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3. März 2010, 20:42 Uhr

Lange Haftstrafen für Sauerlandbomber

Die Terroristen der islamistischen Sauerland-Gruppe müssen bis zu zwölf Jahre hinter Gitter. Das entschied das Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Sauerlandgruppe, IJU, Prozess, Adem Yilmaz, Fritz Gelowicz, Daniel Schneider, Atilla Selek, Urteil, Islamisten, Dschihad

Ein Polizist vor dem Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, in dem die Sauerlandbomber zu langen Haftstrafen verurteilt worden sind© Roland Weihrauch/DPA

Die Terroristen der islamistischen Sauerland-Gruppe müssen bis zu zwölf Jahre lang ins Gefängnis. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht verurteilte am Donnerstag Fritz Gelowicz und Daniel Schneider jeweils zu zwölf Jahren Gefängnis, den Mitangeklagten Adem Yilmaz zu elf Jahren. Als vierter muss Atilla Selek wegen Unterstützung für fünf Jahre in Haft. Von der Gruppe sei eine "ungeheure Bedrohung" ausgegangen, sagte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling in der Urteilsbegründung.

Die Männer wurden wegen Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung Islamische Dschihad Union (IJU) und Verabredung zum vielfachen Mord schuldig gesprochen. Schneider (24) wurde auch wegen versuchten Polizistenmordes verurteilt. Selek hatte die Zünder für die geplanten Bomben beschafft, aber den Treueeid auf die IJU-Führung abgelehnt.

Täter agierten aus "Verblendung und verqueren Ideen"

Der Richter stellte fest, aus "Verblendung und verqueren Ideen" sowie aus Hass gegen alle "Ungläubigen" seien die Vier bereit gewesen, ihre Taten zu begehen. Der Prozess habe einen breiten und tiefen Einblick in die Zusammenhänge des Terrorismus geöffnet. Die Mitglieder der Gruppe waren bei ihren Tatvorbereitungen ausgiebig beobachtet worden. Während des Prozesses legten sie umfangreiche Geständnisse ab.

Gelowicz, Schneider und Yilmaz waren im Sauerland festgenommen worden, wo sie begonnen hatten, aus mehr als 700 Liter Wasserstoffperoxid gewaltige Autobomben zu bauen. Allerdings hatten Polizisten die Chemikalie bereits heimlich verdünnt. Selek wurde später in der Türkei gefasst. Mit mehreren Terroranschlägen auf US- Einrichtungen, Flughäfen oder Diskotheken wollten die Islamisten den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan erzwingen.

Eines der größten Terrorverfahren der Bundesrepublik

Die Bundesanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, einen für die Bundesrepublik einzigartigen Massenmord geplant zu haben. Sie hatte zwischen fünfeinhalb und 13 Jahre Haft beantragt. Die Verteidiger hatten Strafen unter zehn Jahren gefordert. Eine tatsächliche Gefahr habe nicht bestanden, weil die Männer rund um die Uhr überwacht worden seien. Außerdem seien nur 3 von 26 der bei den Männern entdeckten Sprengzünder intakt gewesen.

Die Beschattung der Sauerland-Gruppe gilt als die größte Polizei- Operation seit der Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer durch RAF-Terroristen 1977. Die Spezialeinheit GSG 9 hatte die Terroristen im September 2007 im Sauerland-Dorf Oberschledorn festgenommen.

Obwohl der Prozess durch die 1200 Seiten starken Geständnisse der Angeklagten um etwa ein Jahr abgekürzt wurde, wird er als eines der umfangreichsten Terrorverfahren in die deutsche Geschichte eingehen. Es füllt inzwischen mehr als 600 Aktenordner. An 65 Verhandlungstagen hatte das Gericht in gut zehn Monaten 17 Sachverständige gehört und mehr als 60 Zeugen vernommen. Der Prozess hatte am 22. April vergangenen Jahres begonnen.

DPA/APN/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
jkirk (04.03.2010, 23:19 Uhr)
Mord und Massenmord
tja, wie hiess es mal?
Bringt man einen Menschen um ist man ein Mörder.
Bringt man 10 Menschen um, ist man ein Massenmörder.
Bringt man 100 Menschen um, wird man zur UN nach NewYork eingeladen...
In was für einer wahnsinnigen Welt leben wir eigentlich?
Jean09 (04.03.2010, 20:43 Uhr)
Hallo Administrator
Danke, dass Sie das Recht auf freie Meinungsäusserung beschneiden. Machts Spaß, andere Leute zu zensieren und missliebige Kommentare nach Gutdünken zu entfernen?
Das Thema "Kofferbomber" ist nun mal ein emotionales, da kommen eben auch emotionale Kommantare zum Vorschein. Das ist völlig normal.

