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Jugendliche nahmen tödliche Abkürzung

Es sollte eine Abkürzung zur Strandparty sein, doch für 13 Jugendliche war es der Weg in den Tod: Nach dem schweren Zugunglück in Castelldefels haben die Behörden bestätigt, das die Opfer direkt über die Gleise gelaufen waren. Augenzeugen schildern den Unfall als Inferno.

Bei einem schweren Zugunglück in dem spanischen Küstenort Castelldefels südwestlich von Barcelona sind nach neusten Angaben 13 Menschen ums Leben gekommen. 14 weitere wurden schwer verletzt. Drei von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Die Opfer wurden im Bahnhof der katalanischen Ortschaft von einem Schnellzug erfasst, als sie die Gleise überquerten, um an den Strand zu gelangen. Dort wollten sie nach altem Brauch an einem Johannisfeuer teilnehmen, um die Sommersonnenwende zu feiern, wie es hieß.

Die größtenteils jungen Opfer waren kurz vor dem Unglück am Mittwochabend gegen 23.30 Uhr in einem Nahverkehrszug aus Barcelona in Castelldefels eingetroffen. Augenzeugen berichteten, rund 30 Personen hätten den direkten Weg über die Gleise genommen, statt einen Fußgängertunnel zu benutzen. Auch die katalanischen Behörden erklärten, die Jugendlichen hätten fahrlässig gehandelt, weil sie die Gleise überquerten, anstatt die vorhandene Unterführung zu nutzen. Die Staatsbahn Renfe betonte, seitens des Unternehmens seien alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten worden.

Überlebende berichteten dagegen, die Unterführung sei angesichts der Menschenmenge völlig überfüllt gewesen. Außerdem sei die Gegend schlecht beleuchtet gewesen. In der Nähe des Bahnhofs gibt es auch eine Fußgängerbrücke, die aber wegen Bauarbeiten gesperrt ist.

"Alles voller Blut und Leichenteile"

Auf den Gleisen wurden die Jugendlichen in Sekundenbruchteilen von einem Schnellzug erfasst, der von Valencia nach Barcelona fuhr und erst mehrere Hundert Meter nach dem Aufprall zum stehen kam. Ein Augenzeuge beschrieb die Ereignisse als Inferno: Die jungen Leute seien "in einer Welle" über die Gleise gegangen. Er habe sich zurückgehalten und auf dem Bahnsteig gewartet. "Die Euphorie im Zug vorher schlug sofort in Schmerzensschreie um. Die Leute schrien 'meine Tochter, meine Schwester'" sagte der Mann. Er habe "verstümmelte Menschen gesehen, überall Blut, Blut auf dem Bahnsteig".

"Alles war voller Blut und Leichenteile", berichtete auch ein schockierter Anwohner. Der Besitzer des Bahnhof-Ladens sagte: "Es war brutal. Es hörte sich an als würde jemand Steine zermalmen, dabei waren es Menschen." Auch mehrere Stunden nach dem Unfall lagen einem AFP-Fotografen zufolge noch eine Leiche und Leichenteile auf den Gleisen. Die Toten seien so entstellt, dass sie zunächst nicht identifiziert werden konnten, hieß es. Unter ihnen soll es aber mehrere Einwanderer aus Lateinamerika geben.

Rund 40 Krankenwagen und Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr waren nach dem Unglück zum Bahnhof geeilt. Noch in der Nacht trafen auch erste Angehörige der Opfer ein. Der Zivilschutz brachte sie in eine Stadthalle der 62.000 Einwohner zählenden Gemeinde. Dort wurden sie von Psychologen betreut. Es war der schwerste Zugunfall in Spanien seit sieben Jahren: 2003 kamen 19 Menschen beim Zusammenstoß eines Personenzugs mit einem Güterzug ums Leben.

mad/tib/DPA/AFP/APN/DPA

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