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Die Welt des Rudolf Steiner

Waldorfschulen, Misteltherapie oder biologisch-dynamische Landwirtschaft: Rudolf Steiner ist 150 Jahre nach seiner Geburt weiter relevant. Damals wie heute spaltet er die Gesellschaft. stern.de

Philosoph, Pädagoge, Naturwissenschaftler - der umtriebige und umstrittene Reformer Rudolf Steiner (1861-1925) hatte viel Facetten. Er war Ideengeber für Architektur, Malerei, Medizin, Tanz, Landwirtschaft und Gesellschaft. Viele Begriffe, die man mit Steiner verbindet, lassen sich nicht in einem Satz erklären.

Was versteht man unter Anthroposophie?

Anthroposophie heißt - wörtlich übersetzt - die "Weisheit vom Menschen". Sie ist Steiners Weltanschauung und lehrt den Weg zur Selbsterkenntnis und zur Erkenntnis der übersinnlichen Welt. Unterschieden wird dabei zwischen dem physischen Leib", dem "Ätherleib", dem "Astralleib" und dem "Ich". Die Erlösung erreicht der Mensch am Ende einer Reihe von Wiedergeburten, nachdem er sich zunehmend als seelisch-geistiges Wesen entwickelt hat. Kritiker sehen in der Anthroposophie eine unwissenschaftliche Vermischung christlicher und esoterisch-gnostischer Ideen. Steiner lehrte auch den Unterschied zwischen niederen und höheren menschlichen Rassen, was ihm den Vorwurf des Rassismus einbrachte.

Was ist Eurythmie?

Eine Art expressive Bewegungskunst mit eigenem Regelsystem und Ausdrucksvokabular. Das Ganze erinnert ein wenig an Ballett, wurzelt in Steiners Anthroposophie und will den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit erfassen. Eurythmie will die "verborgenen Seelenkräfte" zum Wirken bringen. An Waldorfschulen ist Eurythmie ein reguläres Pflichtfach. Die der Eurythmie eigene Sprache soll aber auch ohne theoretische Vorkenntnisse verstanden werden können.

Was wollen Waldorfschulen?

Die aktuell 208 Waldorfschulen in Deutschland haben ihren Namen von der ehemaligen Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart. Deren Besitzer Emil Molt wollte den Kindern seiner Arbeiter eine Allgemeinbildung ermöglichen; daher gründete er 1919 die erste Waldorfschule und übergab Steiner die Leitung. Unterrichtet wird auch heute noch nach seinem ganzheitlichen Erziehungskonzept. Danach sollen die individuellen körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten gleichermaßen gefördert werden. Noten und Sitzenbleiben gibt es nicht. In der Regelschulzeit von zwölf Jahren können Hauptschulabschluss und Mittlere Reife erworben werden. Das Abitur kann im 13. Jahr vor staatlichen Prüfern abgelegt werden.

DPA/DPA

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