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18. April 2009, 15:41 Uhr

Tränen, Trauer und viele Fragen

Fassungslos stehen Freunde, Angehörige und Nachbarn vor den vier Särgen in der Evangelischen Lutherkirche von Eislingen. Unter Tränen nehmen sie Abschied von den Eltern und ihren zwei Töchtern. Noch immer können sie nicht glauben, dass der 18-jährige Sohn der Familie und dessen Freund das Blutbad begangen haben sollen.

Vierfachmord, Eislingen, Trauerfeier, Tränen, Abschied

Trauer in Eislingen: In einem Trauerzug werden die vier Särge mit den© Stefan Puchner

Weiße Callas und rote Rosen liegen auf den vier schlichten Särgen, die in der Evangelischen Lutherkirche von Eislingen nebeneinander aufgereiht stehen. Lebensfroh lachen Familienvater Hansjürgen H. (57), seine Frau Else (55) und die beiden Töchter Annemarie (22) und Christin (24) die Trauergäste von den Fotos an ihren Särgen an. Gut eine Woche nach dem kaltblütigen Vierfachmord in der baden-württembergischen Kleinstadt haben am Samstag Angehörige und Freunde von der getöteten Familie Abschied genommen. Noch immer fassungslos, noch immer entsetzt über das Verbrechen, das der 18-jährige Sohn der Familie und ein Freund von ihm begangen haben sollen.

"Es wird viel geweint in diesen Tagen

"Es wird viel geweint in diesen Tagen, und Fragen werden gestellt, drängen sich auf und bedrängen uns alle, werden laut und überlaut, auch die, die keiner ausspricht, entsetzte, fassungslose Fragen", sagte Pfarrerin Kathinka Korn in ihrer Predigt während des Trauergottesdienstes. Die Familie sei durch einen "gespenstischen Ausbruch blindwütiger Gewalt" aus dem Leben gerissen worden. Aber bei Gott seien sie nicht vergessen, tröstete sie die Gemeinde. Etwa 700 Menschen sind nach Polizeiangaben gekommen, um der erschossenen Familie das letzte Geleit zu geben.

In ihrer Predigt ging die Pfarrerin aber auch auf die verdächtigen Jugendlichen ein. Auch die zwei mutmaßlichen Täter stünden für zwei geliebte Kinder, auch sie werde Gott nie vergessen, sagte Korn.

Um 10.42 Uhr war am Karfreitagvormittag der Notruf bei der Polizei eingegangen. Der 18-jährige Andreas H. erzählte, dass er gemeinsam mit einem 19 Jahre alten Schulfreund die Leichen seiner Eltern und Schwestern in ihrer Wohnung entdeckt habe. Der Sohn äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Doch Frederik gestand am vergangenen Donnerstag die gemeinsame grausame Bluttat. "Wir waren das zusammen", hat er den Ermittlern gesagt.

Die beiden Tatverdächtigen sollen ihre Opfer mit insgesamt 30 Schüssen niedergestreckt haben - erst die beiden Schwestern beim Fernsehen, dann die aus einer Gaststätte heimkehrenden ahnungslosen Eltern. Zwischendurch sollen die Tatverdächtigen sogar noch die Eltern in der Gaststätte aufgesucht haben. "Das Motiv ist bisher nicht greifbar", sagte der Leiter der Polizei Göppingen, Helmut Mauderer, am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Ermittler werten derzeit die Computer der beiden mutmaßlichen Täter aus.

War die Tat von langer Hand geplant

Ein schrecklicher Verdacht bleibt: Die Tat könnte von langer Hand geplant gewesen sein. Die mutmaßlichen Tatwaffen wurden möglicherweise bei einem Einbruch in der Schützengilde Eislingen im vergangenen Oktober gestohlen. Dort sind beziehungsweise waren die zwei 18- und 19-Jährigen Mitglieder. Die Waffen fand die Polizei in zwei von Frederik verratenen Verstecken.

