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22. November 2007, 09:13 Uhr

Lea-Sophie wog nur noch sieben Kilo

Im Fall der verhungerten Lea-Sophie aus Schwerin werden erste erschreckende Details bekannt: So soll die Fünfjährige nur noch sieben Kilogramm gewogen und offene Wunde gehabt haben. Das Jugendamt war offenbar zudem von der Vernachlässigung des Kindes informiert.

Das Schild der Kieler Straße im Wohngebiet Lankow in Schwerin. In einem der Häuser wohnte ein fünfjähriges Mädchen, das am Vorabend unterernährt ins Klinikum eingeliefert wurde und kurze Zeit später verstarb© Jens Büttner/DPA

Kurz vor ihrem Tod hat die in Schwerin an Unterernährung gestorbene fünfjährige Lea-Sophie angeblich nur noch sieben Kilogramm gewogen. Das berichtet die "Schweriner Volkszeitung" unter Berufung auf Mediziner des Klinikums, in das das Kind eingeliefert worden war.

Eine Ärztin berichtete demnach von Hungerödemen und offenen Wunden am Körper des Mädchens, die Haare seien büschelweise ausgefallen. Das Mädchen müsse zudem tagelang in seinen Fäkalien gelegen haben. Ein fünfjähriges Mädchen sollte nach Angaben von Ärzten zwischen 15 und 20 Kilogramm wiegen.

Eltern dem Haftrichter vorgeführt

Eine Obduktion der Leiche sollte noch am Donnerstag die genaue Todesursache klären. Bewohner des Hauses, in dem das Kind mit seinen Eltern gelebt hatte, reagierten schockiert. Im NDR-Radio sagte ein Anwohner, er sei entsetzt und hätte so etwas nicht für möglich gehalten.

Die 23-jährige Mutter und der 26 Jahre alte Vater sollten jetzt dem Haftrichter vorgeführt werden. Beide wurden am Mittwoch wegen des dringenden Tatverdachts der Tötung durch Unterlassung vorläufig festgenommen. Die Stadt Schwerin teilte mit, die Familie sei dem Jugendamt bekannt gewesen. Die Sozialarbeiter hätten in dem Fall nach den gesetzlichen Vorschriften gehandelt.

Der NDR berichtet hingegen von Hinweisen, dass das Jugendamt über eine mögliche Vernachlässigung in der Familie informiert war. Der Vermieter sagte demnach, das Jugendamt habe sich vor etwa zwei Wochen an ihn gewandt, um einem entsprechenden anonymen Hinweis aus dem Haus nachzugehen. Das Paar hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch einen zwei Monate alten Sohn. Nach Informationen des NDR lebten beide außerdem mit zwei Hunden und mehreren Katzen in der Plattenbausiedlung Lankow.

Vater soll Notarzt gerufen haben

Das Kind war nach der Alarmierung des Notarztes in der Wohnung vorgefunden worden. Der Vater soll den Notarzt gerufen haben. Bei der Aufnahme im Krankenhaus habe das Mädchen erhebliche Unterernährung, starken Flüssigkeitsverlust und Rötungen am Hals aufgewiesen, teilte der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier mit. "Es ist für mich unbegreiflich, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder offensichtlich verhungern und verdursten lassen", sagte Caffier. Gerade in Stadtteilen, wo das Miteinander und die Nachbarschaft eigentlich funktionieren sollten, erlebe die Gesellschaft häufig eine fehlende soziale Kontrolle. Hinzu kommt nach Ansicht Caffiers falsch verstandene Rücksicht, bei Krisensituationen die Polizei zu rufen.

