, am Bug bis zu 15 Millimeter, erläuterte der Florentiner Erdrutsch-Experte Nicola Casagli, der den Ausschuss auf Giglio leitet.
Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter sollte am Rumpf des Schiffes die Frage klären helfen, ob das Wrack auf dem Boden "verankert" werden kann, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Jede Bewegung des Kreuzfahrtschiffes werde auch mit Satellitenaufnahmen verfolgt. Der "Rov" genannte Roboter suche auch die Umgebung des Schiffes ab, um eventuell Leichen zu entdecken.
"Absolute Priorität hat für uns weiterhin die Suche nach Vermissten", sagte der Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari, auf die Frage, wann mit dem Abpumpen des Treibstoffs zu rechnen sei. Unklar war damit, wann die niederländische Spezialfirma Smit mit dem Entfernen des Öls aus den Tanks beginnen kann. Der Beginn der Aktion war eigentlich für Freitag oder diesen Samstag geplant. Jedoch dürften die Arbeiten aus Sicherheitsgründen voraussichtlich erst dann anfangen, wenn sich keine Helfer mehr an Bord befinden.