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Darlene überlebte 15 Tage unter Schutt und Staub

In Haiti passieren doch noch Wunder: Mehr als zwei Wochen nach dem Erdbeben konnte eine Verschüttete gerettet werden. Die 17-jährige Darlene Etienne ist extrem geschwächt, aber am Leben.

Französische Rettungskräfte haben 15 Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti eine 17-Jährige lebend aus den Trümmern geborgen. Darlene Etienne wurde am Mittwoch aus einem eingestürzten Wohnhaus in der Nähe der Universität St. Gerard in der Hauptstadt Port-au-Prince gerettet. Sie ist nach Angaben von Ärzten stark ausgetrocknet und hat ein gebrochenes Bein. Möglicherweise habe sie Zugang zu Wasser aus einem Badezimmer des eingestürzten Hauses gehabt.

Nach Angaben der Rettungskräfte sagte Etienne, sie habe außerdem etwas Cola bei sich gehabt. Das Rettungsteam versorgte die Jugendliche mit Sauerstoff und brachte sie zunächst in ein Feldkrankenhaus und dann auf ein französisches Lazarettschiff.

"Wir haben gedacht, sie wäre tot"

Nachbarn, die Etiennes Stimme gehört und die Behörden alarmiert hatten, sagten, das Haus sei am 12. Januar eingestürzt, als die Erde mit einer Stärke von 7,0 bebte und mindestens 150.000 Menschen starben. Rettungshelfer Claude Fuilla sagte, wenn Etienne nicht gefunden worden wäre, wäre sie vermutlich wenige Stunden später gestorben. Sie konnte nicht richtig mit uns sprechen und sagen, wie lange sie dort war", erklärte Fuilla. "Sie hat mit sehr schwacher Stimme gesprochen, sie war extrem geschwächt." Der Blutdruck der 17-Jährigen sei sehr niedrig gewesen.

Etiennes Familie erklärte, die 17-Jährige habe erst kurz vor dem Erdbeben ihr Studium in St. Gerard aufgenommen. Eine Cousine des Mädchens, Jocelyn A. St. Jules, sagte: "Wir haben gedacht, sie wäre tot." Der französische Botschafter Didier de Bret bezeichnete Etiennes Rettung als Wunder.

Neues Nachbeben

Zuletzt war am Samstag ein Mann lebend aus den Trümmern eines Hauses geborgen worden, der dort seit dem Hauptbeben vom 12. Januar verschüttet war. Am Dienstag bargen haitianische Rettungskräfte einen Mann, der seit einem der Nachbeben unter den Trümmern eines Geschäftes in der Innenstadt lag. Insgesamt holten die Rettungskräfte bisher mindestens 135 Verschüttete lebend aus den Trümmern, die meisten von ihnen aber unmittelbar nach dem Erdbeben. Zahlreiche weitere Opfer wurden von Angehörigen und Nachbarn gerettet.

Unterdessen wurde Haiti in der Nacht zum Donnerstag von einem weiteren Beben der Stärke 4,1 erschüttert. Das Epizentrum befand sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte in einer Tiefe von 58,4 Kilometer etwa 30 Kilometer südöstlich von Port-au-Prince. Über Opfer oder Schäden gab es zunächst keine Angaben. Bei den traumatisierten Menschen wecken die Nachbeben jedoch schreckliche Erinnerungen.

UN: Lage für Obdachlose immer bedrohlicher

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warf dem Westen unterdessen vor, Haiti vor dem Erdbeben mit seiner Misere alleingelassen worden. Dringend benötigte finanzielle Hilfe sei nicht gewährt worden, betonte er auf dem Weltsozialforum im südbrasilianischen Porto Alegre. Dort rief er zum "Jahr der Solidarität" mit dem Karibikstaat auf.

Zwei Wochen nach dem Erdbeben wird die Situation der Obdachlosen immer bedrohlicher. "Wir suchen verzweifelt Zelte und Behelfsunterkünfte", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Auch die Versorgung mit Essen sei kritisch. Gleichwohl bessere sich die Situation: "Die Versorgung läuft flüssiger und wir erreichen immer mehr Menschen. Aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns." Die Zahl der Obdachlosen schätzen die UN auf 800.000 bis zu einer Million.

APN/DPA/DPA
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