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20. August 2008, 15:28 Uhr

Retter sprechen von 150 Toten

Auf dem Madrider Flughafen ist eine Spanair-Maschine nach dem Start in Flammen aufgegangen. Rettungskräfte gehen davon aus, dass die meisten der 173 Passagiere tot sind. Von offizieller Seite sind bislang aber nur 100 Todesopfer bestätigt. Ob bei dem Lufthansa-Anschlussflug auch Deutsche an Bord waren, ist noch nicht klar. Die deutsche Botschaft bemüht sich um Aufklärung.

Über dem Madrider Flughafen standen dichten Rauchwolken© Paul Hanna/Reuters

Auf dem Madrider Flughafen Barajas ist am Mittwoch ein Passagierflugzeug verunglückt und in Flammen aufgegangen. Spanische Behörden haben bisher 100 Tote bestätigt. Es wird aber befürchtet, dass die Opferzahl noch deutlich steigt: Aus Kreisen der Rettungskräfte hieß es, lediglich 25 der 173 Menschen an Bord hätten das Unglück überlebt. Da es sich um einen Lufthansa-Anschlussflug handelte, könnten auch Deutsche unter den Passagieren gewesen sein. Zu dem Unglück war es gekommen, als ein mit 164 Fluggästen und neun Besatzungsmitgliedern besetztes Flugzeug der spanischen Gesellschaft Spanair über die Startbahn hinausschoss, in Brand geriet und zerschellte. Nach Medienberichten hatte ein Triebwerk Feuer gefangen. Über dem Flughafen waren dichte Rauchwolken zu sehen.

Laut Flugplan sollte die Spanair-Maschine mit den Flugnummern JK 5022 und LH 2554 um 13 Uhr von Madrid-Barajas, dem größten spanischen Flughafen, abheben. Wie die Zeitung "El Pais" berichtete, wurde ein erster Start wegen technischer Probleme abgebrochen. Gegen 14.45 Uhr geschah beim zweiten Startversuch die Tragödie.

Der Flughafen wurde sofort für den gesamten Verkehr gesperrt. Wenig später wurden die Starts und Landungen in eingeschränktem Umfang wieder aufgenommen. Die Einsatzleitung rief die höchste Alarmstufe aus. Um den Einsatz zu koordinieren, trat ein Krisenstab zusammen. Dutzende Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge rasten zum Unglücksort. Das Flugzeug zerbrach nach Berichten der Rettungsmannschaften nach dem Aufprall und brannte fast vollständig aus. "Das Wrack war total verkohlt und voller Leichen", berichtete ein Helfer.

Anschlussflug für Lufthansa-Passagiere

Die zweistrahlige Maschine vom Typ MD-80 hatte von Madrid nach Gran Canaria fliegen sollen. Die Spanair ist in der Star Alliance Partner der Lufthansa. Derzeit ist nicht klar, ob Deutsche an Bord waren. Die deutsche Botschaft in Madrid hat zwei Mitarbeiter zum Airport Barajas geschickt. Sie sollen bei der Aufklärung der Frage helfen, ob Deutsche unter den Passagieren der verunglückten Maschine waren, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin auf Anfrage.

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, bei dem Flug von Madrid habe es sich im Rahmen der Star Alliance um einen möglichen Anschlussflug nach Las Palmas auch für Lufthansa-Passagiere gehandelt. Ob tatsächlich aber Lufthansa-Passagiere davon Gebrauch gemacht haben und an Bord waren, könne er derzeit noch nicht sagen. Die Fluggesellschaft Spanair hat eine Notfallnummer eingerichtet, die auch aus Deutschland erreichbar ist: 0034-800400200.

Zwei Babys an Bord

Am späten Nachmittag berichteten Medien von nur etwa 30 Menschen, die aus dem brennenden Flugzeug gerettet worden seien. Alle befänden sich in kritischem Zustand. Viele von ihnen wurden in eine nahe gelegene Klinik mit Spezialabteilung für Brandverletzungen gebracht. Unter den 164 Insassen der Maschine waren neun Besatzungsmitglieder. Nach der Passagierliste sollen auch zwei Babys an Bord gewesen sein. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero unterbrach seinen Urlaub und flog nach Madrid zurück.

Die Fluggesellschaft Spanair, die in der Star Alliance unter anderem Partner der Lufthansa ist, befindet sich seit geraumer Zeit in schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die skandinavische Muttergesellschaft SAS hatte vergeblich versucht, einen Käufer für das kränkelnde Unternehmen zu finden. Zur Zeit ist Spanair dabei, fast ein Drittel ihrer Beschäftigten zu entlassen und das Streckennetz zu reduzieren.

