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Republikaner im Fettnäpfchen-Wettbewerb

Die US-Republikaner verschrecken ihre Wähler mit obskuren Patzern. Nacktbaden im biblischen See und Seitenhiebe auf Vergewaltigungsopfer zählen eher nicht zu einem cleveren Wahlkampf.

  Ist strikt gegen Abtreibungen: der republikanische Abgeordnete Todd Akin

Ist strikt gegen Abtreibungen: der republikanische Abgeordnete Todd Akin

Schlechte Publicity ist gute Publicity? Im Fall der Republikaner dürfte diese Binsenweisheit eher nicht gelten. Die Partei punktet im US-Wahlkampf derzeit nämlich nicht durch gewitzte Slogans und durchdachte Programme, sondern zieht durch peinliche Aktionen ihrer Mitglieder Aufmerksamkeit auf sich.

Dem Abgeordneten Kevin Yoder aus Kansas beispielsweise wird jetzt ein Ausrutscher zum Verhängnis, der bereits über ein Jahr zurückliegt. Der Republikaner stieg nach einer feucht-fröhlichen Nacht nackt in den See Genezareth - jenen See, über dessen Wasser laut der Bibel Jesus einst wandelte. "Bedauerlicherweise bin ich ohne Badehose ins Wasser gesprungen", zitierten US-Medien Yoder. Er entschuldige sich "für alle Peinlichkeiten, die ich meinen Kollegen und Wählern damit beschert habe". Das FBI will mit einer Untersuchung klären, ob sich Yoder Fehlverhalten zuschulden kommen ließ.

Enthüllt wurde der Vorfall zuerst von der Nachrichten-Webseite "Politico". Andere Medien griffen ihn dann rasch auf. Den Berichten zufolge gehörte Yoder zu einer Gruppe von 30 Kongressabgeordneten, Mitarbeitern und Familienangehörigen, die sich im August 2011 auf Einladung einer israelischen Organisation auf einer Bildungsreise in Israel befanden. Nach einem Abendessen am See, bei dem auch reichlich Alkohol geflossen sein soll, seien dann etwa 20 der Besucher zum Schwimmen gegangen - Yoder als einziger im Adamskostüm. Der ranghöchste Republikaner auf der Studienreise, Eric Cantor, habe seine Kollegen am nächsten Tag gerügt, weil sie vom Ziel des Besuchs abgelenkt hätten, hieß es in dem "Politico"-Bericht weiter. Die Reise war von einer privaten US-israelischen Stiftung mit über 8000 Euro pro Teilnehmer finanziert worden.

Abtreibungsgegner manövriert sich ins politische Abseits

Während Yoders Faux pas vielleicht noch Schmunzeln auslösen mag, sorgte der Abgeordnete und Senatskandidat Todd Akin aus Missouri für regelrechte Empörung. Der Republikaner, der Schwangerschaftsabbrüche ohne Ausnahmen ablehnt, sagte dem Sender KTVI-TV, nach dem, was er von Ärzten höre, seien Schwangerschaften nach Vergewaltigungen selten. Wenn es eine wirkliche Vergewaltigung sei, dann verfüge der weibliche Körper über Wege, "zu versuchen, die ganze Sache außer Betrieb zu nehmen".

Akin fügte dann hinzu: "Aber lass uns annehmen, dass das vielleicht nicht funktioniert hat oder so. Ich glaube, es sollte etwas Strafe geben. Aber die Strafe sollte sich gegen den Vergewaltiger richten und nicht ein Angriff auf das Kind sein." Zwar sagte Akin in einer Erklärung, er habe sich falsch ausgedrückt. Er blieb aber bei seiner strikten Ablehnung von Abtreibungen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und sein "Vize" Paul Ryan distanzierten sich von Akins Haltung. Eine Regierung unter ihrer Führung würde Abtreibungen bei Vergewaltigungen nicht ablehnen, zitierte die "Washington Post" aus einer Mitteilung des Wahlkampflagers.

Nicht nur seiner Kontrahentin Claire McCaskill, der derzeitigen demokratischen Senatorin aus Missouri, dürfte Akins verbaler Ausrutscher sehr zupass kommen.

mlr/DPA/AFP/DPA
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