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Japan lässt Welt im Unklaren

Ist im AKW Fukushima der GAU eingetreten? Widersprüchliche Angaben über eine mögliche Kernschmelze verunsichern. Drei Anwohner sind offenbar bereits verstrahlt. Der Tag in der Rückschau.

Dies ist der Ticker, der die Ereignisse in Japan am Tag nach dem Erdbeben und dem Tsunami verfolgte (12. März). Den Ticker zum zweiten Tag nach der Katastrophe finden Sie hier.

+++ 20.45 Uhr: Wohl mehr als 1800 Todesopfer +++

Die Zahl der Todesopfer durch die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe wird inzwischen auf 1800 beziffert. Diese Zahl ergibt sich nach Meldungen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo aus der bisher von der Polizei bestätigten Zahl von 687 Toten und der Zahl der Vermissten. Allerdings wird erwartet, dass die Opferzahlen noch deutlich steigen werden. So gibt es allein in der Ortschaft Minamisanriku in der schwer betroffenen Provinz Miyagi von 9500 Menschen und damit von jedem zweiten Bewohner derzeit kein Lebenszeichen.

+++ 17.35 Uhr: Japaner sprechen von lokalem Störfall +++

Die japanischen Behörden haben die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) offiziell informiert, dass die Strahlendosis am Atomkraftwerk Fukushima den zulässigen Grenzwert überschreitet. Nähere Details nannten sie nicht. Sie stuften die Folgen des Erdbebens im ersten Reaktorgebäude von Fukushima-Eins auf die Stufe 4 der siebenstufigen Ines-Skala für die Beschreibung der Tragweite von Atomzwischenfällen ein. Nach der Definition ist das ein "Atomunfall mit lokalen Konsequenzen". Das bedeutet, dass Radioaktivität ausgetreten ist. Der Wind treibt die radioaktive Wolke derzeit auf den Pazifik hinaus. Stufe 4 schließt eine Kernschmelze ebenso ein wie Strahlentote. Der Atomunfall von Tschernobyl 1986 rangiert bisher als größte Nuklearkatastrophe auf der Ines-Stufe 7.

+++ 16.50 Uhr: Atombehörde wiegelt weiter ab +++

Während das genaue Ausmaß des Atom-Unfalls im Reaktor Fukushima weiterhin unklar ist, ordnet die japanische Atombehörde den Vorfall bereits ein. Sowohl der Zwischenfall im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island im Jahr 1979 als auch der GAU in Tschernobyl 1986 seien schwerer gewesen. Ob diese Einordnung Grund zur Beruhigung ist, bleibt offen.

+++ 16.27 Uhr: EU beruft Sondersitzung zu Nuklearsicherheit ein +++

Wegen der Atomstörfälle nach dem verheerenden Erdbeben in Japan will die EU-Kommission eine Sondersitzung zur Nuklearsicherheit einberufen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger wolle "Anfang der Woche" Vertreter der nationalen Atomaufsichtsbehörden sowie Hersteller und Betreiber von Atomkraftwerken nach Brüssel einladen, teilte die Kommission in Brüssel mit. Bei dem Treffen sollten "die Konsequenzen aus dem Unfall abgeschätzt und Lehren gezogen" werden. "Wenn nötig, werden Vorsorgemaßnahmen ergriffen, um der Lage in Europa Rechnung zu tragen."

+++ 16.16 Uhr: Wucht des Bebens verändert Lauf der Welt +++

Wissenschaftlern zufolge hat das Erdbeben vom Freitag mit seiner Wucht regelrecht den Lauf der Welt verändert. Nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie wurde die Achse der Erdrotation um rund zehn Zentimeter verschoben. Eine solche Verschiebung beeinflusst die Länge des Tages - wenn auch im Alltag unmerklich. Das Beben der Stärke 8,8 in Chile im vergangenen Jahr verschob die Achse um acht Zentimeter, wodurch sich die Dauer eines Tages - also einer kompletten Umdrehung der Erde - um 1,26 Mikrosekunden verkürzt hat. Amerikanische Forscher haben zudem festgestellt, dass das Beben die japanische Hauptinsel verschoben hat - und zwar um satte 2,4 Meter.

+++ 15.45 Uhr: Drei AKW-Anwohner verstrahlt +++

Nach dem Atomunfall in Japan sind drei Anwohner des Kraftwerks Fukushima einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge verstrahlt worden. Es handle sich um Menschen aus der evakuierten Zone im Umkreis der Anlage, meldete die Agentur am Samstag. Im Atomkraftwerk Fukushima Eins kam es am Samstag zu einer Explosion, außerdem droht nach Einschätzung von Experten in einem Reaktor des Kraftwerks eine Kernschmelze.

+++ 15.39 Uhr: Deutsche Judokas brechen Trainingslager ab +++

Die deutschen Judokas werden ihr Trainingslager in Japan nach dem verheerenden Erdbeben abbrechen und am Sonntag nach Deutschland zurückgeflogen. Das bestätigte Bundestrainer Michael Bazynski am Samstag. "Uns geht es gut, aber man ist natürlich beunruhigt. Die Sache mit dem Reaktor ist der Punkt, an dem man sagen muss: Jetzt sollte man schnellstmöglich weg von hier", sagte er. Die deutschen Männer haben sich seit einer Woche in Tenri bei Osaka, die Frauen in der Hauptstadt Tokio auf die Europameisterschaften in Istanbul vorbereitet. Ursprünglich sollten beide Nationalmannschaften bis zum Ende der Woche in Japan bleiben.

+++ 15.29 Uhr: Flutwelle tötet einen Mann in Indonesien +++

Der Tsunami im Pazifik hat in Indonesien einen Menschen getötet und etliche Häuser zerstört. Die von dem Erdbeben vor Japan ausgelöste Welle war etwa zwei Meter hoch, als sie gegen Mitternacht einen Küstenabschnitt in Papua auf der Insel Neuguinea überflutete, wie die staatliche Nachrichtenagentur Antara am Samstag berichtete. Stunden zuvor hatte die Regierung die Tsunami-Warnung wieder aufgehoben. Mindestens 19 Familien wurden laut Antara obdachlos, Dutzende Boote zerstört. Ein 35-jähriger Mann verlor in den Fluten sein Leben, als er seine Familie retten wollte. Später wurde sein Leichnam gefunden.

+++ 15.19 Uhr: Problemreaktor war kurz vor der Stilllegung +++

Der Problemreaktor im Atomkraftwerk Fukushima stand nach Angaben aus einer internationalen AKW-Datenbank kurz vor der Stilllegung. Der Reaktor 1 des Meilers Fukushima Eins sollte nach etwa 40 Jahren in diesem Monat den Betrieb einstellen; eine Datenbank des Forschungszentrums Nuclear Training Centre (ICJT) in Slowenien nennt als "erwartetes Datum der Stilllegung" den März 2011.

+++ 14.31 Uhr: 60.000 Menschen demonstrieren gegen Atomkraft +++

Rund 60.000 Teilnehmer haben heute eine zirka 45 Kilometer lange Menschenkette gegen die Atomenergie gebildet - vom Atomkraftwerk Neckarwestheim bis zur baden-württembergischen Staatskanzlei "Villa Reitzenstein" in Stuttgart. Zu der Aktion hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, Campact, Robin Wood sowie die NaturFreunde Deutschlands aufgerufen.

+++ 14.28 Uhr: 10.000 Menschen werden vermisst +++

Nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan werden nach einem Medienbericht in einer Hafenstadt im Nordosten Japans noch 10.000 Menschen vermisst. Wie der öffentlich-rechtliche Sender NHK am Samstag berichtete, geht es um den Ort Minamisanriku in der Präfektur Miyagi. Nach bisherigen Angaben der Behörden gab es durch die Naturkatastrophe in ganz Japan 1400 Todesopfer.

+++ 14.20 Uhr: Reaktor soll mit Meerwasser gekühlt werden +++

Der von einer Kernschmelze bedrohte japanische Atomreaktor Fukushima 1 soll mit Meerwasser gekühlt werden. Kabinettssekretär Yukio Edano sagte, die Reaktorhülle aus Stahl sei noch intakt und nicht beschädigt. Daher sei beschlossen worden, den Reaktorkern des an der Küste gelegenen Kraftwerks mit Meerwasser zu füllen. Dem Wasser werde Borsäure beigemischt, um kritische Entwicklungen zu vermeiden. Der Füllvorgang werde fünf bis zehn Stunden dauern.

