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19. Januar 2007, 10:12 Uhr

"Freiwillige Ausreise" gewinnt

"Unterschicht", "Prekariat", "Problembär Bruno": Insgesamt gab es mehr als 1000 Vorschläge für das Unwort des Jahres. Gewonnen hat "freiwillige Ausreise". stern.de zeigt die zwölf häufigsten Vorschläge.

Das Bild zeigt nur einige der mehr als 1000 Vorschläge für das Unwort des Jahres© Phillip Guelland

"Freiwillige Ausreise" ist zum Unwort des Jahres gekürt worden. Das gab die zuständige Experten-Jury der Universität in Frankfurt am Main in Köthen in Sachsen-Anhalt bekannt. Zur Begründung der Entscheidung erklärte die Jury, dass die Freiwilligkeit einer solchen Ausreise von Asylbewerbern aus der Bundesrepublik in vielen Fällen bezweifelt werden könne. Insgesamt waren nach Angaben des Jury-Vorsitzenden Horst Dieter Schlosser 2247 Zuschriften und 1130 Vorschläge eingegangen, so viele wie nie. Darunter befanden sich auch Begriffe wie "Unterschicht", "Prekariat", "Problembär Bruno", "Prozessökonomie", "Kleinvoliere" oder "Kindgerechte Abschiebung".

Die Jury hat ausdrücklich zwei weitere Unwörter gerügt: Zum einen das Wort "Konsumopfer". Damit umschrieb 2006 der Modemacher Wolfgang Joop Models, die zu Lasten ihrer Gesundheit für das Schönheitsideal der Konsumgesellschaft, extrem schlanke, letztlich magere Figuren, hungern müssen. Auch das Wort Neiddebatte wurde gerügt. Mit diesem Wort wurde 2006 durch den ehemaligen Bundesbankchef Ernst Welteke die ernsthafte Diskussion um die Angemessenheit von Millionenbezügen bestimmter Spitzenmanager auf die Stufe eines kleinkarierten Neides herabgewürdigt.

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt und normalerweise in Frankfurt am Main verkündet. Köthen wurde in diesem Jahr wegen des 390. Geburtsjahres der so genannten Fruchtbringenden Gesellschaft als Veranstaltungsort ausgewählt, die einst gegen die Verunstaltung der deutschen Sprache kämpfte.

Erstes Oberhaupt dieser literarischen Gruppe der Barockzeit war Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen. Unwörter des Jahres waren bisher unter anderem "Gotteskrieger", "Humankapital", "Ich-AG" oder "sozialverträgliches Frühableben". Im vergangenen Jahr hatte der Begriff "Entlassungsproduktivität" das Rennen gemacht.

Der Jury für das Unwort des Jahres 2006 gehörten die vier ständigen Mitglieder Margot Heinemann, Nina Janich, der Sprecher der Jury, Horst Dieter Schlosser, und Martin Wengeler. Die beiden (jährlich wechselnden) Vertreter der Sprachpraxis waren die Journalisten Mario Scalla (Hessischer Rundfunk) und Dr. Michael Sommer (ZDF).

AP
 
 
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