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25. Dezember 2009, 08:30 Uhr

Verwirrte Frau fällt Papst Benedikt an

Schrecksekunde im Petersdom: Beim Einzug zur Christmette hat eine Frau den Papst angegriffen und zu Fall gebracht. Benedikt blieb unverletzt. Die Frau hatte schon einmal versucht, zu ihm vorzudringen.

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Angriff auf den Papst: Das Bild aus einem Amateurvideo zeigt, wie die Frau über die Absprerrung springt© AP

Papst Benedikt XVI. ist vor der traditionellen Christmette am Heiligen Abend im Petersdom von einer offenbar geistig verwirrten Frau angegriffen worden. Das Oberhaupt der katholischen Kirche stürzte in dem Getümmel zu Boden, blieb aber unverletzt, wie Vatikansprecher Ciro Benedettini am Donnerstagabend mitteilte. Leibwächter konnten die Frau überwältigen.

Der Fernsehsender Sky News brachte später Videoaufnahmen eines Gläubigen von dem Zwischenfall. Sie zeigen, wie eine Frau mit roter Kapuzenjacke die Absperrung zum Mittelgang überspringt und auf den Papst zustürzt. Trotz der raschen Reaktion eines Sicherheitsbeamten bekommt sie den Papst am Kragen zu fassen und zieht ihn zu sich. Benedikt stürzt zu Boden. Er verliert seine Mitra und seinen Bischofsstab, kann sich mit Unterstützung jedoch rasch wieder aufrichten und die Prozession zum Altar fortsetzen.

Obwohl er mehrere Meter entfernt war, stürzte auch der prominente französische Kardinal Roger Etchegaray. Nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi brach sich der 87-Jährige ein Bein und musste ins Krankenhaus.

Nicht der erste Angriffsversuch der Frau

Die offenbar geistig verwirrte Frau wurde von der Vatikan-Polizei festgenommen und verhört. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, sagte sie aus, sie habe den Papst lediglich umarmen wollen. Laut Vatikansprecher Lombardi hatte die Frau bereits vor einem Jahr vergeblich versucht, während der Christmette die Absperrungen zu durchbrechen, um zum Papst zu gelangen. Die Sicherheitsbeamten betrachteten die Episode damals als unerheblich. Es geschieht öfters, dass Gläubige während der Messen und Auftritte versuchen, Sperren zu überwinden, um sich Benedikt nähern zu können.

Nach dem Angriff begleiteten Personenschützer den Papst zum Altar. Der 82-Jährige wirkte erschüttert und musste sich bei Gehilfen abstützen. Benedikt erwähnte den Zwischenfall zu Beginn seiner Messe aber nicht. Er eröffnete sie mit den traditionellen Worten "Pax vobis" ("Friede sei mit Euch").

"Nur die Waffen der Wahrheit und der Liebe benutzen"

In seiner Predigt rief Benedikt die Menschen dazu auf, den Egoismus zu überwinden und Gott höchste Priorität einzuräumen. "Der Streit in der Welt, die Unversöhnlichkeit miteinander rührt daher, dass wir eingeschlossen sind in die eigenen Interessen und Meinungen", erklärte er im dicht besetzten Petersdom. Der Mensch könne Gott ähnlich werden, aber nur, wenn er Demut und so die wahre Größe lerne. Es gehe darum, der Gewalt zu entsagen "und nur die Waffen der Wahrheit und der Liebe zu benutzen", fügte Benedikt an.

Die meisten Menschen wohnten aber weit weg von Jesus Christus, dem Menschgewordenen, beklagte der Papst. "Wir leben in Philosophien, in Geschäften und Arbeiten, die uns ganz ausfüllen und von denen aus der Weg zur Krippe weit ist", erläuterte er. In der Liste der Prioritäten stehe Gott also häufig so ziemlich an letzter Stelle, obwohl doch das Evangelium sage, dass er höchsten Vorrang habe: "Wenn irgendetwas in unserem Leben Eile ohne Aufschub verdient, dann doch allein die Sache Gottes." Das aber erscheine den meisten Menschen nicht vordringlich.

Auf dem Petersplatz vor der Basilika verfolgten Tausende Menschen die Weihnachtsmesse zur Geburt Jesu bei Regenwetter und starkem Scirocco-Wind auf Videoleinwänden. Zuvor wurde auf dem Petersplatz die traditionelle Krippe enthüllt. Die Messe zwei Stunden vor Mitternacht wurde von zahllosen TV- und Radio-Sendern weltweit meist live gezeigt. Sie war in diesem Jahr früher als sonst angesetzt. Der Grund war ausgerechnet mehr Ruhe: Der 82-jährige Papst sollte sich vor der Weihnachtsbotschaft und dem Segen "Urbi et Orbi" am Freitag noch etwas erholen können.

dre/APD/AFP/DPA/Reuters/
 
 
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