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"Die Schuld, die ich fühle, ist so gewaltig"

Dylan Klebold war einer der Täter des Massakers an der Columbine Highschool 1999. Fast 17 Jahre später gewährt seine Mutter, Sue Klebold, in einem Buch Einblick in ihr Seelenleben und sagt, was sie sich heute noch vorwirft.

Eric Harris und Dylan Klebold

Bilder aus einer Überwachungskamera in der Columbine Highschool vom 20. April 1999: Eric Harris (l.) und Dylan Klebold (r.) kurz vor dem Massaker

Wie soll man nur leben mit dieser Schuld? Mitverantwortlich zu sein für das Massaker, das Eric Harris und Dylan Klebold im April 1999 an der Columbine Highschool anrichteten? Sue Klebold, Mutter eines der Täter, versucht diese Frage fast 17 Jahre später in einem Buch zu beantworten: "A Mother's Reckoning: Living in the Aftermath of the Columbine Tragedy" (dt.: "Abrechnung einer Mutter. Leben mit den Folgen der Columbine-Tragödie", d. Red.) erscheint am Montag. Doch schon jetzt gibt Sue Klebold in Interviews einen Einblick in ihr Seelenleben.

Manchmal, so berichtete sie der BBC, sitze sie an der Gedenkstätte für die zwölf Schüler und den Lehrer, die beim Massaker an der Columbine Highschool starben. "In meinem Kopf spreche ich mit dem Lehrer und den Schülern, die dort sind - ohne den Rest der Welt, ohne Eltern, ohne Anwälte, ohne Öffentlichkeit", sagt Klebold. "Ich will sie einfach wissen lassen, dass ich an sie denke. Und ich werde immer an sie denken."

"Die Schuld ist so gewaltig"

Ihren Sohn Dylan liebt sie noch immer, wie sie dem "Guardian" sagte. Sie glaube nicht, dass ihr Sohn ein Monster war. Aber sie könne sich nicht vergeben, nicht bemerkt zu haben, dass etwas mit ihm falsch war. "Man denkt zurück an jedes Gespräch, an jedes Geschenk, an jeden Moment und was man fühlt, ist Selbsthass", sagte Klebold dem "Guardian". "Ich habe das geschehen lassen. Meine Rolle war es, ihn zu schützen und auch andere zu schützen. Und irgendwie ist das meinetwegen passiert, weil ich nicht in der Lage war, es zu verhindern", so Klebold. "Die Schuld, die man fühlt, passt nicht in einen Raum, sie ist so gewaltig."

Zwar habe sie bemerkt, dass sich das Verhalten ihres Sohnes verändert habe. Allerdings deutete sie das als Zeichen seines Erwachsenwerdens. "Es ist mein größters Bedauern, dass diese Verhaltensweisen auf etwas anderes hingedeutet haben könnten: Depressionen vielleicht", sagte Klebold dem "Guardian".

Abends wollte sie ihren Sohn zur Rede stellen

Den Morgen des Massakers schilderte Klebold der BBC: Draußen sei es noch dunkel gewesen und im Haus brannte auch noch kein Licht. Ihr Sohn, der sonst morgens nur widerwillig aufstand, sei die Treppe heruntergestürmt und an ihrem Schlafzimmer vorbei zur Haustür gegangen. "Ich konnte ihn nicht sehen und alles, was ich hörte, war 'Bye', dann schlug er die Tür zu und ging", sagte Klebold. In ihrem Buch schreibt sie laut BBC, dass sie von der Härte in seiner Stimme erschrocken gewesen sei. Sie und ihr Mann beschlossen, sich am Abend mit ihrem Sohn zusammenzusetzen und zu fragen, ob etwas nicht stimmte. Im Nachhinein wünscht sie sich, sie hätte ihn aufgehalten und gesagt: "Setz' dich. Du gehst nirgendwo hin. Wir müssen reden."

Nach der Tat fiel es ihr schwer zu akzeptieren, dass ihr Sohn ein Killer war. "Ich glaubte, dass er in etwas verwickelt war, was fürchterlich schief gegangen war und wodurch Leute verletzt und getötet worden waren", sagte Klebold der BBC. Erst als sechs Monate später der Polizeibericht herausgekommen war, musste sie sich eingestehen, dass ihr Sohn ein Mörder war.

Bucheinnahmen sollen psychisch Kranken helfen

2009 hatte Klebold sich zum ersten Mal öffentlich über ihren Sohn und das Columbine-Massaker geäußert. Nun also folgt eine ausführliche Schilderung der Vorgeschichte und der Folgen des Amoklaufs aus ihrer Sicht. Vielleicht hilft es ja ihr und den Angehörigen dabei, die Tat zu verstehen und besser zu verarbeiten. Ums Geld geht es Klebold - trotz privater Pleite wegen der Schadensersatzansprüche der Opferfamilien - offenbar nicht. Die Einnahmen aus den Buchverkäufen sollen laut "Spiegel Online" an Organisationen gehen, die sich um psychisch Kranke kümmern.

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