Im Anschluss an die Trauerfeier in der Lutherkirche wurde die Familie auf dem nahe gelegenen Friedhof beigesetzt. "Chrissi und Mimi" steht auf den Holzkreuzen der beiden Mädchen. Die ältere Schwester des Familienvaters Hansjürgen H. und die beiden Schwestern seiner Frau Else wollten ihnen das letzte Geleit geben. Auch die beiden Freunde der Töchter Annemarie und Christin wollten teilnehmen. Sohn Andreas hatte ebenfalls zum Gottesdienst kommen wollen - der Haftrichter erlaubte ihm dies jedoch nicht.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
aeternitas (19.04.2009, 21:28 Uhr)
@Julchen
Wie gesagt, ich kann nicht für ALLE Christen sprechen. Aber ich dann dir versichern, es gibt mittlerweile in der Landeskirche schwule und lesbische Pfarrer, Diakone, Gottesdienste (nicht nur) für Schwule, Lesben, Transgender ...
Homo- und Transsexuelle werden nicht verteufelt und auch nicht versucht zu "heilen" (was ich persönlich für ein Verbrechen halte, das jungen Menschen zu erzählen, dass sie krank sind und dass es "heilbar" ist)....
Viele verwechseln das 08-15 Christentum mit diesen erzkonservativen oftmals freikirchlichen Gemeinden. Außerdem halten wir evangelischen es mit dem NEUEN Testament, das weit weniger blutrünstig ist und mehr unter dem Motto "Nächstenliebe" steht. Jesus hat es vorgelebt, dass selbst ein Mörder nicht verdammenswert ist. Garstigste Verbrechen wie Kindesmissbrauch kommen (soweit ich mich erinnern kann) im NT nicht vor, aber ich glaube nicht, dass wenn Jesus da wäre, dass er selbst diese verachtenswerten Menschen bespucken und verstoßen würde, dass er selbst diese Menschen annehmen würde, was uns normalen Menschen nicht möglich ist. Höchstens denen, die Psychologie und Theologie sich als Beruf gewählt haben. Wir anderen hätten in dem Fall schon längst Mordphantasien. Ich will aber auf gar keinen Fall jemanden bekehren. Wer Christ werden will, der darf das gerne werden, wer jedoch nicht will, der darf auch gerne Atheist bleiben. Ich habe auch Freunde, die Atheisten sind, und ich störe mich nicht daran. Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden. Was mich aber sehr stört ist, dass manche Leute irgendwas aufgeschnappt haben, was angeblich das Christentum ausmacht und das erstens glauben und zweitens glauben, dass ALLE Christen so sind.
Und zudem noch Gott ins Spiel bringen in einem Fall, der bisher nicht wirklich irgendein Motiv hat, das mit dem Christentum zusammenhängt, außer, dass er am Gründonnerstag/Karfreitag stattfand. Ich tippe eher auf ein sehr weltliches Motiv, und der Täter hat halt pragmatisch Ostern ausgewählt, weil da die ganze Familie versammelt ist. Die Schwestern waren ja angeblich Studentinnen....
Btw.: Diese Gräueltaten im Namen der Kirche (Inquisition, Eroberung Südamerikas etc.) geschahen nicht um anderen Menschen den Glauben aufzuzwingen. Die Täter selbst waren nicht besonders gläubig... es ging nur wie bei eigentlich allen Kriegen um LAND und VIEL GOLD damit es sich die Kirche weiterhin gut gehen lassen konnte. Die Päpste der damaligen Zeit waren eigentlich nur weltliche Herrscher, die sich ein Kreuz umgehängt haben und die Kriege ein bisschen umdeklariert haben um mehr arme Säcke zu überzeugen, die für sie kämpfen...
