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"Wohlstandskranker" Teenager in Mexiko gefasst

Ethan Couch hat vier Menschen totgefahren. Vor Gericht machten seine Anwälte seine Erziehung dafür verantwortlich - Couch erhielt eine Bewährungsstrafe. Dann verschwand der 18-Jährige, er soll gegen Auflagen verstoßen haben. Nun wurde er festgenommen.

Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach Ethan Couch

Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach Ethan Couch, nachdem er vier Menschen überfahren hatte

Der seit Wochen von der Polizei gesuchte US-Teenager Ethan Couch ist in Mexiko gefasst worden. Wie "CNN" berichtet, wurden der 18-Jährige und seine Mutter in der Nähe des beliebten Badeortes Puerto Vallarta an der Pazifikküste festgenommen. Couch hatte im Jahr 2013 mit einem Auto vier Menschen zu Tode gefahren. Der Fall sorgte vor allem deshalb für Aufsehen, weil die Verteidiger des damals 16-Jährigen argumentierten, Couch sei "wohlstandskrank" - und hätte von seinen reichen Eltern nie Grenzen aufgezeigt bekommen. Offenbar überzeugte das die Richter: Der junge Texaner kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Couch war untergetaucht, nachdem die Behörden vermuteten, dass der 18-Jährige gegen Bewährungsauflagen verstoßen habe. Der Grund: Ein Video, das ihn offenbar auf einer Party zeigte, wo Bier getrunken wurde. Couch darf während seiner zehnjährigen Bewährung weder Drogen noch Alkohol anrühren. Würde es sich herausstellen, dass er doch Alkohol konsumiert hat, könnte ihm das bis zu zehn Jahre Gefängnis einbringen. 

Die "Today Show" twitterte ein Bild des festgenommenen Mannes. Offensichtlich hatte dieser sein Äußeres verändert: Das eigentlich rotblonde Haar war nun schwarz, auch der Bart schien dunkler.

Couch raste mit Truck in eine Gruppe

Am Abend des 15. Juni 2013 stahlen Couch und mehrere Freunde laut Anklage Bier aus einem Geschäft, tranken und fuhren dann mit einem Kleinlaster los.

 Zur selben Zeit hatte eine Frau an einem Straßenrand eine Panne. Sie rief eine Freundin an, die mit ihrer Tochter zur Hilfe kamen, wie "CNN" schilderte. Auch ein Jugendpfarrer, der an dem liegengebliebenen Fahrzeug vorbeikam, hielt an.

Couch raste mit dem Truck in die Gruppe, alle vier starben. Zwei von sieben Freunden, die auf der Ladefläche des Trucks saßen, wurden in die Luft geschleudert und schwer verletzt. Eine Blutprobe ergab später bei Couch einen Promillewert von 2,4 - das Dreifache der erlaubten Grenze.

Gutachter: Couch litt an "Affluenza"

Im Prozess vor einer Jugendrichterin machten die Verteidiger geltend, dass Couchs reiche Eltern einen Großteil der Schuld trügen. Sie boten sogar einen Psychiater als Zeugen auf, der sagte, der Teenager leide an "Affluenza": Er sei maßlos von den Eltern verwöhnt worden, habe alles tun können, was er wollte - und sei daher nicht fähig gewesen, die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen.

"Affluenza", ein Zusammenschnitt aus den Worten affluent (wohlhabend) und Influenza (Grippe), wird von der Ärztevereinigung American Psychiatric Association nicht als Diagnose anerkannt.

Couch wurde wegen vierfachen Totschlags und zweifacher schwerer Körperverletzung mit einem Fahrzeug schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft forderte 20 Jahre Haft, aber Jugendrichterin Jean Boyd in Fort Worth ließ den Teenager mit der zehnjährigen Bewährungsstrafe davonkommen und ordnete eine Behandlung in einem Rehabilitationszentrum an.

Hass in den sozialen Medien 

Das Thema erhitzte schon damals die Gemüter und wird nun erneut in den sozialen Medien diskutiert. Auf Twitter trendet der Hashtag #AffluenzaTeen. Viele Leute zeigen sich noch immer wütend über das ihrer Meinung nach zu laxe Urteil.

kis/DPA

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