+++ 14.08 Uhr: Volkswirt warnt vor ökonomischen Folgen eines GAUs +++

Das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen der Erdbebenkatastrophe hängt nach Angaben von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise stark von der Entwicklung um das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima ab. "Dass Japan die Initialzündung für eine große Rezession bringt, ist nicht zu erwarten", sagte Heise. Wenn es zu einer Atomkatastrophe komme, werde das allerdings "schon nachhaltige Folgen für die japanische Ökonomie haben".

+++ 13.34 Uhr: Regierung dementiert Kernschmelze

Die japanische Regierung dementiert offiziell, dass es eine Kernschmelze gegeben habe.

+++ 13.24 Uhr: "Kein Schaden an Reaktorgehäuse"

Die japanische Betreibergesellschaft des Atomkraftwerks Fukushima hat erklärt, dass es keinen Schaden am Reaktorgehäuse gegeben hat. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Es war zu einer Explosion bei der Anlage gekommen. Diese werde aber zu keinem großen radioaktiven Leck führen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Evakuierung der Landstriche rund um die Anlage sei eine Vorsichtsmaßnahme und nicht wegen besonderer Gefahren erfolgt.

+++ 13.06 Uhr: Japans Regierung beschwichtigt +++

Japans Premierminister Naoto Kan hat sich besorgt über die Lage nach dem Atomunfall gezeigt, aber nicht von einer Kernschmelze im beschädigten Atomkraftwerk Fukushima gesprochen. Die Explosion vom Nachmittag werde zu keinem größeren radioaktiven Leck führen, sagte anschließend sein Regierungssprecher Yukio Edano.

+++ 12.57 Uhr: AKW-Betreiber durch Affären aufgefallen +++

Der Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima ist in der Vergangenheit durch diverse Affären aufgefallen. So mussten 2002 der damalige Tepco-Chef und vier weitere Manager ihren Hut nehmen, weil Japans größter Energieerzeuger unter Verdacht geriet, Wartungsdokumente gefälscht zu haben. Die Spitzenkräfte übernahmen mit dem Rücktritt die Verantwortung für die Affäre. Fünf Reaktoren, darunter auch der Unglücksmeiler, mussten vorübergehend vom Netz. 2006 war dem Konzern vorgeworfen worden, Daten über die Kühlwassertemperatur in den Jahren 1985 und 1988 gefälscht zu haben.

+++ 12.33 Uhr: Tagesschau.de berichtet von Kernschmelze +++

Nach einem Bericht von tagesschau.de soll es im AKW Fukushima eine Kernschmelze gegeben haben. Die japanischen Behörden hätten das offiziell bestätigt, so die Nachrichtenseite.

+++ 12.02 Uhr: Behörde bezweifelt ernste Schäden an Reaktor +++

Beamte der japanischen Atomsicherheitsbehörde glauben nicht, dass es am Gehäuse des Reaktors Nummer 1 im Kernkraftwerk Fukushima Eins zu ernsten Schäden gekommen ist. Zu dieser Einschätzung seien sie nach Prüfung jüngster Radioaktivitätswerte nach der Explosion vom Nachmittag (Ortszeit) gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ 11.53 Uhr: Hilfsorganisationen rufen zu Spenden auf +++

Die katholische Hilfsorganisation Caritas International hat zu Spenden aufgerufen. Sie stellte zudem 50.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung. Für die Erdbebenopfer werde derzeit ein schneller Hilfseinsatz vorbereitet, sagte ein Sprecher der Organisation am Samstag in Freiburg. Derzeit sei die Lage aber noch sehr unübersichtlich. Besonders nötig sei der Aufbau einer Infrastruktur, damit obdachlos gewordene Menschen vorübergehend eine Unterkunft finden. Die von der evangelischen Kirche getragene Diakonie Katastrophenhilfe in Stuttgart schloss sich dem Spendenaufruf an. Andere Hilfsorganisationen bereiten Einsätze in Japan vor.

