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Warum die meisten Verschwörungstheorien Quatsch sind

Manch einer ist sich sicher: Dunkle Mächte kontrollieren die Welt im Geheimen und nichts ist, wie es scheint. Doch eine mathematische Formel soll zeigen, dass an den meisten Verschwörungstheorien überhaupt nichts dran sein kann.

Aluhutträger

Der Aluhut steht als Symbol für Verschwörungstheoretiker, da sich einige Vertreter dieser Zunft mit eben jenen vor gefährlichen Strahlen - woher auch immer - schützen wollen

Die USA waren nie auf dem Mond, der von Menschen verursachte Klimawandel ist eine Erfindung von zwielichtigen Wissenschaftlern und Impfungen sind eine perfide Täuschung der Pharmaindustrie. Verschwörungstheorien. Im Zeitalter des Internets sind sie geradezu allgegenwärtig. Ein Physiker der Universität Oxford hat nun ein mathematisches Model entwickelt, das zeigen soll, wie unwahrscheinlich die meisten dieser Thesen sind - aus einem recht einfachen Grund.

Grob umrissen geht es dabei um die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Verschwörung über längere Zeit geheim gehalten werden kann. Entscheidend ist dabei die Anzahl der eingeweihten Personen. Je mehr Menschen davon wissen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Geheimnis auffliegt. Dabei lässt die Formel eine mögliche Aufdeckung von außen unbeachtet. Es geht einzig um Mitwisser, die sich verplappern könnten. Als Vergleichsgrößen dienen drei der wenigen aufgeflogenen Verschwörungen aus der Vergangenheit:


  • Prism-Affäre: Edward Snowden deckte nach sechs Jahren Geheimhaltung 2013 auf, dass Geheimdienste alles und jeden ausspähen.
  • FBI-Forensik-Skandal: 1998 - ebenfalls nach sechs Jahren - flog auf, dass die US-amerikanische Bundespolizei mit fragwürdigen Methoden zum Nachweis von Verbrechen Unschuldige in die Todeszelle gebracht hatte.
  • Tuskegee-Syphilis-Experiment: 1972 wurde publik, dass US-Gesundheitsbehörden in den 1940er-Jahren Afro-Amerikaner mit Syphilis während eines Forschungsprojektes nicht mit bestimmten Antibiotika behandeln ließen, obwohl deren Nutzen bereits bekannt war.


Formel auf gängige Verschwörungstheorien angewandt

Die daraus resultierende Formel wendet der Forscher Grimes auf vier gängige Verschwörungstheorien an:


  • Die Mondlandung: Der Klassiker. Seit die Nasa 1969 zum ersten Mal Menschen erfolgreich auf den Mond schickte, ranken sich Mythen um das im TV übertragene Ereignis. Das Ganze sei in einem Fernsehstudio gedreht worden, so der Vorwurf. Einer Umfrage in den USA aus dem Jahr 2013 zufolge glauben sieben Prozent der Amerikaner, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat. In der selben Umfrage bekannten sich übrigens vier Prozent zu dem Glauben, gestaltwechselnde Reptilienmenschen würden die Welt aus dem Geheimen heraus kontrollieren.
  • Klimawandel: Dieser ist durchaus verbreiteten Theorien zufolge nicht von Menschen verursacht. Er soll ein Schwindel sein, den Wissenschaftler in die Welt gesetzt hätten, um sich Gelder für ihre Forschungsprojekte zu erschleichen.
  • Impfungen: Ebenfalls weit verbreitet - auch in Deutschland - ist die These, dass Impfungen mehr schaden als helfen würden und auf Lügen der geldgierigen Pharmaindustrie basierten. Auch ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus wird immer wieder unterstellt.
  • Krebsheilung: Manche Menschen glauben, die Heilung für Krebs sei längst gefunden, würde aber von einflussreichen Mächten zurückgehalten werden. Diese wollten weiter an den bekannten Therapien verdienen. Dieser Glaube wird oft von alternativen Heilern vorangetrieben, die ihre eigenen Erfindungen - oft mit erschreckendem Erfolg - als wahre Krebsheilmethode verkaufen.


Nach den Berechnungen des Forschers hätte die erschwindelte Mondlandung mit geschätzten 411.000 Mitwissern (damalige Mitarbeiter der Nasa) nach spätestens etwa drei Jahren und acht Monaten auffliegen müssen. Beim Klimawandel verhält es sich ähnlich: Mit rund 405.000 Mitwissern aus dem Bereich der Forschung hätte sich ebenfalls nach etwa drei Jahren und acht Monaten jemand verplappern müssen. Bei Impfungen und Krebsheilungen - sofern man in beiden Fällen die Pharmakonzerne mit in die Verschwörung einbezieht - hätte es der Formel zufolge sogar nur rund drei Jahre und zwei Monate dauern dürfen. In beiden Fällen wären über 700.000 Menschen involviert gewesen.

Einer plaudert immer

Die Berechnung stellt den einfachen Grundgedanken, dass ein Geheimnis niemals ein solches bleibt, wenn zu viele Menschen eingeweiht sind, statistisch dar und ist auch auf andere Bereiche anwendbar. So ist es ebenso schwer vorstellbar, dass knapp eine Viertelmillion Polizeibeamte in Deutschland die systematische Vertuschung von Verbrechen durch Flüchtlinge dauerhaft verschweigen könnte - wie teilweise behauptet wird. Auch die jahrelange und groß angelegte Manipulation der Atmosphäre durch sogenannte "Chemtrails" erscheint ob der Masse der Menschen, die in ein solches Projekt eingeweiht sein müssten, wenig glaubhaft. Von Reptilienmenschen ganz zu schweigen.

Doch ob die Anhänger solcher Theorien wirklich empfänglich für wissenschaftliche Argumente sind, zweifelt auch Forscher Grimes in seiner Abhandlung an. Einen kleinen Seitenhieb in deren Richtung konnte er sich nicht verkneifen. So steht im Bereich der Danksagungen seiner Studie: "Diese Arbeit erforderte keine spezielle Finanzierung, weder von nebulösen geheimen Verbindungen noch von anderer Seite."

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