Am Madrider Flughafen hatte es zuletzt vor knapp 25 Jahren zwei schwere Flugzeugkatastrophen gegeben. Ein Jumbo-Jet der kolumbianischen Linie Avianca war beim Landeanflug abgestürzt, 181 Menschen starben. Weniger als zwei Wochen später prallten auf der Startbahn des Airports eine Iberia- und eine Aviaco-Maschine im Nebel zusammen. 93 Menschen kamen ums Leben.

web/DPA/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
starmax (20.08.2008, 20:56 Uhr)
@la2ee
Auch wenn einem der Tod von Verwandten näher geht als der des Nachbarn, und dieser mehr als jener von Landsleuten und Fremden - es ist weder zielführend noch einfühlsam, sondern schlicht geschmacklos. Die schnelle individuelle Nachricht an Verwandte ist sicher wichtiger als die von Ihnen erwähnte, überflüssige Pauschal-Sorge. Bei Charterflügen wissen die Angehörigen meist die exakte Verbindung ziemlich genau. Und: Fliegen ist nun mal ein internationales (nationenverbindendes) Geschäft. Gott sei Dank. Realitäsfern ist, wer das anders sieht.
lazarus06 (20.08.2008, 18:46 Uhr)
Mein Beileid an alle Angehörige ,
Die Nationaliät der Opfer ist da wohl egal.Schlimmer finde ich das daß "Unternehmen in Wirtschaftlichen Schwierigkeiten " war,was wohl eher heißt da wurde wieder an allen Ecken und Enden gespart um dem Anleger und Inverstor die fette Rendite steigerung nicht zu vermiesen. Der Pilot hatte ja wohl Zweifel an der Flugsicherheit weshalb die Maschine gecheckt wurde... wohl leider Huschihuschi weil Time is Money.. bestimmt wird man nun einen schlecht bezahlten Monteur zum Sündenbock machen der Anweisung hatte mal flott da nachzuschauen aber kein großes Gedönso zu machen weil... Der Firma gehts schlecht. Mal drüber nachdenken !!!
Nada_Mucho (20.08.2008, 18:21 Uhr)
Mein Beileid
Ich drücke allen Beteiligten und Opfern mein Beileid aus. Egal ob Spanier, Pole, Kanadier oder Deutsche. Diese Zweiklassenberichterstattung ist schlimm genug!!!!!
undueberhaupt (20.08.2008, 17:43 Uhr)
Nachfolger
Spanair ist anscheinend Nachfolger von Spantax. Spantax hatte bei uns einen schlechten Ruf. Sie war eine Art "never come back" Airline.
eric111 (20.08.2008, 17:16 Uhr)
wahnsinn
Da hat man noch weniger Lust zu fliegen... Lt. span. TV gab es beim Start Probleme und der Pilot, "dem etwas komisch vorkam" flog die Maschine zurück zum Flughafen. Dort wurde sie gechecked und man fand jedoch nichts. Es ging mit 2-2,5h Verspätung weiter. Dann gab fing ein Triebwerk gleich beim Start Feuer, der Point-of-no-return war jedoch bereits überschritten und die Maschine fiel auf die Landebahn und von dort auf ein strohtrockenes Feld wo zusätzlich ein Steppen- und Waldbrand ausgelöst wurde.
Aktuell (17:15h) gibt es 50 Tote zzgl. 50 Vermisste. Der Rest ist mit teilweise sehr schweren Verbrennungen davon gekommen.
Wahnsinn. Mein absolute Beileid an alle Angehörigen.
la2ee (20.08.2008, 17:00 Uhr)
@ starmax
Wenn es früh heißen würde "keine Deutschen an Board", dann würden sich eventuell 1000 Menschen nicht 24 h lang Sorgen machen, ob da nicht der Bekannte / Verwandte, der in der Gegend im Urlaub ist, mit in der Maschine saß. Sicher, die erfahren es dann auch irgendwann später genau. Unbegründete Angst kann man aber frühzeitig abwenden, wenn diese Frage beantwortet wird.
Vielleicht gefällt es dir nicht, aber noch ist die Welt in Ländern organisiert und die Menschen eines Landes haben meist mit den Mitbürgern eine größere Menge an Mitgefühl als gegenüber anderen. Und wenn du das seltsam findest, dann nenne ich dich realitätsfern.
Kalox (20.08.2008, 16:56 Uhr)
@starmax
Sie haben völlig recht. Die Aussage "X deutsche unter den Opfern" bringt eventuellen Angehörigen absolut nix (im Gegenteil, es muss die Hölle sein)
starmax (20.08.2008, 16:42 Uhr)
Was mich wirklich stört
und was ich zum Kotzen finde, ist dieses Stereotyp "Deutsche an Bord?" Es geht hier um Menschen, nada mas. Und dann reichts, wenn die Angehörigen es erfahren und später gesicherte Zahlen für die Nation. Mein Beileid den Angehörigen und Verletzten.
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