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Aurora-Opfer sehen "Batman"-Film zu Ende

Sie haben das Aurora-Massaker überlebt. Ein Ehepaar versucht, den Schock zu überwinden, indem es ins Kino zurückgekehrt ist und "The Dark Knight Rises" zu Ende gesehen hat.

Von Sophie Albers

  Trauer in Aurora

Trauer in Aurora

Gut zwei Wochen nach dem Massaker von Aurora hat sich die internationale Aufmerksamkeit längst in andere Gefilde verlagert. Die Opfer eines offenbar geistig Verwirrten, der während der Mitternachtspremiere des lang ersehnten Abschlusses der "Batman"-Trilogie "The Dark Knight Rises" in einem Kino im US-Bundesstaat Colorado das Feuer eröffnete, zwölf Menschen tötete und 58 verletzte, sind wieder mit sich allein. Die Eheleute Jacqueline Keavney und Don Lader haben ihren persönlichen Kampf mit dem Attentäter aufgeschrieben.

In "The Daily Beast", der Online-Ausgabe des "Newsweek"-Magazins, steht ihre ganz eigene Sicht auf die Tragödie und den Umgang mit ihr. Der Text von Jacqueline Keavney Lader beginnt trotz Horror und Trauer wundervollerweise mit dem Satz: "Mein Mann Don und ich lieben das Kino".

Nach 20 Minuten kam der Mörder

In der Nacht zum 20. Juli seien sie eine Stunde vor Beginn der Mitternachtsvorstellung im Century-Kino in Aurora angekommen, hätten sich auf ihre Stammsitze in der achten Reihe gesetzt und sich über die begeisterten Mitgucker gefreut. Einige davon waren, dem Film zu Ehren, kostümiert. "Jemand stand auf und rief 'eine halbe Stunde noch', und die Menge klatschte und johlte", schreibt Lader.

Als der Film begann, habe "totale Stille" voll begeisterter Spannung geherrscht. Nach 20 Minuten hätten sie einen Mann im "Kopf bis Fuß"-Körperpanzer gesehen, der durch einen Notausgang ins Kino "schlenderte" und eine Rauchgranate warf - "direkt über unsere Köpfe in die Menge". Ihren ersten Gedanken, dass es sich um einen schlechten Scherz handle, gab Lader sofort auf, als sie das Tränengas roch. "Etwas, das Sie über uns wissen müssen: Wir haben beide als Marines gedient", schreibt sie. Und die trainierten regelmäßig mit Tränengas. Sie hätten sich sofort auf den Boden geworfen, gleichzeitig habe der Angreifer das Feuer eröffnet. Ihr Mann habe sie mit seinem Körper geschützt. Dann habe der Angreifer plötzlich aufgehört zu schießen. Ihr Mann habe sie hochgerissen und sei mit ihr zum Ausgang gesprintet. Von anderen panisch flüchtenden Kinobesuchern seien sie "niedergeschlagen" worden und "auf uns wurde ein bisschen herumgetrampelt, aber wir sind wieder auf die Füße gekommen", und sie seien so schnell sie konnten ins Freie gerannt, schreibt Lader. Bis zum Auto seien sie gelaufen und machten sich sofort auf den Weg nach Hause. Doch dann hätten sie zwei Frauen und einen Teenager gesehen, die offensichtlich zurück ins Kino wollten. "Gehen Sie da nicht hin, da ist ein Typ mit Waffe", zitiert Lader ihren Mann. Eine der Frauen habe geantwortet: "Aber ich habe drinnen meinen Schlüssel vergessen". Don Lader habe sie in sein Auto verfrachtet und sei losgefahren - vorbei an sechs Polizeiwagen, die gerade zum Kino fuhren.

Keiner der sechs Insassen habe auch nur geahnt, was im Kino tatsächlich passiert ist, so Lader weiter. Zuhause habe sie schließlich die Polizei angerufen. Die hätte sie zurückbeordert zur Absperrung vor dem Kino, damit sie eine Aussage machten. "Zu sagen, dass wir unter Schock standen, wäre die Untertreibung des Jahres."

Lebenswichtiger Kinobesuch

Sie wisse nicht, warum sie und ihr Mann überlebt haben, und zwölf andere Kinogänger nicht, schreibt Lader. "Ob es Glück, Schicksal oder das militärische Training waren, werden wir nie wissen." Aber "wir werden nicht zulassen, dass die Angst das Kommando übernimmt. Wir lassen nicht zu, dass ein Irrer unseren Geist und unsere Seele verletzt, so wie er versucht hat, unsere Körper zu verletzen".

Deshalb sei ihnen klar gewesen, dass sie mit jemandem über die Tragödie sprechen müssen. "Wir waren beide im Irak. Wir haben auf die harte Art gelernt, dass es genauso traumatisch sein kann, sich nicht behandeln zu lassen oder schlecht behandelt zu werden wie die körperliche Wunde selbst." Am Morgen nach dem Massaker hätten sie Hilfe gesucht, und der Therapeut habe ihnen dazu geraten, den Film noch einmal zu sehen - um sich zu "befreien".

"Am Samstag, dem 21. Juli, am Tag nach der Schießerei, sind Don und ich in ein anderes Aurora-Kino gegangen, um den Film zu Ende zu sehen. Es gab heftige, verspannte Momente, aber wir haben es zusammen geschafft. Um weitermachen zu können, mussten wir den Film noch einmal sehen." Es habe ihnen dabei sehr geholfen, dass ein gut sichtbarer, aufmerksamer Polizist in Uniform im Filmtheater gewesen sei. "Wann immer er in den Saal kam, um die Lage zu checken, haben wir beide vor Erleichterung geseufzt."

Genau eine Woche nach dem Massaker hätten sie "The Dark Knight Rises" sogar noch einmal gesehen. Der Junge, den sie in der Nacht im Auto mitgenommen haben, habe Don darum gebeten. Für sie alle sei der Kinobesuch lebenswichtig, so Lader, denn "wenn die Angst uns davon abhält, wagemutig und echt zu leben, dann hat der Schütze - und andere Mörder wie er - gewonnen."

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