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Fischer Salvador Alvarenga und die Schattenseite des Ruhms

438 Tage trieb Salvador Alvarenga auf dem Pazifik, ehe er gerettet wurde. Sein Fischerkollege starb während der Odyssee. Dessen Brüder werfen Alvarenga Kannibalismus vor und wollen Geld sehen. Und nicht nur sie.

Von Jan Christoph Wiechmann

José Salvador Alvarenga

José Salvador Alvarenga galt mehr als 14 Monate als verschollen. Nach 438 Tagen wurde er gerettet (links). Dem stern berichtete er von seiner Odyssee 

Salvador Alvarenga sah die Angriffe auf seine Person kommen. Er hatte schon so einige Versuche erlebt - in Mexiko, in El Salvador, auch in den USA. "Die Menschen glauben, dass meine Überlebensgeschichte mich reich gemacht hat, also wollen sie etwas abhaben."

Die neuesten Angriffe kommen von den Angehörigen seines verstorbenen Fischerkollegen Ezequiel Córdoba. Alvarenga, so behaupten sie, habe Córdoba während der gemeinsamen Odyssee verspeist. Er sei ein Kannibale. Córdobas Angehörige wollen Geld, angeblich eine Million Dollar. Als eine Art Wiedergutmachung. Aber auch als Anteil an der sagenhaften Geschichte.

Córdobas Mutter glaubt Alvarenga, die Brüder nicht

Alvarenga sagte gegenüber dem stern, er habe sich schon vor einiger Zeit mit Córdobas Mutter getroffen und ausgesprochen: "Ich fuhr nach Mexiko. Sprach zwei Stunden mit ihr. Sie glaubt mir, dass ich ihren Sohn nicht getötet habe. Aber die Brüder glauben mir nicht. Sie wollen Geld."

Zu den Vorwürfen des Kannibalismus sagte er: „Lieber würde ich sterben.“ Einmal sei das Thema auf hoher See tatsächlich hochgekommen. „Córdoba fragte mich: Wirst du mich essen? Ich sagte im Scherz: An Dir ist nichts dran.“

Seit Alvarengas Rettung nach einer 13 monatigen Odyssee auf dem Pazifik, sah sich der Fischer aus El Salvador regelmäßig Angriffen ausgesetzt. Zunächst glaubten viele Menschen seiner schier unglaublichen Geschichte nicht. Wie könne jemand mehr als 13 Monate in einem kleinen Boot allein auf dem Pazifik überleben - ohne jede Vorräte? Und warum überlebte sein 20-jähriger Kumpan Córdoba dann nicht? Alvarengas Begründung: Er habe von Vögeln, Schildkröten und Fischen gelebt. Córdoba dagegen habe nicht denselben Überlebenswillen gehabt. Er sei nach wenigen Wochen depressiv geworden. Er habe Essen verweigert und sei schließlich verhungert.

"Muss damit leben, dass andere meine Geschichte ausschlachten wollen"

Als nächstes griff ihn sein eigener Anwalt an. Alvarenga habe sich nicht an Absprachen gehalten, behauptete der Mann. Er verklagte seinen Mandanten auf eine Million Dollar. "Das hat mich schwer belastet", sagt Alvarenga, "aber ich muss damit leben, dass andere meine Geschichte ausschlachten wollen. Jetzt habe ich einen Anwalt in den USA."

Zurück in seiner Heimat El Salvador wurde Alvarenga als Held empfangen - einer von ganz wenigen in dem von Bandenkriegen zermürbtem Land. Gleichzeitig aber wollten Leute ihren Anteil am Ruhm, sie baten ihn um Geld, wollten etwas Hilfe für den Hauskauf, für Reparaturen, Essen, Partys, wenigstens einige Drinks umsonst.

Reichtum ist nicht Alvarengas Ziel

"Dabei habe ich noch nicht viel bekommen", sagt Alvarenga. Erst einmal müsse sich sein Buch verkaufen, es ist erst seit wenigen Wochen auf dem Markt. Die Filmrechte seien auch noch nicht veräußert. Reich werde er damit nicht, so glaubt er. Das sei auch nicht sein Ziel. Er möchte den Menschen schlicht vermitteln, wie man auch unter widrigsten Umständen überleben kann.

Den Ruhm in seinem Heimatort Garita Palmera habe er durchaus genossen. Die Frauen flogen auf ihn. Die Kirchen wollten ihn als Prediger. Aber irgendwann wurde ihm alles zu viel. Am liebsten hätte Alvarenga nun seine Ruhe. Er sagt: "Ich will nur mein einfaches Leben zurück. Ein Häuschen. Eine Familie. Ein kleines Geschäft, Werkzeugverkauf oder so. Nur zur See fahren werde ich nie mehr."


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