16. Juni 2011, 08:47 Uhr

Neue Erkenntnisse durch alte Beweisstücke?

Die Staatsanwaltschaft Lübeck lässt Kleidung und einen Badvorleger des früheren Kieler Regierungschefs Barschel auf DNA-Spuren überprüfen. Die Behörde ist aber skeptisch, ob das 24 Jahre nach dem mysteriösen Tod Aufklärung bringt.

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Von neuen DNA-Tests erhofft sich die Staatsanwaltschaft neue Erkenntnisse zur Todesursache von Uwe Barschel zu erlangen©

Schuhe, Socken, ein Anzug und ein Badvorleger: Die Lübecker Staatsanwaltschaft hat erste Schritte unternommen, um mit neuer DNA-Technik den Tod des früheren Kieler Regierungschefs Uwe Barschel zu untersuchen. Derzeit würden alte Beweisstücke zusammengesucht, die das Landeskriminalamt in Kiel auf mögliche DNA-Spuren überprüfen soll, sagte Oberstaatsanwalt Günter Möller am Mittwoch. Barschel war am 11. Oktober 1987 nach einem Politik-Skandal und seinem Rücktritt tot in einer Badewanne in Genf entdeckt worden. Zwar gehen viele Fachleute von einem Selbstmord aus, aber die Todesumstände wurden nie zweifelsfrei geklärt.

Möller zeigte sich skeptisch, dass die erneute Untersuchung von Barschels Kleidung und anderen Beweisstücken aus dem Genfer Hotel zu neuen Erkenntnissen und einer Wiederaufnahme der Ermittlungen führt. Die Kleidung sei bereits durch mehrere Hände gegangen. "Ob man daran überhaupt noch fremde DNA-Spuren feststellen und sie dann auslesen kann, ist fraglich", sagte er. Selbst wenn, dann hätten die Ermittler zwar die DNA von irgendeinem fremden Menschen. "Die Frage ist aber, wohin das führt." Mit dem Ergebnis sei nicht vor Ablauf einiger Wochen zu rechnen. Die Lübecker Anklagebehörde hatte die Mordermittlungen 1998 wegen fehlender Erfolgsaussichten ohne klares Ergebnis zur Todesursache eingestellt.

Den Anstoß für die neuen Untersuchungen gab im Herbst 2010 der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Kalinka, selbst Autor eines Buchs zu dem Fall ("Der Fall B. - der Tod, der kein Mord sein darf"). Er appellierte an das Kieler Justizministerium, die neuen technischen Möglichkeiten zum DNA-Abgleich zu nutzen. Außerdem hatte Ende vergangenen Jahres ein neues Gutachten die alten Mordspekulationen wieder angeheizt. Als mögliches Mordmotiv wurde immer wieder über angebliche Verstrickungen in Waffengeschäfte spekuliert. Der frühere Generalstaatsanwalt Erhard Rex hielt davon jedoch nichts.

Barschel war 1987 im Genfer Hotel Beau Rivage in der Badewanne mit einem tödlichen Medikamenten-Cocktail im Blut gestorben. Einige Experten gehen davon aus, dass er sich die Mischung von Betäubungs- und Schlafmitteln nicht habe selbst einflößen können.

Der 43 Jahre alte CDU-Politiker war wenige Tage vor seinem Tod unter großem politischem Druck zurückgetreten. Aus seiner Staatskanzlei heraus hatte in einem skandalösen Landtagswahlkampf der Referent Reiner Pfeiffer verschiedene Kampagnen gegen den damaligen SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm angezettelt ("Waterkantgate").

mm/DPA
 
 
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