Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Radioaktives Wasser sickert ins Meer

Im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist ein Schacht leck geschlagen, aus dem stark radioaktiv verseuchtes Wasser direkt in den Pazifik fließt. Die Strahlung des in dem Schacht befindlichen Wassers beträgt 1000 Millisievert pro Stunde - Lebensgefahr.

In einer Reaktorwand des havarierten Atomkraftwerks Fukushima klafft ein 20 Zentimeter langer Riss, aus dem radioaktives Wasser ins Meer sickert. Dort wurde eine Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde gemessen, wie der Fernsehsender NHK unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco meldete.

Demnach befindet sich der Riss in der Wand einer zwei Meter tiefen Grube für Stromkabel unter Block 2. Darin stand das Wasser laut Tepco 10 bis 20 Zentimeter hoch. Der japanische Energiekonzern wolle das Leck mit Beton dichten, hieß es weiter.

Um das verseuchte Wasser in der Anlage zu beseitigen, soll die Flüssigkeit unter den Turbinengebäuden in einen Tank geleitet werden, meldete die Nachrichtenagentur Jiji Press. Das radioaktive Wasser behindert die Versuche, das Kühlsystem des AKW in Gang zu bringen. An diesem Sonntag sollen zudem Tests zum Besprühen der Anlage mit Harz zur Eindämmung der Strahlen fortgesetzt werden. Das Ergebnis eines ersten Versuchs wird noch geprüft.

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz steigt das Risiko an Krebs zu erkranken um zehn Prozent, wenn man eine Stunde lang mit 1000 Millisievert oder 1 Sievert bestrahlt wird. Greenpeace-Sprecher Karsten Smid bezeichnete die Werte als "lebensbedrohlich". Bei einer mehrstündigen Belastung drohe die Strahlenkrankheit - etwa mit Erbrechen, Übelkeit und Haarausfall als ersten Symptomen.

"Da kann nicht nur Jod drin sein"

Im Moment werde von radioaktivem Jod im Meer berichtet, sagte Smids Greenpeace-Kollege Wolfgang Sadik. "Bei einem Sievert kann aber nicht nur Jod drin sein."Die Umweltorganisation vermutet, dass auch Elemente mit einer längeren Halbwertszeit wie Cäsium oder Plutonium bereits ins Wasser gelangten.

Rund 40 Kilometer von der Atomruine Fukushima entfernt ist die Belastung mit radioaktivem Jod im Meer doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert. Entsprechende Messwerte veröffentlichte das japanische Wissenschaftsministerium am Samstag, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Dafür waren Wasserproben zehn Kilometer vor der Küste nahe der Stadt Iwaki in der Präfektur Fukushima genommen worden.

Greenpeace ist Sadik zufolge zudem beunruhigt, weil nach Angaben aus Japan außerhalb der Reaktoren wohl auch nach Zirkonium gesucht werde. Das Element sei in den Brennelemente-Hüllen enthalten. "Wenn man danach sucht, heißt das, man sucht nach Spuren des geschmolzenen Kerns", sagte der Umweltexperte.

Matsumoto verspricht "größte Transparenz"

Unterdessen reiste Ministerpräsident Naoto Kan drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben mit anschließendem Tsunami mit inzwischen mehr als 11 800 Toten erstmals in das Krisengebiet. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) traf in Tokio zu einem Kurzbesuch ein. Damit will die Bundesregierung ihre Unterstützung für Japan zum Ausdruck bringen.

Westerwelle versprach Hilfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau. "Auch da kann sich Japan auf Deutschland als Partner verlassen", sagte Westerwelle am Samstag nach einem Gespräch mit seinem japanischen Amtskollegen Takeaki Matsumoto in Tokio. Angesichts der Katastrophe mahnte der FDP-Chef neue Anstrengungen bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Unuon an. In diesem Punkt seien Fortschritte "um so dringlicher geworden". Matsumoto versprach der internationalen Gemeinschaft "größte Transparenz" bei der Aufklärung der Reaktorkatastrophe in Fukushima.

san/DPA/Reuters/DPA/Reuters
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools