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Stalin als Gutschein-Code: US-Pizzadienst sorgt für Skandal in Russland

Josef Stalin war einer der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte. Für den US-Lieferdienst "Papa Jone's Pizza" kein Grund, auf den Diktator als Werbefigur zu verzichten. Mit einer Promo-Aktion löste der Lieferant in Russland nun einen Skandal aus.

Der Lieferdienst "Papa Jone's Pizza" geht mit Josef Stalin auf Kundenfang

Ein Werbeplakat in Donezk zeigt das Portrait von Josef Stalin. Auch der Lieferdienst "Papa Jone's Pizza" wollte mit dem Diktator auf Kundenfang gehen

Eine Gratis-Pizza für einen Promotion-Code: Mit dieser einfachen Werbestrategie ging der US-Lieferdienst "Papa Jone's Pizza" in Russland auf Kundenfang. Doch aus dem Werbestreich wurde ein PR-Desaster. Denn der verlangte Promo-Code löste bei vielen russischen Fastfood-Fans Übelkeit statt Appetit aus. "Josef Stalin" lauteten die zwei Zauberwörtchen, mit denen man eine kostenlose Hawaii- oder Pepperoni-Pizza bekam.

Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Schon kurz nach dem Start der Aktion Anfang des Monats machten die Russen der Lieferdienst-Kette über soziale Netzwerke deutlich, was sie davon hielten. Als auch noch der Chefredakteur des unabhängigen Fernsehsenders "Doschd", Ilja Klischin, den Fall aufgriff und "Papa Jone's Pizza" in einem Facebook-Post scharf attackierte, brach ein Sturm der Entrüstung los.

Sein Urgroßvater habe einst unter dem Diktator leiden müssen, weil er sich erlaubt hätte, eine elektronische Mühle zu entwickeln, schrieb der Journalist. Für Stalin und seine Schergen sei das bloß Bourgeoisie-Pomp gewesen. Nun entrichtete er im Namen seines Urgroßvaters Grüße an die "kranken Idioten" von "Papa Jone's Pizza".

Russen boykottieren "Papa Jone's Pizza"

Bei vielen Landsleuten Klischins löste der Name "Josef Stalin" schreckliche Erinnerungen aus. Den politischen "Säuberungen" des sowjetischen Diktators fielen Millionen Menschen zum Opfer. Sie wurden ermordet, deportiert und zu Zwangsarbeit in den Gulags verurteilt. Historiker gehen von acht Millionen Todesopfern aus. Den Namen eines der größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts als Promo-Code für eine Gratis-Pizza zu verwenden, empfinden viele Menschen als äußerst grotesk.

"Im Angedenken an meine beiden Großväter, die ich dank des verfluchten Schnauzbartträgers nicht kennenlernen durfte, will ich nichts mehr von 'Papa Jone's Pizza' wissen", schrieb eine Nutzerin auf Facebook. Auch viele andere wollen den Lieferservice künftig boykottieren.

"Für Adolf Hitler gibt es wohl bayrische Würstchen"

Einige reagieren hingegen mit Zynismus: "Für den Code Adolf Hitler gibt es wohl dann bayerische Würstchen", schrieb beispielsweise ein Nutzer auf Twitter.

Mittlerweile hat "Papa Jone's Pizza" die Aktion gestoppt und sich entschuldigt. Auf Facebook schrieb der Lieferdienst, es sei keineswegs Ziel der Werbekampagne gewesen, die Taten Stalins umzudeuten und zu bewerten.

Tatsächlich war die Kampagne im Rahmen des Online-Spiels "World of Tanks" gestartet worden. Die Spieler sollten den Namen eines Panzers erraten, der nach Josef Stalin benannt worden war. Die Lösung des Rätsels sollte schließlich als Gutschein für eine Gratis-Pizza eingelöst werden.

ivi
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