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Flüchtlinge müssen in Zelten überwintern - "eine Katastrophe"

Tausende Flüchtlinge werden in Deutschland bis weit in den Winter hinein in Zelten leben. Für die Menschen ist das eine unwürdige und gesundheitsgefährdende Situation - selbst, wenn die Zelte beheizt sind wie in Köln-Chorweiler.

Von Tim Schulze

Zeltstadt für Flüchtlinge in Köln-Chorweiler

Im Winter keine angemessene Unterbringung: die Zeltstadt in Köln-Chorweiler

In aller Hektik wurde die Zeltstadt in Köln-Chorweiler Ende August errichtet. 16 Zelte für knapp 1000 Menschen - es ging zunächst nur darum, den Flüchtlingen eine halbwegs  menschenwürdige Unterkunft zu geben. Ein Dach über dem Kopf, einen Schlafplatz und sanitäre Einrichtungen. Doch als die ersten Flüchtlinge nach Chorweiler kamen, war es Hochsommer. Jetzt, mit zunehmender Kälte, werden improvisierte Erstaufnahmestellen wie in Chorweiler zunehmend zum Problem. In Deutschland leben laut der "Welt" über 42.000 Menschen in Zelten, in Nordrhein-Westfalen sind es 15.000, rund 850 von ihnen in Köln-Chorweiler.

Die Kölner Zeltstadt, die von den Johannitern betrieben wird, verfügt zwar über beheizte Zelte, doch das lindert die schlimmen Zustände kaum. Claus-Ulrich Prölß vom Kölner Flüchtlingsrat nennt die Verhältnisse "für die Menschen eine einzige Katastrophe". Die Zelte werden mit Warmluftgebläsen beheizt, die Temperatur ist nicht regulierbar. Bis zu 60 Menschen leben unter einem Dach, es ist eng und stickig. Für jeden Gang zur Toilette müssen die Menschen sich warm anziehen. Besonders für Familien mit Kleinkindern ist das ein großer Aufwand. Oft geht es nur in Flipflops zum Klo.

Perspektivlosigkeit sorgt für Spannungen

Vor allem Kinder "leiden an Infektionskrankheiten und Erkältungen", erzählt Prölß. Viele kommen bereits krank nach Chorweiler, vollkommen erschöpft oder traumatisiert. Prölß beklagt zudem die Perspektivlosigkeit, die vielen Flüchtlingen zu schaffen mache. Bis vor kurzen seien  viele in Chorweiler nicht registriert, ihre Zukunft gänzlich ungewiss gewesen. Das habe für große Spannungen gesorgt. Hinzu kommt: Oft müssen die Flüchtlinge bedeutend länger als zwei, drei Wochen in den Zelten aushalten, bevor sie schließlich weiter verteilt werden und mit Glück eine Wohnung erhalten.

Mittlerweile seien alle registriert, sagt dagegen die Pressesprecherin der Johanniter, Hermine Urbaniak. Sie sieht die Lage nüchterner. Mit Sachspenden wie Kleidung sei das Lager gut ausgestattet, nur "Herrenschuhe fehlen", erzählt Urbaniak. Die Aufgabe der Helfer sei es, die erschöpften Menschen "wieder aufzupäppeln". Ärzte vor Ort bieten für jeden eine Grippeimpfung an. Wer eine zusätzliche Decke wolle, bekomme auch eine oder gar eine zweite. Wichtig sei es, betont Urbaniak, dass sich die Flüchtlinge an Regeln hielten.

Hält Köln die Frist ein?

Doch auch sie gibt zu, dass es die erste Aufgabe sei, "Obdachlosigkeit zu vermeiden". Bis Ende Januar soll die Zeltstadt in Chorweiler bestehen, erst dann wird sie durch ein Containerdorf in Köln-Porz ersetzt werden. Das ist die Ankündigung der Stadt Köln. Prölß vermutet, dass die Stadt die selbsgesetzte Frist nicht einhalten werde. Für die Flüchtlinge und ihre Familien heißt es in jedem Fall, Wochen bei Schnee, Regen und Kälte mit bis zu 60 anderen Menschen in einem Zelt auszuharren. 

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