So, und jetzt gleich diesen Kommentar entfernen... nicht dass sich noch ein Kofferbomber in spe beleidigt fühlt.

Begriffen?
Administrator (04.03.2010, 17:32 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
MK80 (04.03.2010, 13:40 Uhr)
exempel
scheinen in anbetracht der immer häufiger auftretenden anschläge und anschlagsversuchen ja prächtig zu funktionieren.
trespuntos (04.03.2010, 13:35 Uhr)
@MK80
Exempel statuieren nennt man das;-)
Terroristen die solche Anschläge Planen oder sogar ausführen gehören für immer eingesperrt. Natürlich ist es klar, das wenn jemand versucht jemanden anderen zu töten das man diesen nicht lebenslang einsperrt. Aber einen versuchten Mord mit einem versuchten Terroranschlag zu vergleichen finde ich skandalös. In vielen anderen Ländern wären diese Terroristen entweder für immer weg gesperrt worden oder sogar hingerichtet worden. Ich sehe es irgendwie nicht ein das diese Terroristen nach ca. 12 Jahren wieder frei kommen und gemütlich ihre anschläge weiterplanen. Und ob sie beobachtet werden oder nicht spielt hier keine Rolle.
MK80 (04.03.2010, 13:14 Uhr)
@trespuntos
ist schon verstanden, aber ich kann doch eben niemanden wegen eines mordes veruteilen, den er begehen wollte. dann bleibnt nur noch die anklage wegen versuchtem mord, mit den entsprechenden strafen.
wohin soll dass den führen? eine Art präventiv-haft, für alle, deren nase dem system nicht passt?
ich sympatisiere keinesfalls mit tätern, aber alle die hier nach schärferem vorgehen schreien, sollten sich mal gedanken darüber machen, das dass allen schritte in richtung eines totalitären systems sind.
im übrigen: ich glaube nicht, dass die täter nach ihrer haft einen schritt in der öffentlichkeit unternehmen können, ohne observiert zu werden, bzw. dass die medien darüber berichten (selbst bei ehemaligen RAF mitgliedern, die nach fast 20 jahren aus dem gefängniss kamen, wurde und wird teilweise ausführlich in den medien berichtet, was sie heute so tun etc..)
Kraus (04.03.2010, 12:51 Uhr)
Ein lächerliches Urteil.
Nur zwölf Jahre Urlaub im deutschen Strafvollzug? Nun, sie werden Fernseher in ihrer Zelle haben (brauchen noch nicht einmal GEZ zu zahlen) und kommen nach fünf Jahren wieder raus.
trespuntos (04.03.2010, 12:40 Uhr)
@MK80
hier geht es um versuchten massenmord der durch glück nicht geklappt hat, ich wiederhole, durch glück! *kopfschüttel*
nun, ich hoffe, so hart es auch klingt, das die terroristen in ca. 10 jahre rauskommen und es dann nochmals versuchen, und es dann auch schaffen ein paar hunderte menschen zu töten, dann würde ich mich nochmals mit ihnen gerne darüber unterhalten!
MK80 (04.03.2010, 12:27 Uhr)
12 von 13
wenn die staatsanwaltschaft 13 jahre haft gefordert hat und nun 12 jahre verhängt wurden ist doch alles in ordnung. ich denke mal die staatsanwaltschaft hat sich vorher schon gedanken gemacht, welches strafmaß maximal rauszuholen ist.

man kann halt niemanden lebenslag wegsperren, weil er vorhatte jemanden umzubringen. wo kämen wir denn da hin?

und wer weiß ob und was da hinter den kulissen noch gedealt worden ist, wenn der prozess wirklich "tiefe eindrücke" in den terrorismus ermöglicht hat.

@Corazito3333:
was soll das? ulrike meinhof und gudrun ensslin haben mit den anderen inhaftierten vor einer veruteilung selbstmord begangen. über ihre haftstrafen zu urteilen ist daher reine spekulation.
und die verurteilten RAF mitglieder der 2. und dritten generation verbüß(t)en alle ähnlich lange haftstrafen, egal ob männlein oder weiblein.
traldors (04.03.2010, 11:48 Uhr)
Anschliessend (...)
bitte Sicherungsverwahrung.
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