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Sie machen Selfies und merken nicht, dass der Delfin stirbt

Weil sie lieber noch mehr gemeinsame Fotos schießen, als den Delfin wieder ins Meer zu geben, verstirbt ein Jungtier in Argentinien noch am Strand. Tierschützer zeigen sich schockiert - und appellieren an die Vernunft der Bevölkerung.

Menschengruppe hält Baby-Delfin an Land in die Luft - Tier stirbt

Tödlicher Selfiewahn: Der Baby-Delfin verstarb vermutlich an Dehydrierung, nachdem ihn die Strandgäste mehrfach rumgereicht hatten

2016 ist noch jung, trotzdem hat eine Gruppe Strandbesucher schon jetzt beste Chancen auf den Titel "Dümmstes Selfie des Jahres". Den gesunden Menschenverstand zumindest hatten die Gäste des Badeorts Santa Teresita im Osten Argentiniens vergangene Woche offensichtlich längere Zeit ausgeschaltet. Anders lässt es sich nicht erklären, warum die Urlauber lieber reihenweise Selfies mit einem gestrandeten Delfin-Baby knippsten, anstatt es zurück ins Meer zu lassen. Für das kleine Säugetier war dies das Todesurteil: Es verstarb noch am Strand aufgrund starker Dehydrierung, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten.

Auf den Aufnahmen von Hernan Coria, der den Vorfall mit seiner Kamera festhielt und später auf Facebook postete, ist zu sehen, wie die Menschenmenge den kleinen La-Plata-Delfin, in seiner Heimat auch als Franciscana bezeichnet, rumreicht und viele versuchen, ihn zu streicheln. Dass der Meeresbewohner zu diesem Zeitpunkt längst um sein Leben kämpft, scheint niemand zu bemerken - stattdessen wird weiter gelacht und das Tier wie eine Art Trophäe für weitere Selfies weitergegeben.

Segundo delfín que aparece en el día en Santa Teresita una lastima no creo que vivan 󾌣

Posted by Hernan Coria on Mittwoch, 10. Februar 2016


Delfinart vom Aussterben bedroht

Die Tierschutzorganisation "Fundación Vida Silvestre Argentina" sah sich nach dem tödlichen Vorfall jedenfalls gezwungen, die Bevölkerung via Twitter daran zu erinnern, dass es sich bei den Franciscana um eine stark vom Aussterben bedrohte Tierart handelt. Tatsächlich soll es laut Angaben der "International Union for Conversation of Nature (ICUN)" nur noch rund 30.000 Exemplare der vornehmlich an der Atlantikküste Südamerikas lebenden Zahnwalart geben.


"Die Franciscanas, wie andere Spezies auch, können nicht lange außerhalb des Wassers überstehen, weil sie eine dicke, fettreiche Haut haben, die ihre Körpertemperatur reguliert", schreiben die Tierschützer in ihrem Appell. "Nimmt man sie aus dem Wasser, dehydrieren sie schnell und sterben."

Für den kleinen Delfin von Santa Teresita kamen die mahnenden Worte leider zu spät.

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