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Offenbar fataler Fehler eines Fahrdienstleiters lässt Züge ineinander rasen

Zwei Züge prallen mit voller Wucht aufeinander, eine Lok schlitzt den entgegenkommenden Waggon auf. Zehn Menschen sterben, viele sind schwer verletzt. Die Ursache des Unglücks war offenbar menschliches Versagen.

Rettungskräfte versuchen, die Verletzten und Toten zu bergen

Rettungskräfte versuchen, die Verletzten und Toten zu bergen

Dienstagfrüh, gegen 6.45 Uhr. In voller Fahrt rasen zwei Regionalzüge im oberbayerischen Bad Aibling direkt aufeinander zu - auf einer eingleisigen Strecke. Die Züge knallen frontal zusammen. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der entgegenkommende bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzt ihn auf. Ein Zugteil hat sich zur Seite geneigt, Blechteile ragen in die Höhe. Für neun Menschen gibt es keine Rettung. Sie können nur noch tot aus den Wracks geborgen werden. Eine Person erliegt im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Es ist eines der bundesweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre. Am Abend sickerten die ersten Ermittlungsergebnisse durch, wonach ein Fahrdienstleiter das automatische Signalsystem ausgeschaltet und dem Zug grünes Licht gegeben haben soll, obwohl noch ein Treibwagen auf der Strecke war.


Als die ersten Helfer an der Unglücksstelle eintreffen, wartet eine Herkulesaufgabe auf sie. Rund 80 Insassen sind verletzt, fast 20 von ihnen schwer. Die Unfallstelle nahe einem Klärwerk ist nur schwer zugänglich: Auf der einen Seite ist ein Berghang, auf der anderen liegt der Mangfallkanal. Die Rettungsfahrzeuge kommen nur auf einem schmalen Weg zum Unfallort. Deshalb fliegen Hubschrauber die Verletzten aus. 

"Ich will Ihnen Einzelheiten ersparen"

Am schwierigsten gestaltet sich die Bergung der Schwerverletzten aus den vorderen Zugteilen. Teilweise muss schweres Gerät eingesetzt werden. Der Leitende Notarzt Michael Riffelmacher schildert, dass der Zusammenstoß der beiden Züge enorme Kräfte freigesetzt habe. Dadurch sei es zu extremen Verformungen in den Waggons gekommen.

"Ich will Ihnen Einzelheiten ersparen", sagt Riffelmacher, doch von einem Schwerverletzten seien für die Retter zunächst lediglich Gesicht und eine Hand zugänglich gewesen. Feuerwehrmänner befreien die teils eingeklemmten Opfer in einem mehrstündigen dramatischen Rettungseinsatz.

Behutsam beugen sich Notärzte und Sanitäter auch noch mittags über ein Loch an einer der Lokomotiven, arbeiten sich zu einem der Opfer vor. Dass sie eine Decke darüberbreiten, lässt Schlimmes ahnen.


Beide Lokführer unter den Toten

An der Unfallstelle herrscht fast andächtige Stille, die nur vom Lärm der Rotorblätter der Hubschrauber unterbrochen wird. Feuerwehrmänner stehen in Zweierreihen auf dem Damm des Mangfallkanals und warten auf ihren Einsatz. Vor ihnen stehen Kisten mit medizinischem Gerät.

Die Schwerverletzten werden direkt in umliegende Kliniken geflogen, die Leichtverletzten zu einer Sammelstelle gebracht, wo sie mit Rettungswagen in die Krankenhäuser gefahren werden. Etliche Verletzte werden in Rettungsbooten auf die andere Seite des Mangfallkanals gebracht und von dort weitertransportiert.

Die Toten werden derweil in Metallsärgen zu eigens hergebrachten kleinen Schienenwagen auf dem Gleis gebracht. Christian Schreyer von der Transdev, die den Meridian auf der Nahverkehrsstrecke betreibt, muss am Mittag mitteilen, dass auch die beiden Lokführer unter den Toten sind.


Es war menschliches Versagen

Am Mittwoch soll damit begonnen werden, die Zugwracks mit schwerem Gerät zu entfernen. Am Dienstagabend steht jedoch nach ersten Ermittlungen bereits fest, dass menschliches Versagen die Tragödie ausgelöst hat. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus zuverlässiger Quelle. Zuvor hatte das RedaktionsNetzwerk Deutschland darüber berichtet, dass menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die sich ebenfalls auf das RedaktionsNetzwerk beruft, berichtete darüber hinaus, dass ein Bahnbediensteter das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt habe, um einen verspäteten Triebwagen noch "quasi von Hand durchzuwinken". Um den entgegenkommenden Zug auszuweichen, hätte der Triebwagen rechtzeitig einen sogenannten Begegnungspunkt erreichen müssen, wo die eingleisige Strecke zweigleisig wird. Doch der Triebwagen schaffte es demnach nicht rechtzeitig bis zu diesem Punkt. Fatalerweise bekam der entgegenkommende Zug grünes Licht, obwohl das reguläre Signalsystem auf Rot stand. 

Bis die Bahnlinie wieder freigegeben wird, werden Tage vergehen. "Die Bergung wird schwierig, weil die Triebköpfe ineinander verkeilt sind", erläutert Josel.

Dobrindt: eine schwere Stunde

Zwar spricht Dobrindt von einem der bundesweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre: "Es ist eine schwere Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs in Deutschland." Die CSU sagt "aus Respekt vor den Opfern" ihren traditionellen Politischen Aschermittwoch ab. Die anderen Parteien folgen ihr.

Aber trotz der Toten und vielen Verletzten sendet Polizeipräsident Robert Kopp ein tröstliches Signal aus. In Bayern ist in dieser Woche schulfrei. "Insofern war es ein Glücksfall, dass Faschingsferien sind", sagt Kopp, "sonst wären wesentlich mehr Fahrgäste in den Zügen gesessen".

Paul Winterer/DPA
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