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14. Oktober 2009, 15:37 Uhr

"Der kann doch kein Wässerchen trüben"

Die Anklage wirft ihnen vor, nahezu eine ganze Familie ausgelöscht zu haben. Doch an ihrem ersten Prozesstag wirken die beiden 19 Jahre alten Tatverdächtigen eher blass und wenig kaltblütig. Von Malte Arnsperger, Ulm

Zoom
Eislingen, Bluttat, Vierfachmord, Prozess

Ein zum Prozess zugelassener Journalist passiert die Sicherheitsschleuse im Landgericht Ulm© Stefan Puchner/DPA

Als die Wörter laufen lernten", ist der Titel einer Ausstellung zur Geschichte der Schreibmaschine in der Volksbank von Göppingen, die heute Abend eröffnet wird. Schüler der 13. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums präsentieren die Schreibmaschinensammlung ihrer Schule. Zwei ihrer Mitschüler allerdings können bei der feierlichen Eröffnung nicht dabei sein: Andreas Häussler und Frederik Begenat sitzen in einem holzgetäfelten Gerichtssaal in Ulm, ihre Hände und Füße in Handschellen. Sie müssen sich seit heute wegen Mordes verantworten.

Der Medienauftrieb im altwürdigen Ulmer Landgericht ist beachtlich. Seit dem frühen Morgen berichten Fernsehen und Radiosender über die beiden Freunde, die vier Menschen eiskalt ermordet haben sollen. Nun werden sie sich zum ersten Mal seit dem Tattag, Karfreitag, wiedersehen. Erst als die Fotografen und Kameraleute den Gerichtssaal verlassen haben, wird Andreas Häussler aus einem Nebenzimmer hereingeführt. Flankiert von zwei Beamten, läuft er mit gesenktem Blick zur Anklagebank, blasses Gesicht, knallrote Schuhe. Kurz schaut er sich mit gerunzelter Stirn im Gerichtsaal um, dann starrt er auf den Tisch vor sich. Wieder geht die Tür zu dem Nebenraum auf. Fredrik Begenat hat die Kapuze seines weiß-grau gestreiften Pullovers tief ins Gesicht gezogen. Andreas hebt kurz den Blick und sucht den Augenkontakt zu seinem Freund, doch der hält sich hinter seiner Kapuze versteckt und kehrt dem anderen den Rücken zu.

Wie professionelle Einbrecher verhalten

Staatsanwältin Brigitte Lutz liest die Anklage vor: Im Juni 2007 sollen die jungen Männer zunächst in eine Schule, dann in einen Tennisclub eingebrochen sein. Ihre Beute: Unter anderem ein Computer, Bargeld, Spirituosen und Zigaretten. Einige Monate später brechen sie erneut in das Vereinsheim ein und stehlen 90 Euro und eine Flasche Ouzo. Kurze Zeit danach seilen sie sich wie professionelle Einbrecher über das Dach durch den Lichtschacht hinab in einen Supermarkt und klauen Parfum und Alkohol. Im Oktober 2008 erbeuten sie 1700 Schuss Munition, 19 Waffen, darunter die beiden späteren Mordwaffen, aus dem Schützenverein Eislingen, wo beide zu diesem Zeitpunkt noch Mitglieder sind.

Keiner erwischt sie. Im Februar 2009, so schätzt es die Staatsanwaltschaft ein, ist es nicht mehr nur Abenteurertum, das die Freunde trieb. Damals soll Andreas Häussler zusammen mit seinen beiden Schwestern Ann-Christin (24) und Annemarie (22) eine Vollmacht für das Konto seiner Mutter bekommen haben. Zu diesem Zeitpunkt habe sich Andreas entschlossen, seine Eltern und die Schwestern zu töten, um an die 256.000 Euro zu kommen. Seinem Freund habe er von seinen Plänen erzählt.

Am Gründonnerstag 2009 wollen sie, so die Anklage, ihre Pläne in die Tat umsetzen. Den geklauten PC werfen sie in einen Bach, um Spuren zu verwischen. Die beiden Tatwaffen, zwei Pistolen Marke Hämmerli und Ruger, hatten sie am Tag zuvor bereits getestet - auf Tierschädel sollen sie geschossen haben, so die Staatsanwältin.

