Startseite

Der Tag, als Fischbeck versank

Ungeheure Mengen an Wasser strömen durch einen gebrochenen Deich in Sachsen-Anhalt. Mitten in der Katastrophe wird auch noch das Krisenmanagement entmachtet. Andernorts muss bitter ausgeharrt werden.

  Nach dem Deichbruch wurde das Dorf Fischbeck überflutet

Nach dem Deichbruch wurde das Dorf Fischbeck überflutet

Bis zum letzten Moment versuchen die Helfer, den Damm bei Fischbeck an der Elbe zu halten. Vergebens. Auf mehr als 50 Meter rutscht der Deich weg, ungeheure Mengen Wasser fließen durch das Loch, das durch die Flut immer größer wird. Das Desaster von Fischbeck zeigt die Gewalt des Flusses und setzt in kurzer Zeit Felder und Häuser unter Wasser.

Dem Deichbruch folgt ein in der Hochwasserkrise von Sachsen-Anhalt bislang einmaliger Vorgang. Das Land entmachtet den regionalen Krisenstab, will tausende Helfer und Soldaten im Landkreis Stendal nun selbst koordinieren. Offiziell wird das mit der kritischen Lage begründet. Aber zuvor hatte es schon Vorwürfe gegen das örtliche Krisenmanagement gegeben, nicht genug Helfer gerufen zu haben.

Von den politischen Debatten, heiß gelaufenen Telefonen und vielen Gesprächen der Krisenstäbe untereinander bekommen die Helfer vor Ort nichts mit. Deichläufer Jürgen Peyer geht in der knallroten Warnweste über einen der Dämme, hält in der Hand einen Stock mit einem roten Bändchen. Das soll er dort hineinstecken, wo braunes Wasser auf ein Leck hinweisen könnte. "Bislang ist mir das noch nicht passiert."

Ein Raupenfahrzeug wird zum Stöpsel in der Wanne

Wenig weiter wird ein Raupenfahrzeug, das in den Deich eingesackt ist, aufgegeben. Es versinkt im Schlamm und wird von Helfern einfach weiter eingebaut. "Wir wollten es nicht wie einen Stöpsel aus der Badewanne ziehen", sagt Hans-Hermann Haak von der technischen Einsatzleitung. Vielleicht kann es in vier Wochen wieder abgeholt werden.

Wenn hier, in den dünn besiedelten Gebieten, Fahrzeuge unterwegs sind, waren es am Montag Laster mit Sandsäcken und Fahrzeuge von Bundeswehr und Feuerwehr. Das Land ist sehr flach, unterbrochen von Baumgruppen und Büschen. Die Dörfer bestehen nur aus wenigen Häusern. Vielerorts zeugen nur die großen Strommasten von Zivilisation.

Vergleichsweise glimpflich sind viele Menschen in Magdeburg davongekommen, wo der Hochwasserscheitel am Sonntag zuschlug. Jens Rieffenberg steht mit einem Kaffee in der Hand am Deich hinter seinem Restaurant in Magdeburg-Prester. Er wirkt unaufgeregt, fast entspannt. Die Sonne scheint, es weht eine laue Brise. "Es ist ein bitteres Ausharren", sagt der 47-Jährige.

2007 hat er die alte Kirche gekauft und zu einem Restaurant umgebaut. Seit Donnerstag ist das Lokal geschlossen. Doch nass ist bisher nichts geworden. Der Deich hält bislang. Aber stadtweit sollten 23.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Zahlreiche Keller wurden überflutet.

Niedersachsen hofft

Seit die Stadt die Räumung ihrer östlichen Teile wegen drohender Deichbrüche und Überflutungen angeordnet hat, haben Tausende Zuflucht bei Verwandten, Bekannten oder in Notunterkünften gefunden. An vielen Häusern in den Stadtteilen Cracau oder Prester sind die Rollläden unten, Sandsäcke wurden in die Kellerfenster gepresst und manchmal sogar in die Fenster der ersten Etage. Am Geländer der Strombrücke, die aus dem Zentrum in die östlichen Stadtteile Magdeburgs führt, hat jemand ein Bettlaken gehängt. Darauf steht: "Dank euch Helfer!"

Die Schäden gehen trotzdem in die Milliarden. Das weiß auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wie sie bei einem Besuch in Wittenberge im Land Brandenburg versichert. Der Bund werde die Menschen nicht im Stich lassen, bekräftigt sie am Montag. Genaueres werde mit den Ministerpräsidenten der betroffenen Länder an diesem Donnerstag besprochen.

Doch jetzt richten sich die Blicke zunächst weiter in den Norden, nach Niedersachsen. Dort keimt Hoffnung auf, dass der Scheitelpunkt des Hochwassers vielleicht schon da ist und nicht so hoch steigt wie befürchtet.

In Neu Darchau im Landkreis Lüchow-Dannenberg steht die Elbe am Fähranleger bereits eine Handbreit höher als die Hauptstraße, die dort seit Tagen unter den Sandsäcken endet. Das Wasser rinnt darunter vor, die Generatoren der Pumpen verrichten mit Getöse ihre Arbeit.

"So hoch war es noch nie, da macht man sich schon Sorgen", sagt Erika Münch, deren Haus nur rund hundert Meter entfernt liegt. "Man muss abwarten, was kann man machen." Über den sandfarbenen Wall schauen zwei Soldaten Richtung Fluss, als beobachteten sie den Feind.

Prognosen sahen den Höhepunkt hier erst in Tagen überschritten, doch am Nachmittag gab es gute Nachrichten: "Im Moment sieht es so aus, als würde das Wasser derzeit ungefähr bei 8,15 Metern stehenbleiben, je nachdem was heute noch flussaufwärts so an den Deichen passiert", sagt Feuerwehrsprecher Jens Christ, Sprecher der Feuerwehr Elbtalaue. Die Erleichterung ist ihm anzumerken.

anb/DPA/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools