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Schweinegrippe offenbar in Deutschland

Noch ist es nur ein Verdacht auf Schweinegrippe, doch die Ärzte bezeichnen ihn als "hochgradig": Der "Financial Times Deutschland" zufolge wurde bei einer Hamburgerin ein Grippevirus vom Typ H1N1 nachgewiesen. Zu diesem Typ gehört zwar auch eine gewöhnliche Grippeart, doch daran scheinen die Ärzte nicht zu glauben. Derweil melden die Behörden in New York, dass womöglich Hunderte Kinder infiziert seien.

Die Schweinegrippe scheint Hamburg erreicht zu haben: Ein entsprechender Verdacht hat sich am Dienstagabend in Hamburg erhärtet. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" wurde bei einer jungen Frau im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) eine Infektion mit einem Grippevirus vom Typ H1N1 nachgewiesen. Zu diesem Typ gehört außer der Schweinegrippe zwar auch die aktuell zirkulierende gewöhnliche Grippe. Allerdings halten die Ärzte diese Variante offenbar für unwahrscheinlich.

Die Patientin war am Wochenende aus Mexiko eingetroffen. "Sie passt in das Raster", der Verdacht auf Schweinegrippe sei "hochgradig", sagte Stephan Günther, Leiter der Virologie des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Sein Institut untersucht die Proben derzeit. Welche Variante die Patientin hat, soll nach UKE-Angaben am Mittwochmittag endgültig feststehen.

Nach UKE-Angaben war die Patientin über Düsseldorf nach Hamburg zurückgekehrt. Sie sei nach ihrer Ankunft im UKE sofort isoliert und eingehend untersucht worden. Eine abschließende Bestätigung der Verdachtsdiagnose steht noch aus, sagte die Sprecherin. Die zuständigen Behörden seien aber umgehend informiert worden. Die Frau sei sofort mit den entsprechenden Medikamenten behandelt worden. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut.

In Deutschland werden derzeit auch in Bayern und Nordrhein-Westfalen weitere Menschen mit Verdacht auf Schweinegrippe untersucht. Beide Bundesländer meldeten jeweils drei Verdachtsfälle. Einer der drei Betroffenen aus Nordrhein-Westfalen lebe im Sauerland und sei schon vor Wochen aus Mexiko zurückgekehrt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf. Im Kreis Recklinghausen steht zudem ein aus Mexiko heimgekehrtes Paar unter Quarantäne. Ein Schnelltest sei allerdings bereits negativ verlaufen, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Ulrike Horazek.

Die bayerischen Behörden nannten keine Einzelheiten zu den Verdachtsfällen in ihrem Bereich. Alle Betroffenen warten aber noch auf endgültige Testergebnisse.

Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder betonte, auch wenn sich der Verdacht einer Infektion bestätigen sollte, würde es sich zunächst nur um Einzelfälle handeln, die schnell diagnostiziert und wohl auch erfolgreich behandelt werden könnten.

Während die deutschen Verdachtsfälle noch überprüft werden, ist das Virus nachweislich von Mexiko per Flugzeug in zwei weiteren Ländern eingetroffen: Neun Studenten und ein Lehrer aus Neuseeland sowie zwei Israelis wurden positiv getestet. Damit erreichte die Schweinegrippe nach Europa auch Asien und die Pazifikregion.

In New York möglicherweise Hunderte Kinder erkrankt

In den USA stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungen auf 68. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind nicht alle Infizierten in Mexiko gewesen, einige haben sich also vermutlich in den USA angesteckt. Am Dienstagabend meldeten die Behörden, dass in New York möglicherweise mehrere Hundert Schulkinder an Schweinegrippe erkrankt sind. Es handele sich um Schüler einer Privatschule im Stadtteil Queens, sagte der Leiter der städtischen Gesundheitsbehörde, Thomas Frieden. "Hunderte waren krank mit Symptomen, die höchstwahrscheinlich Schweinegrippe sind", sagte Gesundheitsreferent Thomas Frieden. Alle diese Fälle seien aber "mild verlaufen, jeder erholt sich wieder".

Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte allerdings, auch viele Lehrer und Familienmitglieder hätten sich angesteckt. Das habe eine schriftliche Befragung an dem Gymnasium ergeben. Allerdings werde nicht jeder Einzelfall getestet. Künftig wolle man sich auf die schweren Fälle konzentrieren. Die Zahl der offiziell bestätigten Fälle in New York war am Dienstag von 28 auf 45 gestiegen.

Zur Bekämpfung der Krankheit beantragte das Weiße Haus im Kongress 1,5 Milliarden Dollar (1,15 Milliarden Euro). Das Geld soll vor allem dazu benutzt werden, die Produktion und Lagerung von Grippe-Impfstoff und anderen Medikamenten zu beschleunigen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Er betonte, dass es nach Ansicht von Präsidenten barack Obama derzeit keinen Grund zu gesteigerter Sorge gebe; die Maßnahmen gehörten aber zur umsichtigen Vorausplanung angesichts der bedrohlichen Krankheit.

Im Bundesstaat Kalifornien rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus. Er betonte allerdings zugleich, es bestehe kein Anlass zu Alarmismus. Die Ausrufung des Notstands ermöglicht, zusätzliche Gelder für die Bekämpfung der Krankheit bereitzustellen.

Das Schweinegrippe-Virus springt seit dem Wochenende von Kontinent zu Kontinent und hält immer mehr Länder in Atem. Im Ursprungsland Mexiko sind allem Anschein nach schon mehr als 150 Menschen an der Schweinegrippe gestorben, fast 2000 Verdachtsfälle werden zurzeit noch geprüft. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist eine Eindämmung des Virus derzeit kaum möglich.

DPA/AP/AP/DPA
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