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Syrischer Flüchtling schwimmt von der Türkei nach Griechenland

Acht Kilometer schwimmen, sieben Stunden lang - und das in der Strömung und der Kälte des Meeres. Einem Mann aus Syrien ist das gelungen. Die Motivation war groß: Es ging um sein Leben.

  Trotz Strömung und kaltem Meerwasser schwamm ein syrischer Flüchtling von der Türkei bis nach Griechenland

Trotz Strömung und kaltem Meerwasser schwamm ein syrischer Flüchtling von der Türkei bis nach Griechenland

Wenn es um das eigene Leben geht, hilft Flüchtlingen oft nichts, als das Leben auf der Flucht erneut zu riskieren. In der Hoffnung, dass alles gut geht, setzen sie sich in überfüllte Schlauchboote und fahren übers Meer, mit nichts als einer Schwimmweste - wenn überhaupt. Viele überleben die Überfahrt nicht, sie ertrinken, bevor sie das rettende Ufer erreichen.

Der Syrer Ameer Mehtr machte sich ohne Schwimmweste auf den Weg - und auch ohne Boot. Wie der der britische "Independent" berichtet, machte der Mann sich selbst auf den Weg, weil ihm die Kosten für einen Schlepper zu hoch waren. Im September habe er den Entschluss gefasst, von der Türkei aus nach Griechenland zu schwimmen. Acht Kilometer weit durch das Ägäische Meer.

"Ich glaubte jede Sekunde, dass ich sterben muss"

Da er nicht spontan losschwamm, konnte Mehtr sich auf sein riskantes Vorhaben vorbereiten. Zur Flucht entschied er sich nach einem neuen Bombenangriff auf seine Heimatstadt Damaskus. Seine gesamte Familie starb durch Bombenangriffe. Über die Grenze in die Türkei können die Bürger in Syrien recht problemlos reisen. Im türkischen Ort Guzelcamli startete der gefährliche Part von Mehtrs Flucht. Wie er erzählt, hatte er sich bloß mit einer Badehose, einer Schwimmbrille und einer Nasenklammer ausgerüstet. Freilich konnte er am bloßen Leib kaum persönliche Schätze mitnehmen. Um die Taille trug er nur ein paar Kleidungsstücke und Speicherkarten mit Fotos - als Andenken an seine Heimat. Als Proviant hatte er sich ein paar Datteln an die Schulter gebunden.

Eines Nachts, im Schutz der Dunkelheit, machte er sich auf den Weg. Harte Stunden im kalten Meerwasser, die feste Strömung, Stürme und meterhohe Wellen lagen vor ihm. "Jede Sekunde glaubte ich, dass ich sterben muss", zitiert der " Independent" Mehtr. "Aber ich bin weitergeschwommen. Ich habe immer auf die Klippen vor mir geschaut und gedacht: 'Da ist meine Zukunft'."

"Wäre ich in Syrien geblieben, wäre ich nicht mehr am Leben"

Ohne seine gute Kondition wäre dieser gefährliche Wasserweg wohl kaum zu meistern gewesen. Doch Mehtr ist fit: Er trainiert als Schwimmer und Kickboxer, wie er der britischen Zeitung erzählt, sogar im syrischen Schwimm-Nationalteam sei er gewesen.

So schaffte er es nach Griechenland. Wie Mehtr erzählt, erreichte er nach sieben Stunden gesund, aber erschöpft die griechische Insel Samos.

Von dort aus ging er zu Fuß weiter: Siebeneinhalb Stunden lang. Am Ziel wurde er ordnungsgemäß registriert und konnte so mit dem Zug von Südeuropa nach Schweden reisen. Insgesamt einen Monat hat seine Flucht von Syrien nach Schweden gedauert. Mehtr ist sich sicher: "Wäre ich in Syrien geblieben, wäre ich jetzt nicht mehr am Leben."

Auch andere Flüchtlinge haben sich laut Mehtr als Schwimmer auf den Weg nach Griechenland gemacht. Doch das Wasser wird nun immer kälter, aktuell wäre Mehtrs Aktion nur noch gefährlicher. Inzwischen lebt der Syrer übergangsweise in einem schwedischen Asylzentrum.

jen
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