Der Fall erinnert an den Tod der kleinen Jessica aus Hamburg: Das Mädchen war am 1. März 2005 tot aufgefunden worden. Völlig abgemagert und entkräftet war es an Erbrochenem erstickt. Die Eltern wurden zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
boja (23.11.2007, 13:51 Uhr)
Kleine Schwester
ein erschreckendes Buch zu diesem Thema. Empfehlenswert wenn man sich mit den Motiven wie es so weit kommen konnte auseinander setzen will
Spocks_Kommentar (22.11.2007, 22:02 Uhr)
Justizversagen hoch 3
Solche Fälle sind unerträglich und es sind viel mehr, als man erfährt, wenn man die mitrechnet, die "so grade mal gut gehen" (Heißt, das Kind stirbt nicht, ist "nur" geschädigt).
Schuld ist zu aller erst die Justiz. Solche Eltern sind wegen Mordes zu verurteilen und die besondere Schwere der Tat ist festzustellen. Sollten sie dennoch auf freien Fuß kommen - Sicherheitsverwahrung. Das muß in jedem solchem Fall kommen, ohne Ausnahme.
Das hätte dann für den Sachbearbeiter beim Jugendamt eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord zur Folge. Entlassung aus dem öffentlichen Dienst, keine Pension, ein paar Jahre gesiebte Luft.
Dann würden sehr schnell die Ämter solche Fälle nicht mehr übersehen.
Neue und härtere Gesetze? Brauchen wir nicht, wir müssen die nur anwenden, die wir haben siehe oben. Solange die Justiz aber alles hochjuristisch ansieht und den gesunden Menschenverstand außer Acht läßt, geschieht das nicht.
In unserer Verfassung steht "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Ich weise darauf hin, daß auch Kinder Menschen sind und auch deren Würde unantastbar ist, sie sind nicht das Eigtum ihrer Eltern, wie scheinheilige Konservative immer behaupten.
Die Familie ist eben meist nicht das Beste, was einem Kind passieren kann, häufig ist sie der schlechteste denkbare Aufbewahrungsort, den Kinder erleiden können und Eltern sind die gefährlichste Kinderkrankheit überhaupt.
Lisaben (22.11.2007, 20:02 Uhr)
Kindeswohl
Die Nachricht hat wieder mal geschockt.Wir sind selbst Pflegeeltern.Solange dass Elternrecht über den Rechten der Kinder Steht wird sich nichts bewegen.Kleine Lea Sophie wir sind im Gedanken bei Dir.
ecom (22.11.2007, 16:02 Uhr)
Unvorstellbar.
Sie sprechen mir alle aus der Seele.
Ich bin Vater einer vierjährigen Tochter und würde mein leben für die kleine geben damit es ihr gut geht.
Wie können 2 Erwachsene Menschen so einen Egalismus entwickeln. Es geht um unsere Kinder, unsere Zukunft.
Ich bin einfach nur noch Fassungslos. Solchen Leuten sollte man verbieten Kinder zu zeugen. Ich möchte nicht wissen was die arme Lea für qualen durchgemacht hat. Allein dafür sollte man die Eltern einem Mob zum Fraß vorwerfen.
Die MÜSSEN hinter Gitter Lebenslang, von der Unfähigkeit des Jugendamtes ganz zu schweigen.
leobissinger (22.11.2007, 15:58 Uhr)
differenziertes über behörden
zeilen wie ... "wie die deutschem jugendämter ... sind steuerverschwendung ..."
oder von pendleruj
"...ist einfach unglaublich, was in und mit deutschen Behörden passiert."
...sind tatschlich unglaublich. Ich könnte heulen wenn ich über den Fall das kleine mädchen lese.
Aber heulen könnte ich auch über solch undifferenzierten schmarrn, wie von den letzten postern.
Habe über kirchliche einrichtungen einblick in die örtlichen jugendämter und dort sitzen sehr wohl kompetende und fürsorgliche mitarbeiter.
