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Schuss ins Blaue

Der US-Bundesstaat Iowa stellt jetzt auch Blinden Waffenscheine aus und begründet das mit einem Antidiskriminierungsgesetz. Die Entscheidung stößt selbst im waffenvernarrten Amerika auf Kritik.

Von Alexander Sturm

  Waffenhandel in den USA: Der Bundesstaat Iowa sieht keinen Weg, Blinden Waffenscheine vorzuenthalten.

Waffenhandel in den USA: Der Bundesstaat Iowa sieht keinen Weg, Blinden Waffenscheine vorzuenthalten.

  • Alexander Sturm

Bis im waffenverrückten Amerika am Recht auf Schusswaffen gerüttelt wird, muss für gewöhnlich ziemlich viel zusammen kommen. Einmal mehr offenkundig wird das im US-Bundesstaat Iowa, wo Behörden nun auch Blinden Waffenscheine ausstellen und ihnen damit erlauben, in der Öffentlichkeit Waffen zu führen. Sie führen landesweit gültige Gesetze an, denenzufolge es verboten sei, Bürgern das Recht auf Waffen zu verwehren - selbst wenn die nicht mehr sehen, geschweige denn genau zielen können.

"Es hört sich etwas seltsam an, aber so wie sich die Gesetze lesen, können wir keinem Blinden die Erlaubnis nur aus diesem Grund verweigern", sagte eine Sprecherin des Sherif Departments von Polk County der Tageszeitung "US Today". Der Bezirk habe in mindestens drei Fällen Waffenscheine für Sehbehinderte ausgestellt, die nicht mehr Auto fahren dürften und nur mit Schwierigkeiten oder gar nicht die Gebrauchsanweisung für die Waffen hätten lesen können. Und Jane Hudson, Chefin der Initiative "Disability Rights Iowa" bekräftigt: "Das Bundesrecht verbietet jegliche Diskriminierung wegen Behinderungen."

Blindenverband wehrt sich gegen Verbote

Privater Waffenbesitz und selbst die Erlaubnis zum Jagen für Menschen mit Sehbehinderung ist in Iowa nichts Neues. Doch das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit wurde ihnen erst mit neuen Waffengesetzen möglich, die laut "US Today" 2011 in Kraft traten. Selbst im waffenvernarrten Amerika gibt es nun Kritik an der Regelung - selbst von solchen, die sich für Sehbehinderte einsetzen. Patrick Clancy, der eine Schule für Blinde leitet, sagt: Waffen seien eine der seltenen Ausnahmen in seiner Philosophie, wonach Sehbehinderte vollständig am Leben teilnehmen könnten. Zuspruch bekommt er von Vertretern der Polizei, die sich um die öffentliche Sicherheit sorgen. "Ich bin kein Experte, was Sehkraft anbelangt und weiß nicht, ab welchem Ausmaß Behinderungen den Waffengebrauch beeinträchtigen", sagt Jon LeClere, Sheriff im Delaware County "US Today". "Aber wenn man nur noch eine verschwommene Masse sieht, dann glaube ich, sollte man auf gar nichts mehr schießen."

"Wenn Sheriffe ihre Zeit dafür einsetzen würden, Waffen von Kriminellen fernzuhalten anstatt von Menschen mit Behinderungen, wären sie effizienter", hält dem Sheriff Warren Wethington entgegen. Er hat eine 21-jährige blinde Tochter, der er das Schießen mit halbautomatischen Gewehren beibringt - auf seinem Privatgrundstück im dünn besiedelten Cedar County. Auch die "National Federation of the Blind", die Interessenvertretung der Sehbehinderten in den USA, wehrt sich gegen Verbote. "Wahrscheinlich haben Blinde ebenso viel Verstand, eine Waffen nicht in solchen Situationen zu gebrauchen, in denen sie andere Bürger in Gefahr bringen könnten", sagte eine Verbandssprecher "US Today".

Ein Kurs im Internet genügt

Mit der Erlaubnis für Blinde geht Iowa laxer mit Bundesgesetzen zum Waffengebrauch um als andere Staaten. So schließe der "Federal Gun Act" aus dem Jahr 1968 Blinde nicht vom Waffenbesitz aus, schreibt die "US Today", doch viele Staaten hätten Gesetze geschaffen, um die Bedingungen für Sehbehinderte direkt oder indirekt zu regeln. In Nebraska etwa müsse ein Nachweis der Sehkraft in Form eines Führerscheins oder durch ein Attest eines Augenarztes vorgelegt werden. Auch South Carolina verlange eine Bescheinigung über das Sehvermögen, bevor ein Waffenschein ausgestellt werde. Und Missouri oder Minnesota forderten zwar keine speziellen Dokumente, allerdings müsse dort jeder Bewerber eine Schussprüfung bestehen, um sein Zielvermögen zu beweisen.

In Iowa sei zwar jeder Waffenträger verpflichtet, ein Training zu absolvieren. Doch dafür genüge ein Online-Kurs - ohne Schusstest und ohne jegliche praktische Einweisung.

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