Verteidigung fordert Freispruch für "falschen Rockefeller"

9. April 2013, 09:19 Uhr

Hat der als "falscher Rockefeller" bekanntgewordene Deutsche gemordet? Seit Wochen befasst sich ein US-Gericht mit dieser Frage. Nun hat die Verteidigung versucht, die Mordvorwürfe zu entkräften.

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Christian Karl Gerhartsreiter hat in den USA unterschiedliche Identitäten angenommen, unter anderem nannte er sich Clark Rockefeller©

Im US-Mordprozess gegen einen als "falscher Rockefeller" bekannt gewordenen Deutschen hat die Verteidigung in ihrem Schlussplädoyer einen Freispruch gefordert. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Christian Karl Gerhartsreiter beruhten zu einem großen Teil auf "Spekulationen", sagte Anwalt Jeffrey Denner am Montag (Ortszeit) in Los Angeles. Die Geschworenen sollen am Dienstag ihre Beratungen beginnen.

Gerhartsreiter soll im Februar 1985 in einem wohlhabenden Vorort von Los Angeles den Sohn seiner Vermieterin ermordet haben. Die Leiche wurde erst Mitte der 90er Jahre gefunden. Staatsanwalt Habib Balian erklärte in seinem Schlussplädoyer, dass alle Indizien darauf hindeuteten, dass der gebürtige Bayer den damals 27-jährigen John Sohus "brutal" getötet habe. Die Ermittler verdächtigen Gerhartsreiter auch, für das Verschwinden von Sohus' Frau Linda verantwortlich zu sein - angeklagt ist er in diesem Punkt aber nicht.

Bizarre Lebensgeschichte

Der vor drei Wochen begonnene Prozess wirft ein Schlaglicht auf die bizarre Lebensgeschichte Gerhartsreiters, der Ende der 70er Jahre aus dem Chiemgau in die USA gekommen war. Immer wieder wechselte der Deutsche seine Namen. Als John und Linda Sohus verschwanden, lebte er als Christopher Chichester mit den beiden und der Mutter des Mordopfers auf einem Grundstück.

Balian sagte, die zerstückelte Leiche von John Sohus sei direkt hinter dem Gästehaus vergraben worden, in dem sich Gerhartsreiter damals einquartiert hatte. Der Kopf des Opfers sei in zwei Taschen mit dem Logo von Universitäten eingewickelt gewesen, an denen der Angeklagte studiert habe.

Anwalt Denner hielt dagegen, dass die Schuld nicht zweifelsfrei erwiesen sei. Weder Augenzeugen noch kriminaltechnische Beweismittel wie DNA-Spuren würden Gerhartsreiter direkt mit dem Verbrechen in Verbindung bringen. Außerdem habe die Anklage kein mögliches Motiv für die Tat präsentiert, sagte er.

Verteidigung will Zweifel nähren

Die Verteidigung versuchte die Geschworenen erneut davon zu überzeugen, dass die verschollene Ehefrau des Mordopfers ebenso gut als Täterin in Frage komme. Niemand könne genau sagen, was vor knapp 30 Jahren passiert sei. "Es gibt so viele Möglichkeiten", erklärte Denner. Staatsanwalt Balian wies dies zurück: Nicht Linda Sohus, sondern Gerhartsreiter sei das "kriminelle Genie", das sich lange mit falschen Identitäten vor der Polizei versteckt habe.

Im Frühjahr 1985 tauchte Chichester alias Gerhartsreiter unter. Zunächst arbeitete er zeitweise unter dem Pseudonym Christopher Crowe als Aktienhändler in New York, später nahm er dann den Namen Clark Rockefeller an. Als vermeintlicher Spross der berühmten Rockefeller-Familie heiratete er in den 90er Jahren eine gut situierte Unternehmensberaterin.

Die Lügengebäude von Gerhartsreiter kamen zum Einsturz, als er vor vier Jahren nach einer Scheidung und einem Sorgerechtsstreit in Boston wegen der Entführung seiner damals siebenjährigen Tochter vor Gericht stand. Der Deutsche wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, außerdem wurden die Ermittler in dem Mordfall in Los Angeles auf ihn aufmerksam.

Zwischen 26 Jahre und lebenslänglich

Am Dienstag erhält die Staatsanwaltschaft noch einmal die Möglichkeit, auf das Schlussplädoyer der Verteidigung zu antworten. Dann zieht sich die Jury zurück, ein Urteil dürfte noch in dieser Woche fallen. Bei einem Schuldspruch droht Gerhartsreiter eine Haftstrafe zwischen 26 Jahren und lebenslänglich.

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