Vater muss nach Mord an Kindern in Psychiatrie

8. November 2012, 13:31 Uhr

Seine Tatwaffe war ein Teppichmesser: Damit tötete ein Vater seine vier schlafenden Kinder. Nun gestand er seine Tat und muss hinter Gitter. Zeugen beschrieben den Mann, als vorbildlichen Vater:

Prozesse, Kriminalität, Vater, Mord, Kinder, Psychiatrie

Porträtfotos der vier getöteten Geschwister bei einem Trauergottesdienst in der St.-Bernward-Kirche in Ilsede©

Als seine vier Kinder schlafen, tötet der Vater sie mit dem Teppichmesser. Für diese Tat kommt der 37-Jährige nun jahrelang hinter Gitter. Das Landgericht Hildesheim ordnete an, dass der Mann aus Niedersachsen seine 15-jährige Freiheitsstrafe bis auf weiteres in der Psychiatrie absitzen muss. Der Angeklagte nahm das Urteil mit gesenktem Kopf entgegen. Das Gericht stufte den Mann als vermindert schuldfähig ein.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl hielt dem Angeklagten in der Urteilsbegründung vor, er habe die Arg- und Wehrlosigkeit seiner Kinder bewusst ausgenutzt. "Das, was der Angeklagte getan hat, ist so was von eigensüchtig gewesen, das ist nicht mehr steigerungsfähig", sagte Pohl. Die von dem Gutachter festgestellte Störung allein habe alleine nicht ausgereicht, um beim Strafmaß von verminderter Schuldfähigkeit auszugehen. Erst das Zusammentreffen einer schweren Depression mit Alkohol und der Persönlichkeitsstörung haben zu einer erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit geführt. "Er geriet in einen psychose-nahen Zustand", erklärte Pohl.

Motiv der Morde: Trennungsschmerz

Die Tat hatte im vergangenen Sommer bundesweit für Entsetzen gesorgt. Andreas S. hatte am Nachmittag des 14. Juni von seiner Ehefrau Tanja, die sich im Urlaub in Dänemark befand, telefonisch erfahren, dass sie sich endgültig von ihm scheiden lassen wolle. Wenige Stunden später tötete er mit einem Teppichmesser die drei Söhne Lio, Lean und Noah im Schlaf und danach die zwölfjährige Pia, die wach geworden war und sich wehrte. "Das Kind hat feststellen müssen, dass der geliebte Vater es töten will", sagte Pohl dazu. Der Angeklagte überlebte den anschließenden Selbstmordversuch nur knapp. Nach mehr als einwöchigem Koma konnten die Ärzte sein Leben retten.

Nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters war die Tat des Mannes nicht in erster Linie ein Racheakt, um die Ehefrau für die Trennung zu bestrafen, sondern vor allem vom Wunsch geprägt, mit den Kindern im Tod auf ewig vereint zu sein. Der Gutachter stufte den 37-Jährigen wegen seiner Persönlichkeitsstruktur, einer Depression und einer extremen Suizidgefährdung, als gefährlich ein.

Zeugen beschreiben Verurteilten als vorbildlichen Vater

In seinem letzten Wort nach den Plädoyers hatte Andreas S. gesagt: "Die größte Strafe ist für mich, damit zu leben, dass ich meine Kinder so brutal umgebracht habe." Der 37-Jährige galt in der kleinen Gemeinde Ilsede als vorbildlicher Vater, der sich intensiv um seine Kinder kümmerte. Er habe viel mit seinen Kindern unternommen und nie die Geduld verloren. Die Kinder seien sein Ein und Alles gewesen, so Zeugen. Der Psychiater aber sprach von frühen Hemmungen und Depressionen, die nur in den ersten Jahren der Ehe unterdrückt gewesen seien. Anlass für die Trennungsabsicht seiner Frau waren die Depressionen, Alkoholmissbrauch und eine versuchte Vergewaltigung.

Die Mutter der getöteten Kinder war Nebenklägerin in dem Prozess. Sie war bei der Urteilsverkündung aber abwesend. Die Tat hatte in dem kleinen Ort im Kreis Peine viel Anteilnahme hervorgerufen. Hunderte Menschen nahmen bei einer Trauerfeier Abschied von den Kindern. Für die Mutter wurden Spenden gesammelt. Sie wohnt inzwischen wieder in dem Reihenhaus, in dem die Bluttat geschah.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Niedersachsen Pohl Psychiatrie
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Deutschlands Herzschlag: Diese Vereine haben wir gefördert Aktion Deutschlands Herzschlag Ohne diese Menschen wäre Deutschland sozial kälter
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 108867: Kann ich eine Votovoltaikanlage auf dem Hausdach von der Steuer absetzen ..

 

  von Gast 108865: Muss ich bei einem bebauten Erbbaugrundstück die volle Grunderwerbssteuer zahlen?

 

  von Gast 108858: Wie kann ich eine AVI-Datei auf dem Windows Media Player anschauen?

 

  von Amos: Woran liegt es, daß der örtliche Gasversorger von einem strengen Winter spricht, obwohl es hier...

 

  von Celsete: Wo gilt der Tag der Arbeit eigentlch als Feiertag, an dem nicht gearbeitet werden darf (sollte)??

 

  von Gast 108842: muß ich eine steuererklärung abgeben bei einem 455 euro jop?

 

  von Gast 108832: Ab wann, Welches Baujahr, wird für einen Oldtimer, keine Abgasuntersuchung mehr gefordert?

 

  von Gast 108812: wie lange muss ich nach einem medizin studium z.b. an einer klinik arbeiten bis ich meine eigene...

 

  von Gast 108808: Wie kann man den Reisepass verlängern?

 

  von Gast 108802: Wie unterscheiden sich Dressursattel und Vielseitigskeitsattel?

 

  von Gast 108785: Alt-Autoentsorgung

 

  von Gast 108781: Günstiges Haus, schätzt das FA eine Schenkung ?

 

  von Gast 108767: kann ich während der Mobilitätsgarantie eine andere Werkstatt für eine Inspektion nutzen als...

 

  von Gast 108765: Wer kennt das? Habe schon immer Querrillen am Bauch mittlerweile aber auch im Kniebereich und am...

 

  von Gast 108763: Welche Drucker besitzen LINUX-Unterstützung?

 

  von Amos: Warum können sich hochrangige Manager vor Gericht auf Erinnerungslücken berufen? Wer...

 

  von Gast 108721: Holzfarbe

 

  von Gast 108717: Was hilft gegen Zahnfleischschwund bei Implantaten?

 

  von Gast 108715: bekomme ich trotz mietrückstände meine kaution zurück

 

  von Gast 108711: Wird der Zuschuss zum Krankengeld mit dem Krankengeld verrechnet?