13. August 2012, 14:31 Uhr

Ex-Papst-Vertrauter wird wegen schweren Diebstahls angeklagt

Paolo Gabriele gilt als Hauptverdächtiger im Enthüllungsskandal um brisante Vatikan-Papiere: Der Ex-Kammerdiener von Benedikt XVI. kommt vor Gericht. Überraschend wird auch ein Informatiker angeklagt.

Im Enthüllungsskandal im Vatikan wird der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. vor Gericht gestellt. Paolo Gabriele werde wegen schweren Diebstahls angeklagt, erklärte Ermittlungsrichter Piero Bonnet am Montag. Zudem soll wegen Beihilfe Anklage gegen einen Mitarbeiter des vatikanischen Staatssekretariats mit Namen Claudio Sciarpelletti erhoben werden. Es ist das erste Mal, dass sein Name im Zusammenhang mit der so genannten Vatileaks-Affäre fällt. Sciarpelletti arbeitete als Programmierer im Staatssekretariat. Vatikansprecher Federico Lombardi betonte jedoch, dass der Informatiker nicht als Komplize zu sehen sei, da seine Vergehen weitaus weniger gravierend seien als die des früheren Kammerdieners. Sciarpelletti war bereits nach einer Nacht wieder aus der Haft entlassen worden.

Die Ermittlungen zu den Hintergründen von "Vatileaks" sind laut Lombardi aber mit der Anklageerhebung immer noch nicht beendet. So könnten möglicherweise weitere Untersuchungen zu Hintermännern stattfinden. Neue Entwicklungen werde es vor Ende September nicht geben. Es waren wiederholt Mutmaßungen laut geworden, es seien mehr Personen in die Enthüllungsaffäre verwickelt. Bislang hatte der Vatikan immer betont, es werde allein gegen den Diener ermittelt. Nach Informationen von Radio Vatikan wird der Prozess gegen die beiden Angeklagten voraussichtlich im Oktober beginnen.

Mordkomplott und umstrittene Bankgeschäfte

In dem Skandal geht es um die Weitergabe interner Papiere aus dem Vatikan an italienische Medien. Darunter waren Unterlagen zu einem angeblichen Mordkomplott gegen den Papst und zu umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR. In Anlehnung an das Enthüllungsportal Wikileaks wird die Affäre allgemein "Vatileaks" genannt. Gabriele soll zudem einen Scheck an Benedikt XVI. in Höhe von 100.000 Dollar gestohlen haben.

Der Ex-Kammerdiener war im Mai im Zusammenhang mit dem Skandal festgenommen worden. Er saß zunächst 53 Tage lang in Haft, bevor er im Juli unter Hausarrest gestellt wurde. Gabriele hatte seit dem Jahr 2006 für den Papst gearbeitet. Er war einer der wenigen Vertrauten des Oberhaupts der katholischen Kirche, die Zugang zu dessen Privaträumen hatten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm nach vatikanischem Recht sechs bis acht Jahre Haft.

mad/fro/DPA/AFP/Reuters
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Hausarrest für den Papstdiener Ausgang nur zum Beten

Nach fast zwei Monaten in Gewahrsam ist der ehemalige Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. aus der Haft entlassen worden. Der wegen der Vatileaks-Afffäre festgenommene Paolo Gabriele wurde unter Hausarrest gestellt.

"Vatileaks"-Affäre Der Mann, der den Papst verriet

Paolo Gabriele, Benedikts Kammerdiener, galt als gläubig und brav. Dass er noch anderen Herren diente und Geheimnisse weitergab, brachte ihn ins Gefängnis. Jetzt soll er auspacken.

Machtkampf im Kirchenstaat Vatikan weist Vorwurf der Intrige zurück

Der Kammerdiener des Papstes soll geheime Dokumente gestohlen haben, die dann dann veröffentlicht wurden. Im Vatikan wird offenbar erbittert um Einfluss gerungen. Jetzt wehrt sich ein Offizieller.

Erneut vertrauliche Dokumente aufgetaucht Papst muss weiteren Maulwurf fürchten

Die Verhaftung des päpstlichen Kammerdieners war offenbar nicht das Ende der "Vatileaks"-Affäre. Einem Medienbericht zufolge sind neue vertrauliche Dokumente aufgetaucht. Der Vatikan schweigt dazu.

Krise im Vatikan Kammerdiener festgenommen - Bankchef gefeuert

In den seit Wochen schwelenden "Vatileaks"-Skandal kommt Bewegung: Die Polizei hat offenbar einen Butler von Papst Benedikt festgenommen. Italiens Medien vermuten, auch die Entlassung des Vatikanbankchefs stehe in Verbindung mit der Enthüllungsaffäre.

Vatileaks und die Folgen Benedikt und die schwarzen Schäfchen

Verrat, Intrigen, Missgunst: Benedikt XVI. beklagt die Verweltlichung der Kirche und er hat offenbar gute Gründe dafür: Denn was sich derzeit im Vatikan abspielt, könnte profaner kaum sein.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?