+++ 11.42 Uhr: Japan bittet Briten um Hilfe +++

Die japanische Regierung hat Großbritannien offiziell um Hilfe bei der Bewältigung der Folgen des katastrophalen Erdbebens gebeten. Das teilte ein Sprecher des Außenministeriums am Samstag in London mit. Such- und Rettungsteams hatten sich seit Freitag für einen Einsatz in Japan vorbereitet und sollten innerhalb von vier Stunden aufbrechen können. Es stehe sowohl technische als auch personelle Unterstützung bereit, sagte der Minister für Internationale Entwicklung, Andrew Mitchell. Wie genau die Hilfe aussehen sollte, war zunächst nicht bekannt. Zu den Rettungsteams, die sofort losfliegen könnten, gehören Mediziner, Hunde-Suchtrupps und Experten für Opfer-Identifikation.

+++ 11.36 Uhr: Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Japan +++

Das Auswärtige Amt rät von nicht erforderlichen Reisen in den Großraum Tokio und den Nordosten Japans ab. Darüber hinaus empfiehlt das Außenministerium auf seiner Internetseite, die Region um das beschädigte Kernkraftwerk Fukushima großräumig zu meiden. "Deutschen wird dringend empfohlen, den Anweisungen der japanischen Behörden Folge zu leisten", heißt es in den am Samstag aktualisierten Reisehinweisen weiter.

+++11.21 Uhr: Tsunami-Entwarnung in Pazifikraum +++

Die Tsunamigefahr im Pazifik ist nach Angaben des Nachrichtensenders n-tv vorbei. Demnach sind die Schäden hinter den Erwartungen geblieben. Auf den Galapagosinseln habe es einige Überschwemmungen gegeben.

+++ 11.10 Uhr: Röttgen: Keine Gefahr für Deutschland +++

Eine Gefährdung Deutschlands vom beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima kann nach den Worten Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) "praktisch ausgeschlossen werden". Diese liege an der großen Entfernung und der Wind- und Wetterlage, sagte Röttgen am Samstag. In Japan wehe der Wind vom Festland auf den Pazifik und nicht in westliche Richtung.

+++ 11.09 Uhr: Evakuierungsradius auf 20 km ausgeweitet +++

Laut einem Fernsehbericht wurde der Evakuierungsradius um das Atomkraftwerk Fukushima 1 auf 20 Kilometer ausgeweitet. Die Betreiberfirma Tepco kündigt für 11.30 Uhr MEZ eine Pressekonferenz zu Stromausfällen an.

+++ 10.36 Uhr: Bürger tätigen Hamsterkäufe +++

Augenzeugen in Japan berichten von Hamsterkäufen. Einige Bürger seien bereits Richtung Süden aufgebrochen, um sich vor einer möglichen Atomkatastrophe im Nordosten des Landes in Sicherheit zu bringen.

+++ 10.34 Uhr: Explosion war gewaltig +++

Die Explosion im Atomkraftwerk in Fukushima ist gewaltig gewesen. Mit ungeheurer Wucht wurden dabei große Teile der Anlage zerstört. Trümmer wurden in die Luft geschleudert. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sich große Rauchwolken über der Anlage ausbreiteten. Zum Ausmaß der Zerstörung gab es keine offiziellen Angaben. Unklar war auch, ob die Explosion mit einer möglichen Kernschmelze zusammenhing.

Ein japanischer Regierungssprecher sprach nach der Explosion von einer "vermutlich sehr ernsten Situation". Er rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben, meldete der Fernsehsender NHK.

Unmittelbar vor der Explosion hatte es eine Erschütterung gegeben, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

+++ 10.35 Uhr: 210.000 Menschen sind obdachlos +++

Nach Angaben des Nachrichtensenders n-tv sind 210.000 Menschen in Japan nach dem Tsunami obdachlos geworden. 800 Menschen werden vermisst.

+++ 10.06 Uhr: Regierung bestätigt Strahlen-Austritt +++

Kabinetts-Chef Yukio Edano bestätigt das Entweichen von Radioaktivität aus dem AKW Fukushima 1.

+++ 9.49 Uhr: AKW-Anwohner sollen zuhause bleiben +++

Der Fernsehsenders NHK rät allen Anwohnern der Atomanlage Fukushima, zuhause zu bleiben und die Fenster zu schließen. Diese Maßnahme gilt demnach für Bewohner über den Umkreis der Evakuierungszone von zehn Kilometern hinaus.