turo (19.04.2009, 19:13 Uhr)
@ julchen 80
Was werden Sie auf ihrem Sterbebett sagen wenn der Tod unmittelbar bevorsteht: Gott vergib, Satan hole mich oder was sonst? Der Glaube ist die Hoffnung aller Menschen auf der Erde. Wenn es keine Hoffnung auf Erden mehr gäbe, wird auch alles Leben erlöschen. Wollen Sie das? Das wollen keine Muslime, Christen und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften. Der Glaube an etwas Übergeordnetes , etwas das mächtiger ist als der Mensch, ist wichtig. Nur an die Macht der Natur und des Alls reich nicht aus.
Julchen80 (19.04.2009, 15:46 Uhr)
@aeternitas
Also jetzt muss ich hier doch mal kurz einen kleinen Kommentar zu unseren ""guten" Christen ablassen!!!! Mal im Ernst "aeternitas", glaubst du im Ernst das das Christentum und seine eigentlich mehr als lächerlichen moralischen Werte und Definitionen den Menschen irgendetwas positives gebracht haben? Leute wie du glauben das wirklich! Es gibt mein Freund so krasse Verbrechen, die so unglaublich scheußlich sind, das es unglaublich ist. Und dieser Gott vergibt jeden?? Ah so? Ja das ist nicht mein Gott! Ich als Transsexuelle musste mich schon von "guten Christen" bespucken und beschimpfen lassen (unter Benennung von "christlichen Argumenten"!) Also im Gegensatz zu den meisten Menschen habe ich obwohl mittlerweile überzeugte Atheistin, die Bibel gelesen! Solltest du auch mal machen, da wirst du feststellen, das dieser Gott nur straft und sehr schlimme Dinge macht um Machtinteressen durchzusetzen! Ich kenne auch nicht eine Stelle die wirklich einen "schützenden" und "guten" Gott zeigt! Das Buch wimmelt nur so von Rache und Boshaftigkeiten! Erstmal ganz lesen und dann reden, ok!!! Ich kann "Amaterasu" und "traldors" da nur zustimmen!!!! Und noch ein Wort zu dem "turo". Gerade Sie sollten es besser wissen. Wie urteilt denn unsere Justiz diese Menschen ab die unmenschliches tun? Und Gott gibt ihnen dann die Kraft? Ich denke unsere Justiz und die ganze Gesellschaft zeigt doch mit ihren Entwicklungen, das dieses "göttliche Recht" nach dem neuen Testament nicht funktioniert! Ich kann da nur alttestamentarisch sagen, Auge um Auge, und Zahn um Zahn!!! Gute Christen sind oft nicht gerade die besseren Menschen, das habe ich doch an Lebenserfahrung gewinnen können. Atheismus hin oder her. Religion ist Opium fürs Volk und gehört endlich aus der Gesellschaft entfernt. Wieviel Elend ist durch die Religion entstanden? (Ja klar, einige Unbelehrbare finden ja immer noch Gründe, 3 Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung, 09/11 etc.) irgendwie zu rechtfertigen! Sowas wiedert mich an!
traldors (18.04.2009, 22:30 Uhr)
Tja, Hitler (...)
war ein guter Lutheraner. Wer früher die gelben Reclamhefte gelesen hat, weiss wovon ich schreibe. Danach ist eines sicher, der große Lord mischt sich hier, egal was passiert, nicht ein. Warum auch immer (...)
Amaterasu (18.04.2009, 20:47 Uhr)
Gottes Wege sind halt unergründlich und wer weiß, wofür es gut war.

