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19. April 2007, 06:47 Uhr

"Ihr habt mich in die Ecke gedrängt ..."

Der Südkoreaner Cho, der an der Virginia Tech ein Massaker angerichtet hat, warf nach den ersten Morden ein Paket in die Post. Darin: Fotos, Videos und ein Manifest. In den teils obszönen Materialien erklärt Cho, er werde "wie Jesus" sterben - im Kampf gegen die Reichen.

Cho in Killerpose, so wie er sich in seinen eigenen Videos präsentierte© AP

Der Amokläufer von Blacksburg hat nach seinen ersten beiden Morden ein Paket mit Videos und einem Manifest an einen US-Fernsehsender aufgegeben, bevor er in der Technischen Hochschule von Virginia 30 weitere Menschen und sich selbst tötete. Der Fernsehsender NBC sendete am Mittwochabend Ausschnitte aus Cho Seung Huis mit einer Videokamera gefilmten Erklärung. "Ihr hattet eine hundert Milliarde Chancen, das hier zu vermeiden", sagte Cho in einem von NBC am Mittwochabend gezeigten Ausschnitt seines Manifests. "Aber ihr habt entschieden, mein Blut zu vergießen. Ihr habt mich in die Ecke getrieben und nur eine Option gelassen. Jetzt habt ihr Blut an euren Händen, das sich nie mehr abwaschen lässt."

Cho beruft sich auf Columbine

Cho erwähnte auch "Märtyrer wie Eric und Dylan" - die Amokläufer des Massakers an der Columbine Highschool vor fast genau acht Jahren, die 13 Menschen und sich selbst töteten. NBC zufolge ist Chos Stellungnahme 1.800 Wörter lang und enthält 43 Fotos. Auf elf Bildern hält er Handfeuerwaffen in die Kamera. Etliche Passagen seiner Rede seien zusammenhanglos und vulgär. "All eure Ausschweifungen waren nicht genug. Sie reichten nicht, eure hedonistischen Bedürfnisse zu befriedigen. Ihr hattet alles." Sich selbst stellt er als einen Jungen dar, dessen Herz mutwillig zerstört, dessen Seele vergewaltigt und dessen Bewusstsein ausgelöscht worden sei. "Dank euch sterbe ich wie Jesus Christus, um Generationen schwacher und schutzloser Menschen zu inspirieren."

Ein Zeitstempel auf dem Paket zeige, dass Cho es am Montag um 09.01 Uhr (Ortszeit) in einem Postamt Virginias aufgegeben habe. Das war eine Stunde und 45 Minuten nach seinen ersten tödlichen Schüssen in einem Wohnheim der Virginia Tech.Das würde erklären, wo der Amokläufer war, bevor er auf den Campus zurückkehrte und in einem Lehrgebäude 30 weitere Menschen und sich selbst tötete. Das Paket sei per Eilkurier aufgegeben worden, und sei am Dienstag bei NBC eingegangen, aber dort erst am Mittwoch geöffnet worden, teilte der Sender mit. Vor der Sendung des Materials sei das Paket von der Bundespolizei FBI geprüft worden.

Bereits 2005 für krank erklärt

Wie US-Medien weiter berichteten, wurde Cho bereits 2005 von einem Sonderrichter des Staates Virginia für geistesgestört erklärt und im Dezember für kurze Zeit in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Der Sender CNN zitierte Experten, die damals dem Gericht sagten, Cho stelle eine Gefahr für sich und andere dar. Nach weiteren Gutachten wurde Cho aber wieder aus der Klinik entlassen.

An der Virginia Tech fiel sein gestörtes Verhalten den Dozenten und Mitstudenten auf. Ein Abteilungs-Direktorin hatte sich bereits an die Polizei gewandt, weil Cho makabre Gedichte und Theaterstücke voller Gewalt-, Sexual- und Todesfantasien abgeliefert hatte.

