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Die Verbindung zwischen den drei Bluttaten von Paris

Nach der Erleichterung über das Ende von drei Tagen Terror kommen weitere Hintergründe über die Gräueltaten ans Licht. Offenbar stehen die Anschläge miteinander in Verbindung - die Täter kannten sich.

  Die Brüder Said Kouachi und Cherif Kouachi (l., 2.vl.) werden für das Massaker in der Redaktion von Charly Hebdo verantwortlich gemacht. Geiselnehmer Amedy Coulibaly (2.v.r) starb beim Zugriff im Supermarkt. Nach seiner mutmaßlichen Komplizin Hayat Boumeddiene (r.) wird weiter gesucht.

Die Brüder Said Kouachi und Cherif Kouachi (l., 2.vl.) werden für das Massaker in der Redaktion von Charly Hebdo verantwortlich gemacht. Geiselnehmer Amedy Coulibaly (2.v.r) starb beim Zugriff im Supermarkt. Nach seiner mutmaßlichen Komplizin Hayat Boumeddiene (r.) wird weiter gesucht.

Der Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten, die tödliche Attacke auf eine Polizistin südlich von Paris und die blutige Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in der französischen Hauptstadt - zwischen den drei Bluttaten im Großraum Paris binnen drei Tagen gibt es offenbar einen Zusammenhang. Denn einer der mutmaßlichen "Charlie Hebdo"-Attentäter kannte laut Ermittlern den Mann, der für den Mord an der Polizistin und die Geiselnahme verantwortlich gemacht wird.

Alle drei Attentäter sind tot

Bei den Polizeieinsätzen wurden nach Angaben aus Ermittlerkreisen alle drei mutmaßlichen Attentäter getötet: die beiden mutmaßlichen "Charlie Hebdo"-Attentäter Chérif Kouachi und sein Bruder Said starben demnach beim Zugriff in dem Ort Dammartin-en-Goële nordöstlich von Paris.

Der 32-Jährige Amedy Coulibaly, der wegen der tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Montrouge südlich von Paris gesucht wurde und später in einem jüdischen Supermarkt an der Porte de Vincennes Geiseln nahm, starb ebenfalls bei einem Polizeieinsatz.

Ein Tag des Terrors in Frankreich
Täter angeblich von Al Kaida und IS beauftragt

Rund 53 Stunden lang befand sich Frankreich im Ausnahmezustand. Am Freitagnachmittag fand die Jagd nach den islamistischen Attentätern ein blutiges Ende. Die Chronologie des Dramas im Rückblick.

Nach Angaben eines Ermittlers kannte Coulibaly den ebenfalls 32-jährigen Chérif Kouachi. Kouachi soll gemeinsam mit seinem Bruder Said beim Angriff auf die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" zwölf Menschen erschossen haben.

Täter lernten sich im Gefängnis kennen

Chérif Kouachi und der Wiederholungstäter Coulibaly lernten sich vor mehreren Jahren im Gefängnis kennen. Beide sollen später an Plänen beteiligt gewesen sein, den inhaftierten Islamisten Smaïn Aït Ali Belkacem aus dem Gefängnis zu befreien. In dieser Sache wurde Coulibaly Ende 2013 zu einer Haftstrafe verurteilt, die Ermittlungen gegen Kouachi wurden dagegen eingestellt.

Beide besuchten 2010 mindestens ein Mal einen weiteren bekannten Islamisten, Djamel Beghal, der zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest stand. Beghal wurde im Dezember in einem Berufungsverfahren zu zehn Jahren Haft verurteilt - wegen der Befreiungspläne für Belkacem. Wegen der tödlichen Schüsse auf die Polizistin in Montrouge wird zudem die 26-jährige Hayat Boumeddiene von der Polizei gesucht. Sie ist oder war Coulibalys Lebensgefährtin.

Offenbar enge Absprachen zwischen den Tätern

Nach Angaben des französischen Fernsehsenders BFM haben sich die drei Männer bei ihren Taten eng abgestimmt. Der Sender strahlte am Freitagabend Originaltöne von Telefongesprächen aus, die Reporter vor den Zugriffen der Polizei mit den Terroristen geführt hatten. In einem Gespräch bestätigte Coulibaly, er habe sich mit den Brüdern Chérif und Said Kouachi abgesprochen.

Die beiden sollten das Satireblatt "Charlie Hebdo" angreifen, und er wollte Polizisten ins Visier nehmen. Er behauptete, er habe Instruktionen der Terrormiliz Islamischer Staat bekommen.

Chérif Kouachi hingegen sagte in dem Telefongespräch, er sei von al Kaida im Jemen missioniert worden. Finanziert worden sei er von Anwar al-Awlaki. Der jemenitische Terrorist mit US-Pass, war jahrelang Vordenker des Terrornetzwerkes al Kaida auf der arabischen Halbinsel und wurde im September 2011 im Jemen getötet.

yps/AFP/AFP
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