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Soldaten retten weiteren Überlebenden

Wie durch ein Wunder ist wieder ein Mensch in Haiti aus den Trümmern gerettet worden. Er war bei einem der schweren Nachbeben vor zwölf Tagen verschüttet worden. Eher zufällig hatten US-Soldaten den Mann bei Aufräumarbeiten entdeckt.

Zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,0 ist der Karibikstaat Haiti erneut von einem Erdstoß erschüttert worden. Wie die US-Geologiebehörde USGS berichtete, erreichte der Erdstoß am Dienstagabend (Ortszeit) die Stärke 4,9. Das Epizentrum habe in etwa zehn Kilometer Tiefe rund 65 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen. Über neue Schäden oder Verletzte war zunächst nichts bekannt.

Es gibt aber auch weiter gute Nachrichten: Rettungskräfte haben einen 35-jährigen Mann lebend aus den Trümmern gezogen. US-Soldaten fanden den Mann unter den Resten eines Hauses in der Hauptstadt Port-au-Prince, das bei einem der schweren Nachbeben vor zwölf Tagen eingestürzt war. Bedeckt mit Staub und nur mit einer Unterhose bekleidet schien er zunächst keine schweren Verletzungen davongetragen zu haben. Zunächst hatte es geheißen, der Mann habe seit dem Hauptbeben unter den Trümmern ausgeharrt.

Ein gebrochenes Bein, aber sonst unversehrt

Die US-Soldaten seien damit beschäftigt gewesen, Trümmer beiseite zu räumen, als sie den Mann entdeckten. Er habe ein gebrochenes Bein und leide an Austrocknung. Der Mann werde von US-Medizinern behandelt, hieß es in Mitteilung des US-Militärs.

Bereits vergangenen Samstag war elf Tage nach dem Beben noch der junge Wismond Exantus aus den Trümmern eines zusammengestürzten Gebäudes gerettet worden. Zuvor hatte er mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam gemacht. Auch er hatte unter der Ruine nur so lange überleben können, weil er in einem Hohlraum eingeschlossen war und Getränke und Essen fand. Bei dem Beben kamen nach Schätzungen der haitianischen Regierung etwa 150.000 Menschen ums Leben. Die Zahl der Toten dürfte jedoch noch steigen.

Unicef plant große Impfaktion

Unicef plant unterdessen zusammen mit der Regierung von Haiti eine riesige Impfkampagne. Ziel sei es, 600.000 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren gegen Masern, Tetanus und Diphtherie zu immunisieren, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Paris mit. Die Verteilung von Wasser und Essen an vom Erdbeben betroffene Familien laufe unterdessen weiter auf Hochtouren.

Haitianische Polizisten versuchten am Dienstag mit Warnschüssen, die Plünderung von Lebensmittellastwagen zu verhindern. Ein Konvoi von drei mit Reis beladenen Kleinlastern fuhr in der Hauptstadt Port- au-Prince an einem der Obdachlosen-Camps vorbei, als plötzlich Hunderte junger Männer und Frauen auf die von Polizisten bewachten Lastwagen zustürmten, und begannen, Reissäcke von den Ladeflächen zu zerren. Sie ließen sich von den zahlreichen Schüssen nicht beeindrucken. Verletzt wurde niemand. "Unser größtes Problem bei der Verteilung von Lebensmitteln ist, dass wir nicht genügend Sicherheitskräfte haben", sagte der Sprecher der UN-Mission auf Haiti, Minustah, der brasilianische Oberstleutnant Fernando Pereyra. UN-Friedenstruppen mussten vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Tränengas einsetzen, um dem Andrang einer riesigen Menge Herr zu werden. "Sie sind nicht gewalttätig", sagte Einsatzleiter Pereyra. "Sie sind einfach verzweifelt. Sie wollen nur etwas zum Essen ergattern. Das Problem ist: Es gibt nicht genug für alle."

Obdachlose außerhalb der Hauptstadt unterbringen

In Port-au-Prince gibt es derzeit über 300 wilde Camps von Obdachlosen auf Straßen, freien Flächen und in Parks. Insgesamt sollen so 500.000 Menschen leben. Die UN wollen rund Hunderttausend von ihnen außerhalb der Hauptstadt in zehn großen Camps unterbringen. Wie die Sprecherin der UN-Mission für Migration, Njurka Pineiro, sagte, haben die Arbeiten an einem der Standorte im Osten bereits begonnen. Beobachter vor Ort gehen davon aus, dass die Mehrzahl der Menschen die Stadt nicht verlassen wird, sondern es vorzieht, dauerhaft in den provisorischen Lagern zu bleiben.

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen mahnte mehr Hilfe an. Die Menschen des bitterarmen Karibikstaates müssten viel länger versorgt werden als angenommen. "Ursprünglich hatten wir mit zwei Millionen Menschen gerechnet, die wir sechs Monate versorgen müssen", sagte WFP-Chefin Josette Sheeran in New York. "Jetzt gehen wir von mindestens zwölf Monaten aus."

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kündigte an, sein Land werde den Wiederaufbau in Haiti mit zusätzlich 375,95 Millionen Reales (rund 150 Millionen Euro) unterstützen. Lula appellierte an die Weltöffentlichkeit, mit der Hilfe für das haitianische Volk nicht zu warten, sondern jetzt tätig zu werden. Die Brasilianer hatten zuvor die Verdopplung ihres Blauhelm-Kontingents für Haiti bekannt gegeben. Bisher waren 1266 brasilianische Militärs unter UN-Mandat in dem Karibikstaat stationiert.

DPA/Reuters/DPA/Reuters

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