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18. September 2008, 20:02 Uhr
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Deutsche Hersteller geben Entwarnung

Der Milchpulver-Skandal in China hat offenbar weitaus größere Ausmaße als zunächst angenommen. Auch ins Ausland soll das vergiftete Pulver exportiert worden sein, nicht jedoch nach Deutschland. Hierzulande gelten laut Auskunft von Experten besonders strenge Richtlinien bei der Herstellung von Babynahrung. Ein Überblick. Von Leonie Seifert

In Deutschland unterliegt die Herstellung von Babynahrung extrem strengen Richtlinien. Experten sind sicher: Ein Skandal wie in China wäre hierzulande kaum möglich© colourbox

Aufgeschäumt kann sie als Flammschutz oder als akustische Dämmplatte in Tonstudios genutzt werden. Als kleiner, zuckerartiger Kristall glitzert sie rötlich im Kinder-Urin: die Chemikalie Melamin. Sie ist so günstig herzustellen, dass sie weltweit als Streckmittel für eiweißreiche Nahrung oder Tierfutter missbraucht wird. In China wurde sie jetzt unter Milchpulver für Babys gepanscht und damit ein höherer Proteingehalt in der Säuglingsnahrung vorgetäuscht. Inzwischen hat der Babymilch-Skandal weitaus größere Ausmaße angenommen als anfangs befürchtet. Vier Säuglinge sind bereits gestorben, mehr als 6200 Babys sind erkrankt, 158 leiden an akutem Nierenversagen.

Milchpulver oder Trockenmilch, so nennt man Milch, der fast das gesamte Wasser entzogen wurde. Vollmilch hat einen Wasseranteil von etwa 87,5 Prozent. Für die Herstellung von Milchpulver wird der Wasseranteil auf ungefähr drei Prozent reduziert. Zur Herstellung von einem Kilogramm Trockenmilchpulver sind etwa sechs bis sieben Liter Milch erforderlich.

Vollmilchpulver enthält rund 26 Prozent Fett, 25 Prozent Eiweiß und 38 Prozent Milchzucker. Magermilchpulver entsprechend weniger Fette, dafür mehr Eiweiße. Genutzt wird Milchpulver vor allem zur Herstellung von Käse, Joghurt, Schokolade, Backwaren, Babynahrung und Tierfutter.

Kein Import aus China

Im vergangenen Jahr produzierten deutsche Molkereien insgesamt 415.300 Tonnen Trockenmilch, davon 65.000 Tonnen Vollmilchpulver und 231.000 Tonnen Magermilchpulver, außerdem Sahne- und Buttermilchpulver und Pulver für Tiernahrung. Ins Ausland verkaufte Deutschland insgesamt 242.700 Tonnen Milchpulver für 696,3 Millionen Euro. Importiert wurden rund 115.600 Tonnen im Wert von 319 Millionen Euro, vor allem aus Polen und den Niederlanden.

China soll das mit Melamin verseuchte Milchpulver auch ins Ausland verkauft haben - nach Bangladesch, Burma, Burundi, Gabun und in den Jemen. Für Deutschland besteht laut Aussage von Nahrungsmittel-Experten aber keine Gefahr. „Milchprodukte und somit auch Milchpulver aus China sind in der EU grundsätzlich nicht zugelassen“, sagt Kristine Rotheiler, Sprecherin vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Babynahrung wird besonders streng kontrolliert

Babynahrung ist nach Angaben des Deutschen Milchindustrie-Verbandes das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Eine Panscherei wie in China sei hier gar nicht möglich, das würde sofort auffliegen, versichert ein Experte. Die führenden Hersteller wie Alete, Hipp und Milupa unterliegen genauso wie etwa die Eigenmarken von den Discountern Schlecker, dm und Rossmann den strengen EU-Anforderungen.

Zusätzlich gelten für die deutschen Hersteller Diätverordungen – und eigene Qualitätsstandards der Unternehmen. 300 Mal testet etwa der Hersteller Milupa nach eigenen Angaben seine Produkte. „Wir würden jedes Salzkorn im Olympiabecken finden“; sagt Stefan Stohl von Milupa.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) rät dennoch zur Vorsicht. „Wenn auf einem Produkt nicht drauf steht, woher das verwendete Milchpulver kommt, sollte man notfalls direkt den Hersteller fragen“, so Angelika Michel-Drees vom VZBV.

Von Leonie Seifert
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