Startseite

Gaswolke schürt Angst in Kalifornien

Aus einem unterirdischen Gasspeicher in Los Angeles tritt ungehindert Methan aus - und zwar schon seit Monaten. Der Gouverneur hat nun den Notstand ausgerufen. Es drohen schwere Umweltschäden.

Luftaufnahmen aus Kalifornien zeigen, wie Gas aus einer Fabrik strömt

Luftaufnahmen aus Kalifornien zeigen, wie Gas aus einer Fabrik strömt

Wegen eines schon vor Monaten entdeckten Gaslecks in Los Angeles hat Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown den Notstand für das betroffene Gebiet ausgerufen. Damit könnten nun alle Kräfte des US-Bundesstaats mobilisiert werden, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und den betroffenen Anwohnern zu helfen, erklärte Brown. Tausende Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. Experten warnten vor schweren Umweltschäden durch das austretende Methan.

Aus einem unterirdischen Gasspeicher der Firma Southern California Gas Company im Aliso Canyon bei Los Angeles strömt bereits seit Ende Oktober Methan aus - nach offiziellen Angaben zwischen 30.000 und 58.000 Kilogramm pro Stunde. Fast 2200 Familien aus dem Vorort Porter Ranch, die über Kopfschmerzen, Übelkeit und Nasenbluten klagten, wurden über Weihnachten von dem Gasversorger in Notunterkünfte gebracht. Tausende weitere baten um ihre Evakuierung.

Abdichtung des Lochs kann noch bis März dauern

Brown erklärte nun am Mittwoch (Ortszeit), alle Behörden des Staates würden "ihr Personal, ihre Ausrüstung und ihre Infrastruktur" einsetzen, um auf den Vorfall zu reagieren. Sein Büro werde die Lage genau beobachten und die Betroffenen regelmäßig informieren. Er traf sich demnach am Montag mit Bewohnern von Porter Ranch, das knapp 50 Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum von Los Angeles liegt.

Eine Unternehmenssprecherin versicherte, dass alles getan werde, um das Leck in mehr als 2400 Metern Tiefe "schnell und sicher" zu schließen und die Auswirkungen für die Anwohner zu verringern. Es könne aber noch bis Ende März dauern, bis es es komplett abgedichtet sei. Schon Ende Dezember hatte es geheißen, das Leck sei zwar lokalisiert worden, doch könnten sich die Reparaturarbeiten noch "drei bis vier Monate" hinziehen.

Gefahr für die Umwelt

Von dem Leck geht nach Behördenangaben keine unmittelbare Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung aus. Das ausströmende Methan hat aber gravierende Auswirkungen auf die Umwelt: Als Ende November besonders viel Gas ausströmte, erhöhten sich die Treibhausgas-Emissionen Kaliforniens um ein Viertel, wie die Behörde für Luftqualität in Kalifornien mitteilte.

Die Umweltwissenschaftlerin Stephanie Pincetl von der Universität von Los Angeles bezeichnete das Leck als "katastrophal". Methan sei ein Treibhausgas, dessen Wirkung auf lange Sicht "80 Mal stärker ist als Kohlenstoffdioxid". Der Vorfall von Porter Ranch zeige zudem die Störempfindlichkeit älterer Anlagen.

kis/AFP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools