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Gasverpuffung verursacht Brandkatastrophe von Titisee

Der kleine Ort im Schwarzwald erlebt traurige Tage. Ein Feuer in einer Caritas-Werkstatt für Behinderte kostete 14 Menschen das Leben. Die Ursache des Brands konnte inzwischen geklärt werden.

Eine Gasexplosion ist die Ursache für die Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt im Schwarzwald. Aus einem mobilen Ofen mit Propangasflasche sei Gas ausgetreten, teilte Staatsanwalt Peter Häberle am Dienstag in Titisee-Neustadt mit. Was das Gas entzündete und die verheerende Verpuffung verursachte, sei noch unklar. Es könne ein technischer Defekt oder menschliches Versagen gewesen sein. Vorsatz könne bisher ausgeschlossen werden. "Alles spricht für ein Unglück."

Bei dem Inferno in der Caritas-Einrichtung für geistig und mehrfach Behinderte waren am Montag 14 Menschen ums Leben gekommen - 13 mit Handicaps und eine Betreuerin. Es war die folgenschwerste Katastrophe in einer Einrichtung dieser Art in Deutschland. Es gab neun Schwerverletzte, fünf Menschen wurden leicht verletzt. Papst Benedikt XVI. betete für die Opfer und ihre Angehörigen. Indes wurde der Ruf nach Sprinkleranlagen in allen Behinderteneinrichtungen laut. Die Caritas will ihre Notfallpläne überprüfen.

Staatsanwalt Häberle sagte, man habe Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen Unbekannt eingeleitet. Die Polizei hat eine Sonderkommission mit 60 Beamten eingerichtet, um Zeugen zu befragen und Spuren zu verfolgen. Der mobile Gasofen sei in der Werkstatt aufgestellt gewesen. "Es kam zu einer schlagartigen Ausbreitung von Feuer und Rauch", sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Die Menschen in dem Raum hätten kaum eine Chance gehabt, dem Inferno zu entkommen.

"Der vorbeugende Brandschutz war ordnungsgemäß"

Die Experten wollen nun den Zustand der Propangasflasche rekonstruieren. Es sei nicht klar, ob das Ventil der Flasche offen gewesen sei. Zu welchem Zweck dieser Ofen im Raum stand, ob zum Heizen oder zu anderen Zwecken, sei ebenfalls noch zu ermitteln, sagte der Leitende Kriminaldirektor, Alfred Oschwald. Der Freiburger Caritas-Chef Egon Engler konnte nicht sagen, an was die Menschen dort gearbeitet haben.

Die Sicherheitsvorkehrungen seien jedoch völlig ausreichend gewesen, versicherte die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. "Der vorbeugende Brandschutz war absolut ordnungsgemäß". Von den 97 Menschen, die sich aus dem Gebäude retten konnten, hätten dies 86 aus eigener Kraft geschafft. Nur elf Menschen mussten link;http://www.stern.de/panorama/feuerdrama-in-behindertenwerkstatt-brandschutz-mit-hindernissen-1932825.html;von der Feuerwehr aus dem Gebäude geleitet werden#. Dies spreche für das Funktionieren des Rettungskonzepts über eine Rampe für Rollstuhlfahrer und über eine Stahltreppe außerhalb des Gebäudes, sagte Schäfer.

Zehn Frauen und drei Männer mit Behinderungen waren an giftigem Rauch erstickt oder verbrannt. Die behinderten Frauen waren im Alter von 28 bis 68 Jahren, die Männer zwischen 45 und 68 Jahren. Die getötete Betreuerin war 50 Jahre alt.

Stiftung verlangt Sprinkleranlagen

Benedikt XVI. gedachte der Opfer und versicherte den Hinterbliebenen in einem Brief an den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch seine tief empfundene Anteilnahme. Kirchen und die Gemeinde Titisee-Neustadt planen für kommenden Samstag eine ökumenische Trauerfeier. Bundesweit herrschte in vielen Behinderteneinrichtungen Mitgefühl. Zugleich wurden vielerorts der Brandschutz und die Fluchtwege überprüft.

Die Deutsche Hospiz Stiftung verlangte, dass soziale Einrichtungen innerhalb der nächsten vier Jahre mit Sprinkleranlagen ausgerüstet werden müssten. "Was für die deutschen Flughäfen gilt, muss gerade für Einrichtungen der Pflege- und Behindertenfürsorge gelten", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) warnte vor übereilten Bewertungen. Die Werkstatt habe zwar keine Sprinkleranlage gehabt. "Diese waren aber auch nicht vorgeschrieben."

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, sagte der Nachrichtenagentur dpa in Berlin: "Es muss genau geprüft werden, ob alles Sicherheitsbestimmungen eingehalten worden sind und ob sie ausreichend waren." Sollte dies nicht der Fall gewesen sein, müsse man sich Gedanken über strengere Vorschriften machen, zum Beispiel bei der Barrierefreiheit. Es stelle sich die grundsätzliche Frage: "Braucht es neue Bestimmungen oder war es einfach ein ganz schlimmes Unglück?"

Die Kirchen und die Gemeinde planen eine Trauerfeier. "Es gibt ein großes Bedürfnis der Hinterbliebenen und der Bürger, gemeinsam Abschied zu nehmen", sagte Bürgermeister Armin Hinterseh. Auch die Rettungskräfte hätten diesen Wunsch geäußert.

mlr/DPA/DPA

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