Darum stell ich mir den Himmel, angenommen es gäbe ihn überhaupt, ganz arg schlimm vor, so eine Art Wohlfühldiktatur.
Immer schön dankbar für den ganzen Mist sein, möglichst unterwürfig und demütig.
Ohne mich.
aeternitas (18.04.2009, 20:40 Uhr)
Hölle?
Also im Glauben der reformierten evangelischen Landeskirche gibt es keine Hölle. Auch keinen Teufel. Selbst Satan kommt nur ganz am Rande (Schöpfungsgeschichte, Hiob, Versuchung Jesu) vor, und ist nicht wirklich eine Bedrohung, weil wir NICHT an seine Existenz glauben. Satan steht sinnbildlich für alles "Böse", wofür die Menschen damals keine Erklärung hatten. Die Sünder schmoren nicht in irgendeinem Fegefeuer außer in alten Kirchenliedern und die ewige Verdammnis gibt es auch nicht. Das ist ja gerade DER Inhalt des christlichen Glaubens, weil Jesus für alle Sünder gestorben ist und alle Sünden auf sich genommen hat, ist kein Sünder mehr verloren.
Bei den Katholiken sieht das etwas anders aus. Aber auch die meisten Katholiken glauben weder an die Hölle noch an Satan als "Person" oder als Bedrohung. Satan ist einfach die Stimme, die jeder in sich hört, die einen dazu bringt, "böse" Dinge zu tun oder zu denken. Aber kein roter Teufel mit Hörnern und Schwanz und Dreizack den man fürchten müsste.
gentlesmile (18.04.2009, 19:28 Uhr)
Stiller Abschied
Hier sitze ich nun und höre mir die SchülerBandCD an, bei der die beiden Töchter 2001 als Sängerinnen an meiner Schule mitgewirkt haben.
Sie sangen unter anderen auch Wild World von Cat Stevens und Dreams von den Cranberries. Ich hatte die CD schon fast vergessen. Ich hoffe dies wird nie mit diesen beiden fröhlichen und charismatischen Mädels von damals aus meiner Schule geschehen.
In stiller Trauer
K. aus Eislingen
klabautermann79 (18.04.2009, 19:01 Uhr)
Es wird nie...
eine Eingung zwischen Nichtgläubigen und Gläubigen geben. Die Sache, dass kein Verbrechen für Christen zu groß sein soll, um nicht vergeben werden zu können, ist erst mal Schwachsinn. Wo zu haben sie sich dann die Hölle einfallen lassen, in die man verdammt werden kann? Selbst wenn es so wäre, würde ich das ziemlich mies finden, denn Leute wie diese beiden Jugendlichen haben die härtesten Strafen verdient, die man sich ausdenken kann. Dass der Sohn sogar noch zur Trauerfeier hingehen wollte, schlägt dem Fass die Krone aus! Was soll man dazu sagen?? Schlachtet seine Familie ab und will dann noch fromm tun auf deren Beerdigung. Meine Fresse....
turo (18.04.2009, 18:03 Uhr)
@Tschi-tschi
Warum haben Sie nicht einfach geschrieben: Ich bin Atheist.
Besser noch, Sie hätten gar keinen Kommentar abgegeben.
Ich als alter hartgesonnener Kriminalbeamter (Leiter von Mordkommissionen) hätte meinen Beruf ohne Glauben an Gott nicht durchführen können. Der Glaube an Gott liess mich immer hoffen, dass es bei solchen schlimmen Taten eine Gerechtigkeit geben wird. Wenn alles aufgeklärt ist, müssen wir die Lehren daraus ziehen.
aeternitas (18.04.2009, 18:01 Uhr)
Jesus
selbst hat die Sünder nicht verstoßen, im Gegenteil, er hat sie geschützt (Ehebrecherin) und war in ihrem Haus zu Gast (Zöllner). Selbst in seinen letzten Stunden am Kreuz hat er dem Mörder neben ihm vergeben.
Würde er jetzt leben und würde er in Eislingen sein, würde er die Mörder auch nicht verdammen. Sofern sie wirklich die Mörder waren.
Der christliche Glaube geht davon aus, dass es keine Straftat gibt, die so schlimm ist, dass sie nicht vergeben werden kann. Deshalb gibt es ja auch Gefängnispfarrer, die selbst dort, wo nur Mörder sitzen, das Gute im Menschen sehen können. Die Christen glauben auch, dass keiner, egal wie sehr er vom Weg abgekommen ist, verloren geht, dargestellt in dem Schäfer, der sein eines verlorenes Schaf so lange sucht, bis er es wiederfindet.
Für Atheisten mag die Vorstellung bizarr sein, aber einem Atheisten, der weiterhin Atheist bleiben möchte den christlichen Glauben zu erklären, ist genauso fruchtlos wie einem Blinden ein buntes Bild zu zeigen... Vielleicht hilft euch folgendes Bild ein wenig weiter in eurem Verständnis des Christentums: Stellt euch Gott vor wie einen Vater mit einem kleinen Kind. Er hält es an den Händen fest, er lehrt es laufen, aber irgendwann läuft das Kind selber und lebt sein eigenes Leben und der Vater schaut zu. Das Kind ist nun selbst für seine Taten verantwortlich, es kann aber sich immer noch an den Vater wenden, wenn es Probleme hat. Es kann aber auch sich ganz abwenden, ohne, dass der Vater etwas dagegen unternimmt. Er ist einfach da und hilft, wenn er um Hilfe gebeten wird. Ansonsten wacht er nur von weitem über dem Leben des Kindes.
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