Meine vorposter zeigen wiedermal das Autofahrer-Radfahrer syndrom:
Je nachdem auf welcher seite der kühlerhaune ich sitze, hasse ich alle radfahrer oder alle autofahrer.
Blamabel
Leseratte79 (22.11.2007, 15:22 Uhr)
Schuldfrage
Natürlichsind in 1. Linie die Eltern schuld. Nur haben diesmal Nachbarn reagiert und nicht weggesehen. Trotzdem musste das Kind sterben weil das Amt die "Meldungen" anscheinend nicht ernst genommen hat. Soll man nun nur die Eltern bestrafen? Ich denke nicht. Der Nachbar kann sich nur an die Behörde wenden...wenn die nicht handelt muss sie auch in die Verantwortung genommen werden. Für mich ist das mit unterlassener Hilfeleistung zu vergleichen. Immerhin werden sie bezahlt um sich um solche Familien zu kümmern!!
sauberXL (22.11.2007, 14:57 Uhr)
Was soll man da sagen?
Ich habe nun schon mehrmals versucht meine Gedanken zu einem Kommentar nieder zu schreiben. Schwierig ...
Ein nicht zu beschreibender Leidensweg eines Kindes, Behörden, die versuchen ihre Haut zu retten (nach dem Motto: Wir sitzten das aus und dann geht es weiter...), Eltern die ...
Ich könnte kotzen!
auenschwob (22.11.2007, 14:51 Uhr)
Zurück zu alten Werten
Es ist unser perfides Geselschafts- und Moralsystem das solche grausigen Auswüchse fördert. Die absolute Freiheit des Individuums gilt als oberster Grundsatz dem sich alles andere unterzuordnen hat.
Die Familie wird systematisch zerstört, man braucht sie nicht mehr. Der Staat wirds schon richten. Partner werden nicht mehr nach Familientauglichkeit gewählt. Kann er/sie eine Familie ernähren, ist er/sie ein liebevoller, fürsorglicher Vater/Mutter, ist er/sie treu und zuverlässig ?
Diese Fragen werden nicht mehr gestellt. Auswahlkriterium ist allein der Unterleib.
vondervogelwheyde (22.11.2007, 14:30 Uhr)
Lea-Sophie ist tot!
Lea-Sophie wurde nur 5 Jahre alt. Sie litt nicht an einer tötlichen Krankheit sondern wurde über Wochen systematisch von ihren Eltern getötet.Die Nachbarn wollen über den Zustand von Lea-Sophie nichts bemerkt haben. Die Sozialarbeiter, die seit Wochen über die häusliche Situation informiert gewesen sein sollen, haben nichts bemerkt. Haben sie Lea-Sophie überhaupt gesehen? Der Schweriner Jugenddezernent sagt, "es wurden keine Fehler gemacht". Die Eltern, die Nachbarn -die Sozialarbeiter haben Lea-Sophie keine Chance zum Leben gegeben. Lea-Sophie.. sie ist tot!
Mule (22.11.2007, 14:06 Uhr)
Ja, ja, ja...............
Perkins1975, Sie sprechen mir aus vollster Seele. Die "Nichtskönner" können eines ganz besonders, sich vermehren nach dem Motto:"Die Anderen werdens schon richten!" Wir haben zur Zeit solche Nachbarn. Wir denken schon mit Grausen an das bis jetzt noch ungeborene Kind von "Eltern", bei denen nicht feststeht, wer der Erzeuger dieses Kindes ist. Sie hat mit Hängen und Würgen ihre Lehre beendet - hier auf dem Lande versucht man immer noch, die Jugendlichen zum Durchhalten zu motivieren - wurde aber nicht übernommen. Die Wohnungsmiete zahlt Vater Staat, den Lebensunterhalt auch. Der derzeitige Mann ist ebenfalls ohne Arbeit und Hartz 4 Enpfänger, auch mit eigener Wohnung -dann gibt es mehr Geld - und außerdem weiß er ja auch noch nicht, wie es dann so mit dem Kind sein wird. Es könnte ja sein, daß es nicht so "witzig" wird. Das ist alles sehr, sehr "ätzend"!!!!!!!!
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