+++ 9.24 Uhr: Vier Menschen bei Explosion verletzt +++

Bei einer Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima sind nach Erkenntnissen des Betreibers Tepco vier Menschen verletzt worden. Das meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ 9.14 Uhr: Teile der Gebäudehülle des AKW weggebrochen +++

Fernsehbilder des japanischen TV-Senders NHK deuten darauf hin, dass bei der Explosion Teile der Gebäudehülle des Reaktors Fukushima 1 weggebrochen sind.

+++ 8.59 Uhr: Explosion in AKW Fukushima +++

Über dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1, das nach dem Beben stark beschädigt worden ist, ist eine weiße Rauchwolke zu sehen. Das ist auf im Fernsehen übertragenen Bildern zu sehen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji hat es eine Explosion gegeben. Mehrere Mitarbeiter des Atomkraftwerks nordöstlich von Tokio wurden demnach verletzt.

+++ 8.35 Uhr: Autoindustrie teilweise lahmgelegt +++

Das Erdbeben hat die Autoindustrie teilweise lahmgelegt. Der weltgrößte Autobauer Toyota Motor Co teilte am Samstag mit, die Produktion zwei hauptsächlich für den Export arbeitenden Fabriken ruhe die Arbeit. Über die Wiederaufnahme der Fertigung sei noch nicht entschieden worden. Die Mitbewerber Nissan Motor und Honda Motor stoppten die Arbeit in je vier Inlandswerken, die im Katastrophengebiet liegen.

+++ 8.22 Uhr: Wohl kein Notetat für Erdbebenopfer im März +++

Finanzminister Yoshihiko Noda erklärt Vorlage eines Notetats für die Erdbebenopfer noch im März für unwahrscheinlich.

+++ 8.13 Uhr: Tsunami tötet Mann an US-Küste +++

Die Tsunami-Wellen haben die Westküste des amerikanischen Kontinents erreicht und in den USA mindestens einen Menschen getötet. Wellen in Höhe von bis zu 2,4 Metern schlugen nach Angaben der Behörden am Freitag (Ortszeit) an der Küste der US-Bundesstaaten Kalifornien und Oregon auf. Im nordwestkalifornischen Bezirk Del Norte County starb ein 25-Jähriger, nachdem er von den Wellen ins Meer gerissen wurde. Er wollte mit einigen Freunden Fotos des ankommenden Tsunamis machen.

+++ 7.26 Uhr: Radioaktives Cäsium ausgetreten +++

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, in der Nähe von Fukushima 1 sei radioaktives Cäsium entdeckt worden. Im Kontrollraum eines Reaktors von Fukushima 1 war zuvor bereits eine gegenüber dem Normalwert tausendfach erhöhte Radioaktivität gemessen worden.

+++ 6.20 Uhr: Kernschmelze in AKW 1 möglich +++

Im japanischen Atomreaktor Fukushima Daiichi ist womöglich eine Kernschmelze im Gange. Betroffen sei der Reaktor 1 im 250 Kilometer nordöstlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerk Fukushima 1, meldeten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji am Samstag. Nach Einschätzung der Behörde für atomare Sicherheit "könnte sich dort eine Kernschmelze vollziehen".

In den AKWs Fukushima 1 und 2 waren durch das Erdbeben Kühlsysteme beschädigt worden, so dass dort eine Kernschmelze drohte. Die betroffenen Reaktoren schalteten sich durch das Erdbeben automatisch ab. Beim Herunterfahren müssen jedoch die Kühlsysteme anspringen, um die dabei entstehenden hohen Temperaturen zu senken.

Gelingt es nicht, die Brennstäbe im Reaktor ausreichend zu kühlen, könnte es zu einem GAU, einem Größten anzunehmenden Unfall, kommen. Versagt die Kühlung, läuft die Kernspaltung unkontrollierbar weiter. Zuerst schmilzt die Metallhülle der mit Uran gefüllten Brennstäbe, dann verbrennt das Uran selbst. Das geschmolzene, extrem heiße Material sinkt auf den Reaktorboden und durchbricht ihn. Da der Reaktorbehälter noch unter hohem Druck steht, würde es ihn zerreißen. Weitere Gebäude und wichtige Einrichtungen des Kraftwerks würden zerstört. Durchbrennt die radioaktive Masse auch den Sicherheitsbehälter, sprechen Experten von einem Super-GAU. Hochradioaktives Material gelingt nach außen, sickert in das Erdreich und verseucht das Grundwasser.

