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Tepco vertuscht wie eh und je

Drei Jahre nach dem GAU von Fukushima vertuscht, verheimlicht und verleugnet der Pannenkonzern Tepco wie zu Beginn der Atomkatastrophe. Das macht mich richtig wütend.

Von Janis Vougioukas, Shanghai

  Tepco-Mitarbeiter inspizieren in Schutzkleidung Tanks, in denen radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Atomruine von Fukushima gelagert wird

Tepco-Mitarbeiter inspizieren in Schutzkleidung Tanks, in denen radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Atomruine von Fukushima gelagert wird

Noch nie hatte ich so viel Angst wie in jener Märzwoche vor genau drei Jahren. Einen Tag nach dem Tsunami landete ich in Japan und fuhr Richtung Fukushima. In einem Baumarkt kaufte ich eine Atemmaske. Ansonsten war ich völlig unvorbereitet – schließlich war ich gekommen, um über eine Naturkatastrophe zu berichten. Dabei entfaltete sich gerade eine Atomkatastrophe. Die ganze Welt verfolgte entsetzt, was im havarierten Reaktor Fukushima Daiichi geschah.

Es war Japans Tschernobyl-Moment – dabei galt das Land doch gerade wegen seiner Effizienz und seiner technischen Leistungsfähigkeit als bewundernswert. Die japanische Atomindustrie verdiente diese Anerkennung nicht. Die Betreiberfirma Tepco hatte Milliarden mit ihrem Atomkraftwerk eingenommen. Dennoch versagten Sicherheitsstandards und Notfallprogramme. Als die Atomkatastrophe unausweichlich schien, schickte die Reaktorleitung allen Ernstes ein Fax an die Unternehmenszentrale in Tokio. Ein Fax! Die Tepco-Manager waren überfordert, eingeschüchtert, planlos.

Richtig wütend macht mich, dass sich seitdem wenig geändert hat. Drei Jahre später werden fast jeden Monat neue Pannen bekannt. Es sind inzwischen so viele kleine GAUs, dass Meldungen darüber in den Zeitungen kaum noch auffallen. Und der Konzern, der sein Land in eine der tiefsten Krisen der Nachkriegszeit gestürzt hat, vertuscht, verheimlicht und verleugnet wie zu Beginn der Katastrophe.

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