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Schnellboot-Crash vor Libanon

Vor vier Wochen krachten vor der libanesischen Küste zwei deutsche Schnellboote zusammen. Ein Video des Crashs, der im Internet kursiert, zeigt, dass sich der Kapitän offenbar einen Spaß erlauben wollte - der voll ins Auge ging.

Das Video könnte bei "Oops - die Pannenshow" laufen - in einer Sonderausgabe "Verrückte Militärunfälle. Oder: Wie man Steuergelder fachgerecht versenkt". Zu sehen ist das deutsche Schnellboot "Frettchen", das vor der libanesischen Küste quer über die Bugwellen eines anderen deutschen Kriegsschiffs brettert. Einer der Beobachter sagt "Mann sieht das geil aus" aber kurze Zeit später rufen einige andere "Scheiße, Scheiße". Denn die "Frettchen" kann nach dem Ritt über die Bugwellen nicht mehr dem "Gepard" ausweichen, einem zweiten Schnellboot, das parallel zum Kriegsschiff fährt. Also kommt es zum Crash.

In der zweiten Szene ist das Unglück aus der Perspektive der "Frettchen" zu sehen: Erst eine lustige Powerfahrt über die Wellen, dann sagt einer "Paß auf!", aber es ist zu spät. Die Boote knallen aufeinander. In den letzten Sekunden erhascht das Kameraauge noch einen Fetzen der deutschen Fahne - als müsste nochmal klar gemacht werden, wem diese Peinlichkeit unterlaufen ist.

"Keine vernünftige Erklärung"

Götz Meiert, Sprecher des deutschen Flottenkommandos in Glücksburg, bestätigte stern.de, dass das Video echt ist. Der Vorfall ereignete sich vor knapp einem Monat, verletzt wurde niemand. Aber die Boote nahmen schweren Schaden, da sie aus Holz gebaut sind. In einem österreichischem Internetforum sind Bilder der demolierten Boote zu sehen. Sie zeigen, dass "Frettchen" ein großes Loch in die Flanke des "Gepard" gerissen hat. Derzeit werden die Boote laut Meiert auf Zypern repariert.

Warum der Kapitän des "Frettchen" für ein bisschen Action-Spaß sein Gefährt riskierte, weiß Meiert auch nicht zu sagen: "Eine vernünftige Erklärung fällt mir nicht ein". Die Marine habe eine Kommission eingesetzt, die den Vorfall untersuche. Alle Beteiligten würden verhört. Sicher sei nur, dass die Schiffe auf dem Rückweg von einer Zeremonie waren, mit der die Fregatte "Brandenburg" in die Heimat verabschiedet wurde. Bei diesen Zeremonien sei es üblich, nochmal an den Heimkehrern vorbeizufahren und zu winken, so Meiert. Ein Crash gehört selbstredend nicht zum üblichen Bye-Bye.

Auch die Videofilmer sind dran

Nun muss sich nicht nur der "Frettchen"-Chef auf eine Strafe gefasst machen. Auch den Videofilmern, die an Bord waren, droht Ungemach. "Der Film schadet dem Ansehen der Bundeswehr; es besteht der Verdacht auf ein Dienstvergehen der Soldaten", sagt Meiert. Andererseits haben sie ungewollt auch ein gutes Werk getan: Der Film und die im Internet kursierenden Fotos helfen bei der Aufklärung. "Es gibt kaum eine Havarie, die so gut dokumentiert ist", sagt Meiert.

Die Schnellboote gehören zu einem internationalen Flottenverband unter dem Kommando der Deutschen. Er kreuzt vor der libanesischen Küste und soll Waffenschmuggel verhindern. Insgesamt setzen die Deutschen zwei Fregatten, vier Schnellboote und zwei Versorgungsschiffe ein. Der Heimathafen der Schnellboote ist Rostock-Warnemünde.

lk/DPA/DPA
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