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16. Januar 2012, 22:30 Uhr

Keine Spur von vermissten Deutschen

Der Costa-Deutschlandchef will die Opfer des Unglücks auf der "Costa Condordia" entschädigen. Weiterhin gibt es kein Lebenszeichen von den zwölf vermissten Deutschen. Von Niels Kruse

566 Deutsche aus allen Bundesländern waren an Bord der verunglückten "Costa Concordia". Der Großteil ist mittlerweile gerettet, doch noch immer wird eine Anzahl vermisst, die "im niedrigen zweistelligen Bereich liegt", wie Costa-Deutschlandchef Heiko Jensen auf einer Pressekonferenz in Hamburg sagte. Genaue Zahlen will die Eigentümerfirma aber nicht nennen, aufgrund einer Absprache mit den italienischen Behörden, so Jensen. Nach Angaben der Polizei aber liegt sie bei zwölf. Laut des LKA in München gebe es einen "Vermisstenfall in Bayern". Das bedeute aber nicht unbedingt, dass die Person im Schiffsrumpf eingeschlossen sei - dennoch fehlt von den vermissten Deutschen jede Spur.

Bisher hatten deutsche Polizeidienststellen elf Vermisste aus anderen Bundesländern gemeldet - drei Frauen und zwei Männer aus Hessen, zwei Frauen aus Baden-Württemberg, ein Paar aus Berlin sowie zwei Eheleute aus Nordrhein-Westfalen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wollte nicht ausschließen, dass unter den Vermissten weitere deutsche Opfer zu beklagen seien. Es könne durchaus "weitere betrübliche Nachrichten" geben. Insgesamt sollen noch 14 Menschen vermisst werden. Andere Berichte, die sich auf die italienische Küstenwache beziehen sprechen sogar von 29 Vermissten.

"Dieser Felsen war auf Karten eingetragen"

Auf der Pressekonferenz hatte sich der Schiffeigener zu vielen offenen Fragen des Unglücks bedeckt gehalten. Doch der Tenor von Costa war eindeutig: Das Unglück sei eine Folge menschlichen Versagens, namentlich des Kapitäns Francesco Schettino. Der habe laut Heiko Jensen die vorgegebene Route eigenmächtig geändert. Die vom Kommandanten angeführte Begründung, die Felsen, auf denen die "Costa Concordia" aufgelaufen sei, "seien nicht auf seiner Seekarte eingetragen gewesen, wies Costa zurück. "Dieser Felsen war auf Karten eingetragen", so Heiko Jensen.

Von einem Chaos bei der Evakuierung will der Schiffseigener ebenfalls nicht wissen. Jensen räumte zwar ein, das nicht alles reibungslos verlaufen sei, aber im Großen und Ganzen habe es positive Reaktionen der Betroffenen gegeben. Auch der Vorwurf, die Mannschaft habe untereinander Verständigungsschwierigkeiten gehabt, stimme nicht, so Jensen. "Die Arbeitssprache an Bord ist Englisch, was alle Crew-Mitglieder auch gesprochen hätte.

Betroffene werden entschädigt

Das Unternehmen sicherte den Opfern der Schiffshavarie eine Entschädigung zu. "Wir nehmen mit jedem einzelnen Gast Kontakt auf", so Heiko Jensen. Diejenigen, die in den nächsten Tagen hätten auf das Schiff zusteigen sollen, bekommen die Reisekosten in Höhe von 700 Euro erstattet sowie eine kostenlose Kreuzfahrt oder wahlweise 30 Prozent des Preises. Den betroffenen Passagieren und ihren Angehörigen sagte Costa jede Form der Hilfe zu "Wir sind kontinuierlich mit den Familien in Kontakt. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen", sagte Heiko Jensen.

Weitere Einzelheiten zum Unglückhergang erhofft man sich von der Auswertung der Blackbox des Schiffes, die ähnlich wie in Flugzeugen die Kommunikation auf der Brücke und Steuerbefehle aufzeichnet. Der Datenträger sei bereits geborgen, aber von den italienischen Behörden konfisziert. Costa Kreuzfahrten aber versicherte, dass alle Details der Auswertung veröffentlicht werden sollen. Primär sei aber die Rettung und Bergung der Vermissten, so Jensen

Wrack bewegte sich um neun Zentimeter

Nach einem Abschluss der Such- und Bergungsaktion könnte zudem die Frage nach möglichen Umweltbelastungen für die knapp 2400 Tonnen Dieselöl in den Tanks der "Costa Concordia" in den Vordergrund treten. Spezialisten sind bereits auf der Insel, und der italienische Umweltminister Corrado Clini hat für diesen Montag eine Gruppe von Fachleuten nach Livorno eingeladen, um das Problem zu erörtern.

Rettungskräfte haben am Montagnachmittag die Suche nach Überlebenden und Opfern des Kreuzfahrtunglücks vor der Küste der Toskana wieder aufgenommen. Die Arbeiten seien fortgesetzt worden, nachdem die Stabilität der "Costa Concordia" überprüft worden sei, sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari. Der Wind in der Region um die Insel Giglio und der Wellengang hätten nachgelassen. Zuvor hatten die Taucher der Küstenwache das Schiff vorübergehend verlassen, nachdem es sich um neun Zentimeter bewegt hatte.

be/jar/kng/DPA/AFP
 
 
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