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20. Mai 2009, 14:21 Uhr

Lebenslänglich für den Holzklotz-Werfer

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, doch das Landgericht Oldenburg verhängte die Höchststrafe: Nikolai H. muss lebenslang hinter Gitter. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er am Ostersonntag 2008 den Holzklotz von einer Brücke über der A29 geworfen und damit die zweifache Mutter Olga K. vor den Augen ihrer Familie getötet hatte.

Holzklotz-Prozess Nikolai H. Oldenburg Urteil

Veruteilt: Nikolai H. nahm den Urteilsspruch ohne sichtliche Regung auf© Ingo Wagner/DPA

Wegen des tödlichen Holzklotzwurfs von einer Autobahnbrücke am Ostersonntag 2008 muss der Angeklagte Nikolai H. lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht Oldenburg verurteilte den 31-jährigen Deutsch-Russen am Mittwoch wegen Mordes, dreifachen Mordversuchs und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Die Verteidigung kündigte Revision an.

Nikolai H. habe "billigend in Kauf genommen, das Fahrzeug zu treffen", sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann in seiner Urteilsbegründung vor dem Landgericht. Nach Ansicht des Richters hatte der 31-Jährige die Tat aus Frust darüber begangen, kein Heroin bekommen zu haben. Der Angeklagte nahm den Urteilsspruch ohne sichtliche Regung auf.

Zu dem Witwer und Vater der beiden Kinder, der das Urteil im Gerichtssaal verfolgte, sagte Bührmann: "Wir alle fühlen tief mit Ihnen." Zugleich lobte er ihn: "Wenn Sie an dem Tag nicht so fantastisch reagiert hätten, wären ihre Kinder auch gestorben." Der Mann hatte den Wagen trotz der zersplitterten Frontscheibe und seiner vom Klotz schwer getroffenen Ehefrau auf dem Seitenstreifen der Autobahn zum Stehen gebracht.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Der Verteidiger hatte in dem Indizienprozess auf Freispruch plädiert, weil die Beweise für die Schuld seines Mandanten nicht ausreichten. Nikolai H. hatte das Verbrechen bei der Polizei zugegeben, das Geständnis später aber widerrufen. Der Heroinabhängige hatte während der mehr als 30 Verhandlungstage geschwiegen und auch sein Recht auf das letzte Wort nicht genutzt.

Das Verbrechen hatte im vergangenen Jahr in ganz Deutschland Entsetzen und Betroffenheit ausgelöst. Das schwere Geschoss traf das Opfer am Oberkörper und Kopf. Die 33 Jahre alte Mutter starb noch an der Unfallstelle. Die Familie war an dem Tag auf dem Rückweg von Wilhelmshaven nach Telgte (Nordrhein-Westfalen). Es war bereits dunkel, als der Holzklotz von der Brücke fiel. Der Familienvater hatte keine Chance auszuweichen.

Die Suche nach dem Täter blieb wochenlang ohne Erfolg. Erst am 21. Mai - knapp zwei Monate nach der grausamen Tat - nahmen Beamte Nikolai H. als dringend tatverdächtig fest. Noch am gleichen Tag gestand er den Beamten und dem Haftrichter, dass er den Holzklotz von der Brücke geworfen hatte.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Juris1 (20.05.2009, 17:00 Uhr)
Was ist Gerechtigkeit
Ist Gerechtigkeit die Verurteilung eines Menschen der - vielleicht - der Täter war? - Nur um jemanden verurteilt zu sehen, bei einer Tat, die jeden berührt? -
Der Druck auf die Richter war sicherlich immens. - Dafür hat auch die Presse gesorgt.
Ich kann nicht beurteilen, ob der Verurteilte- mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit- der Täter ist oder nicht. Können Sie es?
Wenn er es nicht war - wie sieht es dann mit dem harten Urteil aus, das hier bejubelt wird?
acitapple (20.05.2009, 16:39 Uhr)
@elbarto
leider scheint es für einige leute schon eine bedeutung zu haben...
elBarto (20.05.2009, 16:21 Uhr)
@acitapple
Das mag ja sein. Aber der Mann ist nun mal weder Russe noch Kasache, sondern ist dem GG nach ein deutscher.
acitapple (20.05.2009, 16:19 Uhr)
@elbarto
mal ehrlich: für die meisten deutschen gibts keinen unterschied zwischen russland und kasachstan, ist halt irgendwo im osten...
Der-nette-Nachbar (20.05.2009, 16:13 Uhr)
geteilte Meinung
Ich schliesse mich der bislang hier vorherschenden Meinung an.
Korrektes Urteil für eine solch menschenverachtende Tat und das große Leid das der Täter der Familie angetan hat.
Angesichts der Zweifel bleibt aber eben zu hoffen, das nicht ein Unschuldiger Dummbatz und Pechvogel verurteilt wurde.
Bibliothekarin (20.05.2009, 16:05 Uhr)
Ungereimtheiten
Ich stimme postit zu!
Auch ich habe diese Berichte verfolgt,
und mich gefragt, ob da wirklich der
Richtige gefasst wurde...
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,588069,00.html
elBarto (20.05.2009, 16:04 Uhr)
Gerechtes Urteil
Ach hört doch auf über die Justiz zu jammern. So schlimm sind die Richter auch nicht. Ihr tut jetzt so als ob alle Mörder ungeschoren davon kommen und jetzt endlich einer mal verurteilt wurde.
Aber ich rege mich jetzt über was anderes auf. Wieso ist er jetzt auf einmal ein "Deutsch-Russe"? Zuerst war er ein "Deutsch-Kasache" und jetzt auf einmal wieder was anderes? Das ist ganz genau so wie damals mit El Masri dem "Deutsch-Libanesen". Ich finde das entwertet die deutsche Staatsangehörigkeit. Ist Lukas Podolski ein "Deutsch-Pole"?
1valentino (20.05.2009, 15:55 Uhr)
Deutschland Deine Richter!
Man kann in Deutschland schon lange nicht mehr an Gerechtigkeit glauben wenn sie mit unserer Justiz einhergehen soll. Jetzt findet hoffentlich endlich mal die Kehrtwende statt und andere Richter können sich daran ein Beispiel nehmen. Es kann nicht sein das in unserem Land der Täter mehr "geschützt" wird als das Opfer. Bei den ganzen psychoanalytischen Kindheits-Traumata der "armen" Täter, die vielleicht zum Zeitpunkt der Tat auch noch anderthalb Gläser Bier getrunken hatten und deshalb nicht voll strafbar waren, konnte einem schon richtig schlecht werden. Nicht nur wegen der Täter, sondern auch wegen unseren Richtern.
Auch was Jugendkriminalität und erschreckende Brutalität angeht, muss sich der Gesetzgeber neu aufstellen.
kuni40 (20.05.2009, 15:54 Uhr)
@redaktion
Was heisst lebenlaenglich? 15 Jahre? Kann Nikolai H. dann bei guter Fuehrung eher aus dem Gefaengniss kommen?
acitapple (20.05.2009, 15:50 Uhr)
@babylon
nicht zu früh freuen. die gerechtigkeit hat hier nur gesiegt, weil keine politischen, finanziellen oder wirtschaftlichen interessen tangiert waren. wäre ein süchtiger abgeordneter wohl auch verurteilt worden ????
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