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Der beliebte Kandidat, den keiner mag

35 Prozent der Amerikaner glauben, Donald Trump könne ein großartiger US-Präsident werden. Und genauso viele Anhänger der Konservativen würden ihn wählen - zum Entsetzen der Konservativen. Die versuchen verzweifelt, ihren eigenen Mann abzusägen.

Von Niels Kruse


Der anhaltende Erfolg von Donald J. Trump bringt die US-Konservativen an den Rand der Verzweiflung. "Im Namen des Populismus tritt er die Arbeit von Generationen mit den Füßen, roh und achtlos wie 'The Donald' selbst", klagt das intellektuelle Hausblatt der Republikaner, die "National Review", in ihrer neuen Ausgabe. Das Magazin lässt 22 prominente Denker zu Wort kommen und sie erörtern längst nicht mehr die Frage, ob der Immobilienmilliardär eine Gefahr sei, sondern nur noch wie groß diese ist. Die Essay-Sammlung kommt kurz vor der letzten TV-Debatte der Republikaner am Freitag und rund eine Woche vor der ersten Vorwahl. Sie ist ein Hilferuf ausgerechnet aus der Ecke, die mit rechten Thesen jahrzehntelang den Boden bereitet hat, auf dem der frustrierte Trump-Anhang derzeit so prächtig gedeiht.

Donald Trump feuert via Twitter zurück

Donald Trump selbst reagierte auf die Kritik in gewohnter Manier mit einer kleinen Twitter-Salve: "Traurig, die 'National Review' ist vom Weg abgekommen." Und: "Das Magazin kann nur noch kritisieren, aber nicht mehr gestalten", schrieb er im Kurznachrichtendienst. 

Obligatorischer Reflex der Linken

Gegen den Beschuss aus den eigenen Reihen wirkt eine neue Anti-Trump-Kampagne einiger Prominenter beinahe schon wie der Pflichtreflex aus dem linken Lager. Die Schauspieler Danny Glover, Jane Fonda und Harry Belafonte, der Regisseur Jonathan Demme und der Intellektuelle Noam Chomsky haben als Aushängeschilder die Initiative "Stop Hate - Dump Trump", in etwa 'Stoppt den Hass - entsorgt Trump' ins Leben gerufen. Der Präsidentschaftsbewerber sei dabei, seine "hasserfüllte und spaltende Rhetorik" noch zu steigern, sagte eine der Mitgründerinnen, die Schriftstellerin Eve Ensler. Medien und Politik sollten Verantwortung dafür übernehmen, den Äußerungen Trumps nicht übermäßig Raum zu geben und sie mehr zu hinterfragen oder zu verurteilen, so Ensler.

Wer solche Fans hat....


"Wir denken, dass Trump eine große Bedrohung ist für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, Gleichheit und das Wohl unseres Landes und all seiner Bewohner", erklärte die Kampagne, der sich binnen weniger Stunden 1200 Menschen anschlossen. Dieser Aufstand der üblichen Verdächtigen dürfte Trump eher kalt lassen, seiner Ansicht nach sind sie die Vertreter genau jenes elitären Establishments, gegen das er selbst so gerne wettert. Noch schärfer mit dem Immobilienmogul ins Gericht geht Supereichen-Kollege George Soros: Der ausgewiesen linke Investor bezeichnete Trump bereits vor ein paar Wochen als "Terroristen, der die Menschen verängstigen wolle". Nun, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos legte er noch einmal nach: " "Donald Trump macht die Arbeit des IS". Es sei schwer, seinen einfachen Botschaften (und denen von Mitbewerber Ted Cruz) zu widerstehen. Menschen würden aus Angst schädliche Entscheidungen treffen.

Hälfte glaubt, ein Präsident Trump wäre fürchterlich

Am 1. Februar werden die Anhänger der Republikaner im Bundesstaat Iowa die erste von fast 50 Vorwahlen abhalten, mit denen der konservative Präsidentschaftskandidat gekürt wird. Kurz danach folgt die Abstimmung in New Hampshire. In beiden Umfragen liegt Donald Trump bislang mit durchschnittlich 35 Prozent in Führung. Das entspricht ungefähr auch der Stimmung im gesamten Land, bei allen Wählern. Ein Drittel der US-Bevölkerung glaubt, Trump wäre ein "guter oder großartiger Präsident", wie das Pew-Institut berichtet. Klingt erst einmal viel. Allerdings ist der Umfrage zufolge mehr als die Hälfte der Bürger davon überzeugt, dass er ein schlechter oder sogar furchtbarer Präsident wäre. Die Zahlen für die wahrscheinliche Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, sind übrigens auch nicht viel besser. Ein Drittel der Amerikaner glaubt, sie werde das Präsidentenamt gut meistern, 44 Prozent dagegen, dass sie eher scheitern werde.   

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