Mindestens zehn US-Schulen evakuiert

Der furchtbare Amoklauf hat offenbar zahlreiche Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen: An vielen US-Schulen gingen am Mittwoch Drohungen ein. In mindestens zehn Staaten wurden Universitäten, Ober- und Mittelschulen nach Drohungen evakuiert oder geschlossen. In der Universität von Minnesota wurden acht Gebäude geräumt. Der Polizeichef der Universität, Greg Hestness, sagte, es sei klar, dass es eine Reihe Fehlalarme nach Blacksburg geben werde. "Wir können es uns aber nicht leisten, es nicht zu glauben und uns dabei zu irren", sagte er. Ein 16-jähriger Oberschüler erschoss sich im US-Staat North Carolina, nachdem er zuvor zwei Mitschüler mit seiner Handfeuerwaffe bedroht hatte. Das teilte die Polizei in Huntersville mit. Die Schulen in der Stadt seien nach dem Vorfall geschlossen worden.

In Colorado wurde ein Student festgenommen und beschuldigt, Sympathie und Verständnis für den Amokläufer von Blacksburg geäußert zu haben. Bei einer Diskussion in seiner Klasse der Universität von Colorado hat der 22-jährige Zeugenaussagen zufolge erklärt, er sei wütend auf alles von fluoreszierenden Glühbirnen bis zu nicht angemalten Wänden, und es mache ihn wütend genug, Menschen zu töten.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
042020 (19.04.2007, 20:42 Uhr)
Der Basti
kann mir nicht vorstellen das wen einer mal beim schrink war das dan irgendwie etwas im fuhrerschein etc
geschrieben wird uber das.
das geschei von der Civ/Lib.Union wirst dan auch in "D" hohren.ohne vorbestraft zu sein ist es eben moglich an waffen zu kommen.
und wen nicht in einem Laden dan
eben irgendwo unterem tisch.
Basti, komme immer noch viel nach "D" doch muss dir schon sagen da sind eben zu viel sachen die verboten sind. hat mich sogar gewundert das man nicht mal mehr
Zigeuner und neger sagen darf etc.
love your input ?
c.wiegel (19.04.2007, 19:47 Uhr)
Langsam aber sicher...
..gerät mein mir anerzogenes Weltbild durcheinander:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25104/1.html
Warum nur???
Wenn es sich bei diesem Bericht um keinen nachträglichen üblen Aprilscherz handelt, sollten wohl eher die Bürger ihre Politiker überwachen. Und zwar ständig, immer und überall. Ohne die geringste Ausnahme!
Mensch.Student (19.04.2007, 16:45 Uhr)
Jesus hatte keine coole Lederjacke ;)
Überhaupt muss ich der Waffenlobby Recht geben: "Nicht Waffen töten, sondern die Menschen". Die US Behörden sollten Verantwortung übernehmen: Schliesslich ist der Bursche mal in Behandlung gewesen und konnte trotz Prüfung an 2 Waffen gelangen zzgl. Munition.
Logic (19.04.2007, 13:04 Uhr)
hm wirklich traurig
also ich finde das ganze wirklich traurig und merkwürdig, das es immer Menschen zwischen 15 und 25 sind.
vielleicht liegt das daran, das wir im gegensatz zu der vergangenheit unsere kinder nicht mehr wirklich moralisch und ethisch in der zeit zwischen der pupatät und dem jungen erwachsensein unterstüzen.
sie werden alleine gelassen in der wichtigsten phase ihres lebens. sie bekommen ihre wertvorstellungen von überall her (internet bzw. andere medien) nur nicht von einem erwachsenen. ich denke einfach das das problem darin liegt. würde man sie in dieser zeit mehr begleiten und nicht alleine lassen, wäre die phsyche junder heranwachsender auch nicht so gestört wie sie es heutzutage mal mehr mal weniger bei vielen ist. sicherlich gibt es ausnahmen nur diese fangen die auswirkung der masse nicht auf.
