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Händeschütteln mit einem Massenmörder: Empörung über Sean Penn

Er war der meistgesuchte Verbrecher der USA: Drogenboss "El Chapo" war monatelang auf der Flucht. Währenddessen traf Schauspieler Sean Penn ihn auf einen Tequila im Dschungel. Vor allem in Mexiko herrscht Fassungslosigkeit.

Schauspieler Sean Penn traf den mexikanischen Drogenboss "El Chapo"

Handschlag mit dem meistgesuchten Verbrecher der USA: Schauspieler Sean Penn traf für das Magazin "Rolling Stone" den mexikanischen Drogenboss "El Chapo"

Nach seinem Interview mit dem mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán muss sich Schauspieler Sean Penn scharfe Kritik gefallen lassen. "Sean Penn hätte die Familien der Menschen interviewen sollen, deren Leben durch El Chapos Gier und Grausamkeit zerstört oder beendet wurden", schrieb der New Yorker Jesuitenpater James Martin auf Twitter. Ein anderer Nutzer fragte: "Bin ich der einzige, der sich daran stört, dass ein Celebrity mit einem Massenmörder posiert?"

Der 55-jährige "El Chapo", bis vor kurzem der meistgesuchte Verbrecher der USA, war am Freitag vom mexikanischen Militär gefasst worden. Einen Tag später veröffentlichte das Magazin "Rolling Stone" einen Artikel von Sean Penn, in dem er über ein gemeinsames Treffen im vergangenen Oktober berichtet. 

Nach monatelangen, geheimen Verhandlungen trafen sich die beiden demnach am 2. Oktober sieben Stunden lang auf einer Dschungellichtung. Das Magazin druckte ein Foto, auf dem Penn Guzmán die Hand gibt. Bei einem Tequila habe "El Chapo" dann mit seinen Verbrechen geprahlt: "Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt", gab ihn Penn wieder. 

"Das ist eher Hollywood-Entertainment"

Der mexikanische Journalist Alfredo Corchado twitterte: "Das als Interview zu bezeichnen, ist eine schwere Beleidigung für alle Journalisten, die im Namen der Wahrheit starben." Penn habe "El Chapo" nicht in Frage gestellt und das Gespräch vor der Veröffentlichung von ihm autorisieren lassen, sagte Corchado der "Washington Post". "Das ist eher Hollywood-Entertainment."

Auch die Aktivistin Lisa Guerrero ist der Meinung, dass es sich um eine Inszenierung der Unterhaltungsindustrie handelt - und dass das eigentliche Problem in den Hintergrund gerät. "88 mexikanische Journalisten starben, als sie über Drogenkartelle berichteten. Hört auf, das zu glorifizieren, Hollywood und #SeanPenn."

Eine andere Nutzerin schrieb: "Die Millionen Opfer von #ElChapoGuzman danken #SeanPenn vielmals, aus einem Verbrecher einen Helden gemacht zu haben."

Auch einige US-Politiker kritisierten Penn. Ein Sprecher des Weißen Haus sagte, es sei "unerträglich", wie Guzmán mit seinen Verbrechen geprahlt habe. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio nannte das Treffen "grotesk".

Muss Sean Penn mit Strafe rechnen?

Nun stellt sich die Frage: Hat Sean Penn mit dem Interview gegen Gesetze verstoßen? Wie "ABC News" unter Berufung auf Rechtsexperten schreibt, wird er voraussichtlich nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. 

Ein Treffen und ein Gespräch seien an sich keine kriminelle Handlung, wurde der Anwalt Floyd Abrams zitiert. "Hätte er ihm Geld gegeben, oder einen Ratschlag jeglicher Art, etwa wie er es verhindern könnte, gefasst zu werden, das wäre etwas anderes."

Es sei aber vorstellbar, dass Penn in einem möglichen Prozess gegen "El Chapo" als Zeuge aussagen müsste. Das könnte zu einem Konflikt zwischen dem Justizminsiterium und Penn führen, sagte Abrams.

Mexiko liefert "El Chapo" aus

Die mexikanische Regierung hat das Verfahren für die Ausweisung des Drogenbosses in die USA begonnen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft besuchten zwei Beamte von Interpol Mexiko das Hochsicherheitsgefängnis nahe Mexiko-Stadt, um zwei Haftbefehle zu vollstrecken. Damit wurde das Auslieferungsverfahren offiziell eröffnet. Von amtlicher Seite hieß es, das Verfahren könne sich über Monate hinziehen.

kis/mit AFP
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