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Tepco gesteht weitere Kernschmelzen in Reaktoren ein

Wieder teilt der japanische Atomkraftbetreiber Tepco mit, was Experten längst vermuteten. Auch in den Reaktoren zwei und drei des havarierten AKW in Fukushima sei es wahrscheinlich zu einer Kernschmelze gekommen.

Die Informationspolitik des japanischen Atomkraftwerkbetreibers Tepco geriet nach der Katastrophe in Fukushima häufig in Kritik. Und wieder hinkt der Konzern hinterher. Heute räumte Tepco ein, was Experten schon vor Wochen vermuteten: Auch in den Reaktoren zwei und drei sei es zu einer Kernschmelze gekommen. Wie auch in Reaktor eins sei dies "sehr wahrscheinlich", sagte ein Tepco-Sprecher bei der Veröffentlichung neuer Messwerte.

Damit hätte es in drei der insgesamt sechs Reaktorblöcke des AKW Fukushima Daiichi eine Kernschmelze gegeben. "Das ist der Zustand, den die Fachwelt erwartet hat", sagte Hans-Josef Allelein, Leiter des Lehrstuhls für Reaktorsicherheit und -technik der RWTH Aachen. Die Situation werde nun nicht gefährlicher.

Das Kraftwerk Fukushima war am 11. März durch ein schweres Beben und einen anschließenden Tsunami stark beschädigt worden. Das Kühlsystem fiel aus. Seither tritt Radioaktivität aus. Eine Kernschmelze gilt als besonders gefährlich, weil sich die extrem heiße radioaktive Masse durch die Schutzwände des Reaktors oder den Boden fressen kann. Im schlimmsten Fall könnte es zu einer verheerenden Explosion kommen, wenn sie das Grundwasser erreicht.

Bisher war Tepco davon ausgegangen, dass lediglich in Reaktor eins die Brennstäbe größtenteils geschmolzen seien und sich die Masse nun am Boden des Reaktordruckbehälters befinde. Wie der Betreiber weiter mitteilte, dürfte in Reaktor zwei und drei der größte Teil der Brennstäbe bereits 60 bis 100 Stunden nach dem Beben geschmolzen und auf den Boden der Druckbehälter gelaufen sein. Die Temperaturen an den Behältern deuteten aber darauf hin, dass es durch die Einleitung von Wasser gelungen sei, die Schmelzmasse zu kühlen und stabil zu halten, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Unterdessen teilte Industrieminister Banri Kaieda mit, dass die Regierung ein unabhängiges Gremium zur Untersuchung der größten Atomkatastrophe seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl einberufen wird. Der zehnköpfigen Kommission, die noch bis Ende des Monats mit der Arbeit beginnen soll, würden neben Atomexperten auch Juristen angehören. Neben einer Untersuchung der Ursachen für das Fukushima-Desaster sollen es auch um Möglichkeiten gehen, solche Katastrophen in der Zukunft zu verhindern.

liri/AFP/DPA/DPA
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