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Tschernobyl-Katastrophe holt Russland ein

Die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl ist fast ein Vierteljahrhundert her, doch die Folgen holen Russland nun offenbar wieder ein. Schuld sind die verheerenden Waldbrände.

Die verheerenden Waldbrände in Russland drohen zunehmend, radioaktive Stoffe freizusetzen. Auf dem Gelände des atomaren Forschungszentrums in Sarow, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau, loderten am Freitag noch zwei Brände. Das teilte die Feuerwehr nach Angaben der Agentur Interfax mit. Trotz des starken Rauchs, der die Löscharbeiten behindere, sei die Lage aber derzeit unter Kontrolle. Am Vortag hatte Zivilschutzminister Sergej Schoigu davor gewarnt, dass die Brände radioaktiv verseuchten Boden im Gebiet von Brjansk aufwirbeln könnten.

Die Region ist seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl, das heute auf dem Staatsgebiet der Ukraine liegt, besonders stark von Radioaktivität betroffen. Schoigu sagte, dass durch die Flammen Partikel in die Luft und so in andere Regionen gelangen könnten. "Bei uns arbeiten einige Labors, und wir kontrollieren die Situation im Gebiet von Brjansk sehr genau - besonders im Süden im Kreis Nowosykowsk, der bei der Tschernobyl-Katastrophe besonders stark verseucht worden war", hatte Schoigu gesagt. Nähere Angaben machte die Regierung zunächst nicht.

"Mir ist ganz schlecht geworden"

Im Internet äußerten sich Bürger aus Brjansk besorgt. "Mir ist ganz schlecht geworden, als ich hörte, dass die im Wald Roboter zum Löschen einsetzen und schon keine Menschen mehr dorthin lassen", schrieb ein Blogger namens Doc. Brjansk befindet sich südwestlich von Moskau an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine. Die Stadt mit mehr als 400.000 Einwohnern liegt etwa 300 Kilometer von Tschernobyl, wo es 1986 zum sogenannten Super-GAU - einer Kernschmelze und Explosion - im Reaktor-Block 4 kam. Damals wurden auch weite Teile Europas mit radioaktiver Strahlung belastet. Brjansk liegt in den belasteten Gebieten, allerdings nicht in den seinerzeit eingerichteten Sperrzonen oder Beobachtungsgebieten.

Im Moskauer Umland sind Soldaten zudem weiter damit beschäftigt, ein Übergreifen der Flammen auf Munitionsdepots zu verhindern. Sie brachten Raketen und Artillerie in Sicherheit. Wegen der starken Rauchentwicklung durch die Wald- und Torfbrände im Moskauer Umland war die gesamte russische Hauptstadt erneut in dichten Smog gehüllt. Auf den Moskauer Flughäfen verzögerten sich dutzende Starts und Landungen wegen der schlechten Sicht von unter 300 Metern.

dho/DPA/DPA
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