+++ 3.10 Uhr: Japan warnt Bevölkerung vor Strahlung +++

Die Behörden haben vor einem Austritt radioaktiver Strahlung aus Atomkraftwerken in Fukushima gewarnt. Tausende Anwohner in einem Umkreis von drei Kilometer um eine von zwei Anlagen wurden in Sicherheit gebracht. Techniker kämpfen in den Kraftwerken Daini und Daiichi mit steigendem Druck. Die Betreiberfirma Tepco teilte mit, in mehreren Reaktoren des Atomkraftwerkes Daini den Druck nicht mehr kontrollieren zu können. Dies war zuvor bereits in Daiichi geschehen.

Die Behörden hofften, dass aus dem Kraftwerk Daiichi nur wenig Strahlung entweichen und diese vom Wind auf das offene Meer getragen wird. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums war der Druck mehr als doppelt so hoch als vorgesehen.

Wegen der Probleme mit der Kühlung von Reaktoren gibt es Befürchtungen, dass es zu einem ähnlichen Unglück wie 1979 auf der Three Mile Island in der Nähe von Harrisburg in den USA kommen könnte. Bislang ist die Lage Experten zufolge aber nicht so ernst. Damals schmolz der Reaktorkern teilweise. Es wurde aber nur wenig gefährliches Strahlengas freigesetzt. Ein Stromausfall kann für Atomkraftwerke gefährlich sein, weil für Turbinen, Ventile und die Zuleitung von Kühlwasser Energie benötigt wird - entweder von außen oder mit Hilfe eines eigenen Notstromaggregates. Bricht die Stromversorgung ganz zusammen, gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, den Reaktorkern zu kühlen.

Naoto Sekimura, Professor von der Universität Tokio, sagte, eine nukleare Katastrophe sei unwahrscheinlich. Mit einem Leichtwasserreaktor könne es kein zweites Tschernobyl geben.

+++ 2.10 Uhr: Atomarer Notstand auch in AKW Nr. 2 +++

Infolge des schweren Erdbebens in Japan sind in einem zweiten Atomkraftwerk massive Probleme mit dem Kühlsystem aufgetreten. In drei Reaktoren des AKW Fukushima 2 büßten die Kühlsysteme einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit ein, wie die Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) nach japanischen Medienberichten am Samstag mitteilte. Fukushima 2 liegt zwölf Kilometer vom Akw Fukushima 1 entfernt, wo ebenfalls das Kühlsystem beschädigt wurde und im Kontrollraum eines Reaktors eine gegenüber dem Normalwert tausendfach erhöhte Radioaktivität gemessen wurde.

Die beiden Atomkraftwerke befinden sich rund 250 Kilometer nordöstlich vom Großraum Tokio mit seinen 30 Millionen Einwohnern in der vom Beben besonders betroffenen Region. In einem Umkreis von zehn Kilometern um Fukushima 1 wurden rund 45.000 Bewohner aufgefordert, die Gegend zu verlassen. Für Fukushima 2 ordneten die Behörden eine entsprechende Maßnahme im Umkreis von drei Kilometern an. Der japanische Regierungschef Naoto Kan flog am Samstagmorgen mit dem Hubschrauber nach Fukushima, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Die Radioaktivität liege außerhalb von Fukushima 1 um ein Achtfaches über dem Normalwert, sagte Kan laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Jiji. Der Fernsehsender NHK meldete, dieser erhöhte Grad bedeute zunächst keine Gefahr für die Gesundheit.

In einem Reaktor von Fukushima 1 war ungewöhnlich hoher Druck festgestellt worden. Die Betreiberfirma Tokyo Electric Power (Tepco) veranlasste am Samstag, dass Dampf freigesetzt wurde, um den Druck zu senken. Damit wurde zugleich Radioaktivität freigesetzt. Ein Tepco-Sprecher sagte, dies geschehe gemäß den Anweisungen der Regierung in Tokio.