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
Siamkatze79539 (13.10.2009, 13:35 Uhr)
schrecklich
ist das, was die zwei da gemacht haben, 4 Menschen töten, alles nur wegen dem Geld. Aber der Vater war wohl sehr dominant und hat überdie Familie geherrscht, dabei wurde der Junge links liegen gelassen, auch wegen der Homosexualität, wahrscheinlich hat das den Eltern, sprich dem Vater nicht gepasst! Und die Mutter hatte nichts zu melden, denke ich mir. Aber muss man dann morden, erhätte ja auch seinem Elternhaus den Rücken kehren können. Aber ohne Moos nix los!
phate (13.10.2009, 10:34 Uhr)
So einfach ist das auch nicht....
So einfach klappt das mit dem Wegsperren leider auch nicht. Die Gefängnisse in Deutschland sind überfüllt und es werden immer mehr, die eigentlich eingebuchtet werden müssten. Wir haben einfach keinen Platz mehr, aber auch keine Kapazitäten, um neue Gefängnisse zu bauen. Daher sind die folgen milde Strafen/Bewährungsstrafen/Arbeitsstunden/o.ä. Ich stimme euch zu, dass solche Menschen definitiv eingesperrt gehören und aus der Gesellschaft entnommen werden müssen. Leute, die ihre eigenen Familie hinrichten für ein paar Euros, KÖNNEN einfach nicht in unserer Gesellschaft leben. Aus welchen Gründen auch immer. Für mich hat das auch weniger den Grund einer Bestrafung, sondern mehr den Grund des Schutzes der Bevölkerung vor solchen Menschen. Allerdings fehlen, wie gesagt, die Mittel dafür einerseits und wir haben ein verhältnismäßig sehr weichgespültes Rechtssystem andererseits, wodurch es tatsächlich sein könnte, dass diese Leute nach wesentlich unter 10 Jahren wegen guter Führung schon wieder rauskommen. Aber es gibt ja keine Steuergelder zum Bau neuer Gefängnisse, denn die wurden ja schon für die Rettung diverser Banken verwendet. Und da es keine Gefängnisplätze gibt, können die verantwortilchen Banker auch nicht eingesperrt werden. Man sieht, es ist ein Teufelskreis ;)
Xennia (13.10.2009, 10:24 Uhr)
Ursache Elternhaus
Diese schrecklichen Taten sind mit nichts zu entschuldigen.
Eine andere Sache ist die Suche nach Gründen. Die Ursache liegt nahezu immer auch im Elternhaus.
Eltern, die ihre Kinder völlig gewaltfrei und liebevll erziehen, ihnen Ethik, Moral und menschliche Werte vorleben, werden niemals mordende Monster als Kinder haben. Wenn Jugendliche derartige Verbrechen begehen, muss in ihrer
Kindheit schon viel schief gelaufen sein. Nur diese Tatsache ist gesellschaftlich immer noch ein Tabuthema, da die Eltern fast immer "geschont" werden, da das Vierte Gebot in unseren Köpfen festsitzt. (4. Gebot: Du sollst deine Eltern ehren..)
sportartmakler (13.10.2009, 09:22 Uhr)
mr.s
genau diese suche nach äußeren umständen, nach gesellschaftlicher schuld führt zu diesen kuschelurteilen die uns alle empören. eigenverantwortung bleibt auf der strecke weil der heutige druck ja so groß ist. müssen alle eltern mit ein paar groschen aufn konto jetzt das gleiche fürchten?

ob nun der konflikt mit dem vater und oder simple habgier oder verhängnisvolle freundschaft für die tat verantwortlich sind ist für mich irrelevant, das ergebnis bleibt gleich.

unterm strich bleibt für mich eine der grausamsten familientragödie stehen an die ich mich entsinnen kann. 2 schwestern mit 19!!! schüssen hinzurichten, sich in die kneipe zu den eltern gesellen und diese im anschluß ebenfalls zuhause hinzurichten. diese kaltblütigkeit ( gegenüber der eigenen familiem ) sucht ihresgleichen.

wie schaut es eigentlich mit dem erbe aus nach solch einer tat?
mr_s (13.10.2009, 08:23 Uhr)
Opfer des Systems
Man darf die Morde nicht bagatellisieren. Aber diese jungen Männer sind irgendwie auch Opfer dieses von materiellen Werten geprägten Systems. Man nimmt sich was man haben möchte. Das bringen doch die meisten Eltern heute ihren Kindern bei. Gehe über Leichen sonst wird das nichts mit der Karriere. Erziehung ist out - es lebe die Freiheit des Einzelnen.