schade eigentlich das es keine rituale keine weisheiten und keinen zuspruch mehr durch die erfahrenden menschen gibt sondern ein junger mensch sich diese irgendwie selber beschaffen muss.
hmpff (19.04.2007, 13:02 Uhr)
Echt Scheiße
wie das jetzt auch noch breit getreten wird. Wer weiß, wie viele Kranke jetzt schon danach geiern, auch mal so "berühmt" zu werden.
Wie es geht, sieht man ja.
Ginnungagap (19.04.2007, 12:59 Uhr)
Basti,
wenn jemand so etwas vorhat, geht er in einen Schützenclub oder fährt bis kurz hinter die Polnische Grenze.
Die absurde Argumentation der "Waffennarren", dass es nämlich nicht so viele Tote gegeben hätte, wenn einer zurückgeschossen hätte ist leider berechtigt.
Man sollte lieber über die Verteilung des Wohlstands neu nachdenken. Nicht trotz Milliardengewinne die Menschen auf die Straße setzen.
Naja was rede ich, der Kapitalismus, hat den Protestentismus direkt abgelöst. Er wird zwar nicht religiös praktiziert, hat aber dennoch einen Kultstatus. Seine Priester haben den Sinn für Menschlichkeit genauso verloren wie Cho.
Das System ist krank und immer wenn ich höre: "der Sozialismus hat versagt", dann denke ich, dass das Ende des Kapitalismus eine blutige Schlacht wird, die alles was gewesen wird in den Schatten stellt.
Schau euch doch an wie die meisten Immigrantenkinder dastehen. Sie stehen Schlange um ausgebeutet zu werden, wenn mal ein Crapjob frei wird. Es wird bald schon hier so abgehen, wie in den Vorstädten von Paris oder wie in den Linienbussen von London.
Ist hier überhaupt einer nach 1980 geboren??
Kathrein (19.04.2007, 12:41 Uhr)
Wie Jesus sterben.......
im Kampf gegen die Reichen. Das ist ja wohl der Gipfel des Zumutbaren. Soweit uns die Geschichte lehrt, ist Jesus zwar elendig gestorben, hat aber keine 30 Menschen mit in den Tod genommen. Was auch immer den Südkoreaner zu diesem Massaker getrieben hat ist wohl mit gesundem Menschenverstand nicht messbar. Ganz schlimm finde ich auch die anschließenden Trittbrettfahrer. Was versprechen die sich eigentlich davon. Auffallen bis zum Abwinken, oder was?
Der_Basti (19.04.2007, 12:27 Uhr)
@ 042020
Du hättest mal richtig meinen Kommentar lesen sollen, ich neinte nicht, dass man ihn hätte einsperren sollen. Das hab ich nie behauptet. Ich meinte, dass man einem Menschen mit dieser Vorgeschichte und so einem Charakter keine Waffe verkaufen kann.
In Deutschland ist das doch auch machbar.
042020 (19.04.2007, 12:10 Uhr)
der basti
Armutsstempel ?
du musst verstehen das man doch niemand verhaften kann nur weil er
grausame gedanken hat ? schon mal in
einer narren anstalt war etc.
man mus hier beweis habe, verdacht reicht nicht aus. das ist uberall so
auch in "D" wo bestimmt 80 von den
84 millionen an grossenwahnsinn
leiden ?
nun weil du nicht sher gut uber die US denkst, must du ja auch verhafted werden.
denkl mal uber das alles nach.
Amerikaner und stolz darauf.
Tim2007 (19.04.2007, 11:11 Uhr)
"Killerspiele"??
In D wird doch schon wieder gleich auf die "Killerspiele" rumgeritten vom profilierungssüchtigen Prof. Pfeiffer:
http://www.golem.de/0704/51761.html
In den USA hat die Washington Post im letzten Moment einen Rückzieher gemacht und einen Online-Artikel nun doch nicht gedruckt. Wahrscheinlich will man seinen Lesern nicht zumuten an etwas anderes als an Gut/Böse zu glauben. In folgendem interessanten Kommentar steht, warum der Fall nicht mit Computerspielen in Verbindung gebracht werden sollte:
[http://arstechnica.com/news.ars/post/20070418-media-looks-for-nonexisting-link-to-gaming-in-vt-massacre.html]
mfg,
Tim
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