Bei dem Erdbeben am Freitag schalteten sich landesweit elf Reaktoren automatisch ab, darunter auch in den Kraftwerken Fukushima 1 und 2. Bei einem Abschalten der Reaktoren müssen die Kühlsysteme anspringen, um die extrem hohen Temperaturen beim Herunterfahren abzukühlen. Die Kühlsysteme werden durch externe Energiequellen betrieben. Dass dieser Mechanismus reibungslos funktioniert ist entscheidend, um eine Kernschmelze zu verhindern.

Japan gewinnt rund ein Drittel seines Strombedarfs aus 55 Reaktoren an 17 Standorten. Bei dem Erdbeben am Freitag schalteten sich elf Reaktoren automatisch ab. Mit einer Stärke von 8,9 war es das schwerste Beben in der Geschichte des Landes.

+++ 00.25 Uhr: Japaner lassen Druck aus dem Reaktor +++

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Nummer 1 ist die Radioaktivität auf das 1000-Fache des normalen Werts gestiegen. Das berichtete die Agentur Kyodo und berief sich auf die nationale Atomsicherheitsbehörde. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA berichtete, Japan habe sich entschlossen, in dem Problemreaktor Druck abzulassen. Der kontrolliert freigesetzte Dampf solle gefiltert werden, um Radioaktivität in der Anlage zu halten. Nach einer Experteneinschätzung aus Wien ist es aber unwahrscheinlich, dass in solch einer Situation keinerlei Radioaktivität freigesetzt wird.

Premierminister Naoto Kan weitete den Evakuierungsbereich aus. Er forderte die Menschen in einem Radius von zehn Kilometern um das Kraftwerk auf, sich in Sicherheit zu bringen. Zuvor waren die Menschen bereits in einem Umkreis von drei Kilometern aufgerufen worden, ihr Haus zu verlassen.  

+++ 21.56 Uhr: Druck im AKW Fukushima steigt weiter +++

Im japanischen Fukushima wächst die Angst vor einem atomaren Zwischenfall: Als Folge des verheerenden Erdbebens in Japan steigt der Druck in einem Reaktor des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, weil die Kühlung der Brennstäbe ausgefallen war. Dadurch droht im schlimmsten Fall eine Kernschmelze. Der Druck könnte das 2,1-fache dessen überstiegen haben, wofür das Turbinengebäude ausgelegt ist. Zuvor war die Überlastung mit einem Wert von 1,5 angegeben worden. Die Betreiberfirma Tepco erwägt, den Druck abzulassen, weiß aber nicht, wie stark die radioaktive Strahlung im Inneren ist.

+++ 21.45 Uhr: Leichte Tsunami-Schäden in Kalifornien +++

Nach dem schweren Beben in Japan haben Tsunami-Wellen an der kalifornischen Küste Schäden angerichtet. Der nordkalifornische Ort Crescent City wurde von über zwei Meter hohen Wellen getroffen. "Über 30 Boote im Hafen wurden beschädigt, Anlegestellen sind zu Bruch gegangen", sagte Joe Young von der örtlichen Katastrophenbehörde. Mehr als 4000 Einwohner seien in der Nacht vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden. Auch im Hafen von Santa Cruz, südlich von San Francisco, gingen zahlreiche Boote zu Bruch. Die Flutwellen drückten Jachten in die Holzstege, Boote wurden losgerissen und trieben führerlos im Hafenbecken.

+++ 21.38 Uhr: IAEO in voller Alarmbereitschaft +++

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEO ist wegen der Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi in voller Alarmbereitschaft. Man sei weiterhin in Verbindung mit den japanischen Behörden und beobachte die Situation genau, teilte die UN-Behörde in Wien mit. Japanische Behörden hätten die IAEO informiert, dass das Erdbeben die Stromversorgung von Fukushima-Daiichi gekappt habe. Die für die Notversorgung des Reaktor-Kühlsystems gedachten Diesel-Generatoren habe der anschließende Tsunami zerstört. Man bemühe sich momentan, diese zu reparieren. Die Behörden hätten für Fukushima-Daiichi den nuklearen Notfall ausgerufen. Bisher sei aber keine Radioaktivität ausgetreten, so die IAEO.

Hier lesen Sie die Entwicklungen das Minutenprotokoll direkt nach dem Erdbeben und dem Tsunami am Freitag.

swd/fro/Reuters/DPA/AFP/DPA/Reuters
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