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Japan erklärt Unglücksreaktor für sicher

Neun Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die japanische Regierung erklärt, das Unglück sei nun "unter Kontrolle". Umweltschützer sprechen von einer "bewussten Lüge."

Neun Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan hat die Regierung das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi für sicher erklärt. Das Ziel, die schwer beschädigten Reaktoren bis zum Jahresende in einem sogenannten "cold shutdown"(Kaltabschaltung) unter Kontrolle zu bringen, sei nun erreicht, verkündete die Regierung am Freitag.

Nach Definition der Regierung und des Atombetreibers Tepco liegt eine Kaltabschaltung vor, wenn die Temperatur am Boden der Druckbehälter unter 100 Grad gehalten wird.

"Auch bei unvorhersehbaren Zwischenfällen kann die Strahlung am Rande der Anlage jetzt auf einem niedrigen Niveau gehalten werden", sagte der Regierungschef Yoshihiko Noda.

Der Status ist eine Voraussetzung dafür, dass die 80.000 Bewohner, die das Gebiet in einem Radius von 20 Kilometern rund um das Kraftwerk verlassen mussten, in ihre Heimat zurückkehren können.

Umweltschützer sprechen von "bewusster Lüge"

Umweltschützer halten die Verkündung für eine Irreführung der Bevölkerung. Sie werfen der Regierung einen falschen Gebrauch des technischen Begriffs der Kaltabschaltung vor. "Hier von Kaltabschaltung zu sprechen grenzt an eine bewusste Lüge", erklärte Reinhard Uhrig, Atomexperte von Global 2000. Die geschmolzenen Brennelemente hätten sich durch den Boden der Reaktordruckbehälter durchgebrannt und lägen nun als Klumpen auf dem Boden der Umhüllung. Dort wiesen sie weiter Temperaturen von schätzungsweise 3000 Grad auf.

Von einem sicheren Zustand seien die Reaktoren noch weit entfernt. Experten warnen, dass die Kaltabschaltung bis zu drei Jahrzehnte dauern kann.

In dem Akw war am 11. März durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 und einem anschließenden Tsunami das Kühlsystem so schwer beschädigt worden, dass die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 vollständig schmolzen. Um die Reaktorkammern zu kühlen, besprühen die Reparaturtrupps sie weiter mit Wasser. Dazu errichtete der Betreiber Tepco ein Zirkulationssystem, mit dessen Hilfe inzwischen eine stabile Kühlung der Reaktoren gewährleistet sei. Die Entsorgung des verseuchten Wassers stellt weiter eines der größten Probleme dar.

dho/fro/DPA/Reuters/DPA/Reuters
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