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Orkan legt den Norden lahm

Bei der Deutschen Bahn geht in Norddeutschland teils nichts mehr. Zu gefährlich wären Fahrten bei diesem Unwetter. Auch Flugpassagiere in Hamburg hatten Pech: Sie kamen nicht aus den Fliegern heraus.

Der Herbststurm "Christian" hat Norddeutschland mit voller Wucht getroffen. An der deutschen Nordseeküste tobten am Nachmittag orkanartige Böen. Der Deutsche Wetterdienst gab für Schleswig-Holstein, Bremen, Teile Niedersachsens und einige Regionen in Nordrhein-Westfalen eine Unwetterwarnung heraus.

Der Bahnverkehr kam im Norden teilweise zum Erliegen. Von Hamburg-Altona aus fahren derzeit keine Züge der Deutschen Bahn mehr nach Norden oder Süden, Verbindungen in andere Richtungen sind verspätet, nach Berin fielen Züge aus, berichtete beispielsweise ein Reisender am frühen Nachmittag stern.de. Auch Linien des Regionalverkehrs in Mecklenburg-Vorpommern wurden eingeschränkt. Wie viele Züge genau betroffen waren, stand noch nicht fest

Züge stehen, Flugzeuge machen keine Tür auf

Laut der Website der Deutschen Bahn fielen mehrere Züge wegen des Unwetters aus. In der Hansestadt stürzten mehrere Bäume um. Auch etliche S-Bahnen fuhren in Hamburg wegen umgestürzter Bäume nicht mehr. Der Hamburger Flughafen fertigte laut NDR am nachmittag keine Maschinen mehr ab. "Wer landet, muss im Flugzeug warten, zu windig, um Türen zu öffnen", #link;https://twitter.com/NDRreporter/status/394839953680916480;hieß es bei NDR-Reporter auf Twitter. #

Insgesamt mussten wohl bis zu 1300 Fluggäste lange in ihren gelandeten Maschinen auf dem Hamburger Airport ausharren. Um 14.45 Uhr musste die Abfertigung wetterbedingt eingestellt worden, sagte eine Flughafensprecherin. Zeitweise standen deshalb bis zu 13 Flugzeuge auf dem Vorfeld. Dort war ein Arbeiten nicht mehr möglich. "Die Kapitäne entschieden sich gegen das Öffnen der Maschinen", sagte die Sprecherin weiter. Wenn die Luken der Flugzeuge aufgingen, sei die Sicherheit der Passagiere nicht mehr garantiert. Wie viele Menschen genau an Bord betroffen waren, stand zunächst nicht fest. Der Flughafen schätzte, dass sich die Lage gegen Abend entspannen würde

Regionalbahnverkehr im Norden zusammengebrochen

Seit 14.30 Uhr war der komplette Regionalverkehr der Deutschen Bahn in Schleswig-Holstein wetterbedingt eingestellt worden. Starke Beeinträchtigungen gebe es auch in Niedersachsen, teilte die Deutsche Bahn auf Anfrage mit. Am Flughafen Düsseldorf fielen am Montag mehrere Flüge aus. In Thüringen kam am Mittag auf der Autobahn 71 zwischen Ilmenau-West und Gräfenroda in beide Fahrtrichtungen der Verkehr zum Erliegen. Bei starkem Wind mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde hatten sich zuvor mehrere Lastwagen quergestellt.

Für die nordfriesische Küste und das Elbegebiet im Norden gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eine Sturmflutwarnung heraus. An den Küsten kam es zu zahlreichen Ausfällen im Fährverkehr. Bereits am Morgen war Helgoland vom Festland abgeschnitten.

Das Orkantief "Christian" entwickelte laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) am Nachmittag Windgeschwindigkeiten von bis zu 162 Kilometern pro Stunde auf dem Brocken im Harz. "Das Schlimmste ist jetzt aber durch", sagte ein DWD-Meteorologe ebenfalls am Nachmittag. Im Laufe der Woche sollte der Wind bundesweit abflauen.

Fünf Sturmtote in Deutschland

Mehrere Menschen wurden bei dem Sturm in ganz Europa getötet, in Deutschland mindestens fürf. In Gelsenkirchen wurden am Montag ein Autofahrer und ein minderjähriger Beifahrer von einem Baum erschlagen. Die Identität und das Geschlecht des getöteten Mitfahrers waren zunächst unbekannt.

Bereits am Sonntag starb in einem See in der Nähe von Köln ein Segler, nachdem er mit seinem Boot gekentert war. Bei Sundern im Hochsauerlandkreis ertrank am selben Tag ein Angler. Nach Auskunft eines Feuerwehrmannes war sein Boot vermutlich wegen starken Wellengangs umgekippt.

Auf einer Landstraße bei Schortens in Niedersachsen sei am Montag ein Baum auf das Auto einer Frau gestürzt, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Fahrerin, die in Richtung Jever unterwegs war, sei an der Unfallstelle gestorben.

Mehrere Tote auch in Großbritannien

Der Orkan wütete am Morgen im Süden Großbritanniens, später bewegte sich das Sturmtief auf die deutsche Nordseeküste zu und zog in Richtung Skandinavien. In Großbritannien wurden mindestens zwei Menschen von umstürzenden Bäumen erschlagen, den Ärmelkanal konnten zwischenzeitlich keine Fähren mehr passieren.

In Hever im Südosten Englands kam nach Polizeiangaben ein 17-jähriges Mädchen ums Leben, als ein Baum auf ihren Wohnwagen stürzte. In Watford nördlich von London wurde ein Mann in seinem Auto ebenfalls von einem umstürzenden Baum erschlagen. An der Küste in Sussex wurde wegen des Unwetters die Suche nach einem 14-jährigen Jungen eingestellt, der am Sonntag von den Wellen ins Meer gerissen worden war. Der Wind fegte nach Angaben des Wetterdienstes mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern über große Teile Großbritanniens. Auf der Isle of Wight wurden sogar Sturmböen von fast 160 Stundenkilometern gemessen. Stundenlanger heftiger Regen sorgte zudem vielerorts für Überschwemmungen. Zwischen London und dem Süden und Westen Englands fuhren am Morgen keine Züge, am Flughafen London-Heathrow wurden 130 Flüge gestrichen. Von den Häfen in Dover und Calais in Frankreich legten mehrere Stunden lang keine Fähren mehr ab.

Zwei Fähren mit über 450 Menschen an Bord hingen über zwei Stunden lang vor der englischen Küste fest, nachdem der Hafen von Dover geschlossen worden war. Auch beim Schnellzug Eurostar, der unter dem Ärmelkanal verkehrt, gab es Verspätungen.

Hunderte Bäume und Stromleitungen wurden umgerissen, zwischenzeitlich waren in Großbritannien rund 270.000 Haushalte ohne Strom. Das Atomkraftwerk Dungeness B wurde vorsorglich abgeschaltet. In London krachte ein Kran auf ein Regierungsgebäude, nach Polizeiangaben gab es jedoch keine Verletzten. In Hounslow im Westen von London beschädigte ein umgestürzter Baum eine Gasleitung. Nach Angaben der Feuerwehr stürzten drei Häuser ein, zwei weitere wurden beschädigt.

Auch im Nordwesten Frankreichs wütete das Orkantief "Christian". Auf der Insel Belle-Île in der Bretagne wurde eine Suchaktion gestartet, nachdem eine Frau von den Wellen ins Meer gerissen wurde. Am Cap Gris-Nez am Ärmelkanal wurden Windgeschwindigkeiten von bis 147 Stundenkilometern gemessen. 65.000 Haushalte waren am Morgen ohne Strom.

Auf seinem Weg nach Skandinavien richtete der Sturm auch in den Niederlanden schwere Schäden an. In Amsterdam wurde eine Frau von einem Baum erschlagen, wie ein Polizeisprecher sagte. Wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete, gab es zudem mehrere Verletzte. Am Amsterdamer Hauptbahnhof wurde der Zugverkehr eingestellt, wie die niederländische Bahngesellschaft NS mitteilte. Auch zum Flughafen Schiphol fuhren keine Züge, zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder hatten Verspätung.

anb/DPA/DPA
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