Falscher Bischof schmuggelt sich in Vatikan ein

4. März 2013, 16:31 Uhr

Aufregung beim Vorkonklave: Ein Mann gab sich als Bischof aus und mischte sich unter die Kardinäle. Der falsche Purpurträger aus Deutschland fiel jedoch schnell auf. Seine Accessoires verrieten ihn.

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Der falsche Bischof darf zumindest Hände schütteln. Aber Hut statt Kappe und sein recht junges Alter entlarven den Mann als schlechte Kopie eines Bischofs.©

Ein falscher Bischof hat sich am Montag für einige Zeit auf dem Vatikan-Gelände unter die Kardinäle gemischt, die dort zur Vorbereitung der Papst-Wahl eintrafen. Der Mann, bei dem es sich um den Berliner Ralph Napierski handelt, trug einen zu kurzen Talar, eine unübliche Kette mit Kruzifix und statt der Schärpe einen violetten Schal, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Demnach fiel der Mann, der sich als Bischof ausgab, schließlich auf dem Platz vor dem Tagungsort unter den mehr als 100 Kardinälen auf. Er wurde daraufhin unter dem Gelächter wartender Journalisten des Vatikan-Geländes verwiesen.

Zu den Pressevertretern sagte er, er heiße Basilius. Er schüttelte mehreren Kardinälen die Hände und sagte ihnen, dass sie einen Fehler begangenen hätten, als sie Kardinal Keith O'Brien auf Grund der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn zum Rücktritt bewegten. Es war nicht das erste Mal, dass Napierski die katholische Kirche ärgerte.

Falscher Bischof ist kein Unbekannter

Ralph Napierski gibt an, den Bischofstitel tatsächlich zu tragen - jedoch nicht den der römisch-katholischen Kirche, sondern einer Teilkirche. Mit dieser Behauptung irritiert er seit einigen Jahren die katholische Kirche in Deutschland. 2010 warnte die Deutsche Bischofskonferenz vor dem Mann, da er für Projekte warb und dabei den Eindruck erweckte, die Unterstützung der Bischofskonferenz zu haben. Jahre zuvor hatte Napierski versucht, von Ebay ein Beraterhonorar zu erhalten, nachdem er mit mehreren Identitäten Schein-Auktionen durchgeführt hatte und somit eine Sicherheitslücke entdeckt habe.

Die deutschen Kardinäle fehlen noch

Im Vatikan haben sich unterdessen 142 echte Kardinäle aus aller Welt versammelt. Hinter verschlossenen Türen werden sie sich austauschen und über den Beginn der Papst-Wahl beraten. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet, wenn alle 115 Wahlberechtigten in Rom eingetroffen sind. Zwölf Kardinäle mit Stimmrecht fehlten am Nachmittag noch, darunter auch die Deutschen Joachim Meisner, Karl Lehmann und Rainer Maria Woelki, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte.

Am ersten Tag der Generalkongregation habe eine sehr sachliche und konstruktive Atmosphäre geherrscht, sagte Lombardi. Die Kardinäle wollten aktiv an dieser wichtigen Zeit und der Wahl des neuen Papstes mitwirken. In den nächsten Stunden und Tagen wurden in Rom weitere Kardinäle erwartet. Am Morgen hatte sich das Kardinalskollegium entschieden, dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. einen Brief zu schreiben. Was darin stehen sollte, wurde zunächst nicht bekannt.

Erst reden, dann wählen

Die 207 Kardinäle der katholischen Kirche waren nach Benedikts Rücktritt aufgefordert worden, sich im Vatikan zu versammeln. Neben den Vorbereitungen auf das Konklave wollen sie auch über die Probleme der Kirche diskutieren und sich besser kennenlernen, um dann über den neuen Pontifex abstimmen zu können. Wann das Konklave beginnt, soll im Laufe der Woche entschieden werden. Die Wahl muss spätestens zwischen dem 15. und 20. März starten. Sie kann aber vorgezogen werden, wenn die Kardinäle dies mehrheitlich wollen und alle Wahlberechtigten in Rom sind.

An der Wahl werden nach letztem Stand 115 Kardinäle teilnehmen, die jünger als 80 Jahre sind. Der Vatikan hofft, noch vor Ostern ein neues Oberhaupt präsentieren zu können. Nach Benedikts Rücktritt läuft seit Donnerstagabend die Zeit der Sedisvakanz.

Stimmen für nicht-europäischen Papst mehren sich

Einen klaren Favoriten für die Nachfolge auf dem Stuhl Petri gibt es nicht. Unter den italienischen Kandidaten wird immer wieder der Mailänder Erzbischof Angelo Scola genannt. Es mehren sich jedoch die Stimmen auch aus dem Kreis der Kardinäle, die sich für einen neuen Papst aus Asien, Afrika oder Lateinamerika aussprechen.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, plädierte für einen Papst, der nicht aus Europa kommt. "Ich kann mir sehr gut einen Papst aus einem anderen Kontinent vorstellen. Die Zeit dafür wäre reif", sagte der Freiburger Erzbischof. "Wenn nicht jetzt, dann mit Sicherheit bei der darauffolgenden Wahl. Es wird im Laufe der Jahre definitiv einen außereuropäischen Papst geben." Der Kirche würde dies gut tun, betonte Zollitsch.

Nicht am Konklave teilnehmen wird der wegen "unangemessenen" Verhaltens zurückgetretene Erzbischof von Edinburgh, Kardinal Keith O'Brien. Drei Priester hatten ihm vorgeworfen, ihnen in den 1980er Jahren "unangemessen" nahegekommen zu sein. O'Brien räumte am Sonntag Fehler im Umgang mit Priestern ein und bat um Vergebung.

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