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Eine Stadt ist sprachlos vor Trauer

Titisee-Neustadt trauert um die 14 Opfer der Brandkatastrophe. Die geschockten Einwohner der Schwarzwaldgemeinde sind traurig und fassungslos - es fällt ihnen schwer, über das Unglück zu sprechen.

Von Frank Brunner, Titisee-Neustadt

  14 Menschen starben bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt - die Einwohner von Titisee-Neustadt sind geschockt

14 Menschen starben bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt - die Einwohner von Titisee-Neustadt sind geschockt

Die ältere Dame, die am Dienstagmorgen in der Kirche der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus in Titisee-Neustadt den Teppich reinigt, kämpft mit den Tränen. "Es ist so schrecklich, dass 14 Menschen sterben mussten, der ganze Ort steht unter Schock. Meine Tochter arbeitet als Erzieherin in der Caritas-Werkstatt; gestern war sie auch vor Ort", erzählt die Frau, bevor sie ihren Staubsauger wieder einschaltet. Jetzt gerade sei ihre Tochter bei einem Treffen der Mitarbeiter, sagt sie noch. Dann versucht sie sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Am Tag nach der Brandkatastrophe in einer Behindertenwerkstatt sind die Menschen in der Schwarzwaldgemeinde fassungslos. Immer wieder kommen Einwohner in die Kirche, zünden Kerzen an oder legen vor dem Altar Blumen nieder. Im Pfarramt gegenüber klingelt pausenlos das Telefon. "Wir planen eine Trauerveranstaltung, genauere Informationen können wir aber erst in einigen Stunden geben", sagt eine Mitarbeiterin und zuckt ratlos mit den Schultern.

In der Innenstadt herrscht nur auf den ersten Blick Normalität. Wer in diesen Stunden durch die Geschäfte im Stadtzentrum läuft, der trifft auf Menschen, die versuchen, das Unfassbare zu akzeptieren. Reden möchte kaum einer von ihnen. "Wir wollen mit unserer Trauer erst mal allein sein", hört man immer wieder.

Die Polizei konnte mittlerweile die Identität der Toten klären. Bei dem Feuer im Dachstuhl des zweistöckigen Hauses starben nach Angaben der Polizeidirektion Freiburg zehn Frauen im Alter von 28 bis 68 Jahren, drei Männer im Alter von 45 bis 68 Jahren und eine 50-jährige Betreuerin. Vor der Werkstatt steht Bürgermeister Armin Hinterseh (CDU). "Wenn ein Mensch stirbt, ist das schrecklich; wenn 14 Menschen sterben, dann ist das eine Tragödie", sagt er zu stern.de. Die meisten Opfer seien von den Feuerwehrleuten bewusstlos im zweiten Stock geborgen worden, sagt Hinterseh. Unter den ersten Helfern vor Ort seien auch viele junge Ehrenamtliche gewesen. Um sie kümmerten sich derzeit Notfallseelsorger. Voraussichtlich am Samstag gebe es einen Trauergottesdient, sagt der 48-jährige Politiker. "Jetzt sind wir im Rathaus erst mal damit beschäftigt, Rettungskräfte und Angehörige zu versorgen."

"Schockiert und betriebt"

Die von der Caritas betreuten Behinderten waren fest in das Gemeindeleben von Titisee-Neustadt eingebunden. "Noch vor wenigen Tagen haben sie in der Werkstatt Weihnachtsschmuck für die Stadt gefertigt", erzählt Hinterseh. Auch für Firmen aus der Umgebung haben die Menschen in der Werkstatt gearbeitet. Nun wird sie erst mal geschlossen bleiben. "Auch aus psychologischen Gründen", wie ein Caritas-Sprecher erklärte. Die Mitarbeiter sollen auf die umliegenden Einrichtungen verteilt werden.

Ein paar Meter neben dem Bürgermeister bewacht ein Polizist die Absperrung um die Unglücksstelle. "Das Haus ist beschlagnahmt und wir passen auf, dass nichts verändert wird", erklärt er. Derzeit untersuchen 36 Beamte den Brandherd. Unklar ist bislang, warum sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte. Nach nur wenigen Minuten verschwindet der Polizist wieder hinter dem Absperrband. Was er im Moment fühle, könne er nicht sagen, sagt er noch.

Dem Wirt im Gasthaus "Sonnenmatte", nur ein paar hundert Meter Luftlinie vom Unglücksort entfernt, geht es ähnlich. Hinter seinem Tresen müht er sich um Sachlichkeit. Seine Kinder hätten den gestrigen Rettungseinsatz verfolgt. Als "schockiert und betrübt", beschreibt er die Stimmung in der Stadt. "Einige wollen sogar den Weihnachtsmarkt absagen", erzählt er.

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