Tja. Das Resultat sehen wir. Junge Männer - noch nass hinter den Ohren bringen ihre eigene Familie um. Auf der anderen Seiten töten Eltern ihre Kinder, weil die einfach nicht in die Lebensplanung passen. Sie verhungern oder werden tot geprügelt.

Als harmloser Passant oder U-Bahn-Fahrgast muss man um sein Leben fürchten weil junge zugesoffene Leute einfach mal Bock haben jemand zu klatschen. Alles nur weil die Perspektive fehlt die einem vom Elternhaus vermittelt werden sollte.

Es geht aber heute nur noch darum etwas zu werden - also guten Job, Geld, Häuschen, Auto - oder nicht. Das wird den Kindern bereits ab der ersten Klasse beigebracht.

Was wundern wir uns also? Natürlich können wir jetzt anfangen und alle Mörder in das Loch stecken. Aus den Augen aus dem Sinn. Nur ändern wird das nichts.
allesklar (13.10.2009, 07:04 Uhr)
Malte
"Die Anklage wirft ihnen vor, nahezu eine ganze Familie ausgelöscht zu haben. Doch an ihrem ersten Prozesstag wirken die beiden 19 Jahre alten Tatverdächtigen eher blass und wenig kaltblütig."

Von Malte Arnsperger, Ulm

OHNE DOCH haette der Satz fuer mich mehr sinn gemacht.

10 jahre - oh gott ich moechte einmal im leben so guenstig davonkommen. GERECHTIGKEIT sieht anders aus: Alle morde waren EISKALT und MIT VORSATZ GEPLANT - ( nach teilmorden sogar noch in Kneipe gewesen und wissentlich mit den naechsten Opfern gespochen) und danach ermordet. Also 4 Morde eiskalt geplant und durchgefuehrt. HABT ihr in D den A zweimal auf??? NIEMAND gehoert hier gefuehsgedusselt - wenn die Mutter ihren MOERDER sohn denn in die arme nehmen will - dann mach das - Fuer die nachsten 200 Jahre im Knast. Die gehoeren ins loch - fuer immer. Und ich weiss jeden tag immer mehr warum ich nicht mehr in D lebe... Danke Kuschelrichter!
Babysitter (13.10.2009, 00:36 Uhr)
Die Strafe
müßte 10 Jahre x 4 für beide Täter sein. So wird es doch in den USA gehandhabt. Das könnte ich auch nachvollziehen. Aber 10 Jahre und dann nach Absitzen von 2/3 der Strafe, nach 6,5 Jahren wieder frei, das kann ja wohl nicht sein. Irgendetwas stimmt bei uns nicht.
jackiki (12.10.2009, 23:31 Uhr)
wenn...
...man kinder so erzieht, wie sie "sein sollen" und nicht wie sie "sind", dann entstehen eben solche gefühlskalten monster !!!
klabautermann79 (12.10.2009, 21:54 Uhr)
Äußerst seltsam
ist unser Rechtssystem. Wie hardius schon schrieb: für 4fach-Mord= 10 Jahre Haft. Sowas macht einen gar nicht mehr wütend, sondern einfach nur fassungslos und vor allem ratlos. Wer bloß hat sich solche Gesetze ausgedacht?
hardius (12.10.2009, 21:25 Uhr)
Morde im Angebot
Vierfachmord, dafür 10 Jahre. Das kann's wohl nicht sein!
Ob ich nun Einen oder Mehrere umbringe ist der gleiche Preis? Welcher zeitliche Abstand muß denn hier sein?
Sowas nennt man Mengenrabatt!
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