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26. Mai 2003, 15:07 Uhr
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Heimflug in den Tod

Bei einem Flugzeugabsturz in der Türkei sind 74 Menschen ums Leben gekommen. 62 von ihnen waren spanische Soldaten der Internationalen Friedenstruppe in Afghanistan auf dem Weg in die Heimat.

Die Unfallstelle nach dem Absturz© dpa

Für 62 spanische Soldaten der Internationalen Friedenstruppe in Afghanistan wurde die Heimreise ein Flug in den Tod. Die in der Ukraine gecharterte Maschine vom Typ Jak-42 stürzte am Montagmorgen bei dichtem Nebel an der türkischen Schwarzmeerküste ab. Dabei kamen auch die 12 Mitglieder der ukrainischen Crew ums Leben. Das Flugzeug, das in Trabzon aufgetankt werden sollte, zerschellte nach zwei vergeblichen Landeversuchen in einem bergigen Waldgebiet. Das Unglück war das schwerste in der Geschichte der spanischen Streitkräfte.

Auf dem Weg nach Haus

Die Maschine war nach Angaben des spanischen Militärs am Sonntag um 22:00 Uhr MESZ in Kabul gestartet und sollte nach Zwischenlandungen in Kirgisien und der Türkei nach Saragossa fliegen. Die Soldaten hatten ihren Afghanistan-Einsatz im Januar begonnen und waren jetzt nach vier Monaten abgelöst worden.

Erinnerung an Afghanistan: das Foto der Truppe fanden Helfer an der Absturzstelle© dpa

Flugzeug einer Transport-Agentur

Spaniens Verteidigungsminister Federico Trillo flog am Montag in die Türkei, um die Heimführung der toten Soldaten zu koordinieren. 40 gehörten zum Heer, 21 zur Luftwaffe und einer zur paramilitärischen Guardia Civil. Das Flugzeug gehörte nach Angaben aus Madrid zu einer Transport-Agentur der NATO. Auf diese griffen alle Länder zurück, die an der internationalen Hilfsmission in Afghanistan beteiligt seien. Die spanische Luftwaffe verfüge nicht über solche Flugzeuge. Die dreistrahlige Jakowlew-42 sowjetischer Bauart ist eine Kurzstreckenmaschine für bis zu 120 Passagiere.

"Die ukrainischen Flugzeuge des Typs Yak-42 sind ausgezeichnete Maschinen. Sie werden von der NATO überprüft und gewähren eine vollständige Sicherheitsgarantie", sagte Trillo vor seinem Abflug. Beim Absturz in der Türkei hätten "außergewöhnliche Witterungsumstände" eine Rolle gespielt. An der Unfallstelle hätten starke Turbulenzen und dichter Nebel geherrscht.

Der Pilot hatte im Nebel schon zwei Mal zu landen versucht - nach dem Absturz zogen dichte Rauchwolken in den Himmel© dpa

Kontakt brach ab

Nach Berichten der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hatte der Pilot bei zwei Landeversuchen in Trabzon am östlichen Rand des türkischen Schwarzmeergebietes die Piste nicht erkennen können und war wieder durchgestartet. Danach brach die Verbindung zur Maschine ab. Statt vom Norden und vom Meer aus anzufliegen, sei das Flugzeug etwa 35 Kilometer in den Süden auf die Berge zu abgedreht. Augenzeugen aus einem nahe gelegenen Dorf berichteten, sie hätten auf dem Weg in die Moschee laute Geräusche gehört und dann ein brennendes Flugzeug am Himmel gesehen. Kurz darauf habe es zwei heftige Explosionen gegeben, denen weitere gefolgt seien.

Den Rettungsmannschaften bot sich ein Bild des Grauens. Viele der 74 Insassen waren durch den Aufprall in Stücke gerissen worden. Zwischen den Trümmern fanden die Bergungsmannschaften auch Teile der Ladung und persönliche Gegenstände der Soldaten. Darunter waren Erinnerungsfotos und Kameras. Die Bergung der Leichen dauerte bis in den Nachmittag hinein.

Trauer ud Anteilnahme

Spaniens König Juan Carlos, Oberbefehlshaber der Streitkräfte, sagte als Zeichen der Trauer einen diplomatischen Empfang ab, der am Mittwoch zum "Tag der Streitkräfte" in Madrid stattfinden sollte. Am Luftwaffenstützpunkt von Saragossa stellte das Militär Räume für die Betreuung von Angehörigen bereit. Psychologen kümmerten sich um die Familien der toten Soldaten. Die Spanier hatten in Afghanistan Minen entschärft, Sprengstoff zerstört und Lebensmittel verteilt. Sie waren am Bau einer Straße für Lastwagen zum Flughafen von Kabul beteiligt und arbeiteten an der Instandsetzung von Flughäfen in Kabul und in Kirgisien mit.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) reagierte mit großer Betroffenheit auf den Flugzeugabsturz und übermittelte seinem spanischen Amtskollegen Trillo seine Anteilnahme.

Auch Papst Johannes Paul II. äußerte sich bestürzt über das Flugzeugunglück. Er erklärte in einem Telegramm an den spanischen Militärgeistlichen, er trauere mit den Angehörigen der 74 Todesopfer.

 
 
 
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